<< Themensammlung Personal

Gehe zu: News | FAQs

Geringfügige Beschäftigung

Die Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft

In Deutschland sind derzeit etwa 7,5 Millionen Menschen in einem geringfügig entlohnten Beschäftigungsverhältnis. Für etwa zwei Drittel dieser geringfügig Beschäftigten ist dies ihre einzige Einnahmequelle, ein Drittel geht dieser Tätigkeit im Rahmen eines Nebenjobs nach.

Quelle: Statista ©

Für diese Minijobs gelten bestimmte gesetzliche Vorgaben hinsichtlich Sozialversicherung und Steuer. So wurde die abgabefreie Grenze 2013 von 400 auf 450 Euro erhöht. Bis 2013 unterlagen geringfügig Beschäftigte auch keiner Versicherungspflicht; seitdem sind Minijobber jedoch auch rentenversichert, sofern kein Antrag auf Versicherungsfreiheit gestellt wird. Die Zahlen der geringfügig Beschäftigten steigen seit Jahren, wenn auch langsam. Dabei werden diese Jobs zum Großteil von Frauen ausgeübt.

Die Ausweitung der Minijobs begann etwa in den 1960er Jahren, um der ungünstigen Lage des Arbeitsmarktes entgegenzuwirken und ihn für diejenigen zu öffnen, die bislang nicht aktiv gewesen waren. Die Freistellung von Sozialabgaben sollte dabei einerseits attraktiv für Arbeitnehmer sein und gleichzeitig Kleinstansprüche an die Rentenversicherung verhindern.

Besonders interessant wurden die Minijobs aber, als 2003 die wöchentliche Arbeitszeitbegrenzung von 15 Stunden wegfiel und die monatliche Einkommensgrenze auf 400 Euro angehoben wurde. Inzwischen liegt diese Grenze bei 450 Euro im Monat.

Auch aus Arbeitgebersicht ist ein solches Beschäftigungsverhältnis auf den ersten Blick nicht ganz unpraktisch, schließlich sind Minijobs sehr flexibel, sodass Arbeitskräfte nach Bedarf eingestellt werden können. Zwar besteht auch für Minijobber eine Kündigungsfrist, allerdings liegt diese innerhalb der ersten zwei Jahre bei nur einem Monat.

1. Forschungsstand

Geringfügige Beschäftigung und ihre Auswirkung auf die Wirtschaft ist ein vieldiskutiertes Thema.

Der folgende Artikel beschäftigt sich mit den Auswirkungen dieser Zahlen auf Wirtschaft und Gesellschaft. Dabei werden unter anderem verschiedene Studien herangezogen, die sich mit der Frage beschäftigen, wer die geringfügig Beschäftigten eigentlich sind, was ihre Lebensumstände definiert und wie ihre Arbeitswelt aussieht. Begonnen wird mit einer Analyse der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung. Weitere Studien behandeln die Frage, welche sozialen Hintergründe die geringfügig Beschäftigten haben und wie ihre Beweggründe aussehen, einer solchen Tätigkeit nachzugehen. Da Frauen den größten Teil der Minijobs innehaben, beschäftigt sich ein Abschnitt des Kapitels auch mit den Erwerbsläufen von Frauen im mittleren Lebensalter.
Das hierauf folgende Kapitel widmet sich dem Arbeitsumfeld der geringfügig Beschäftigten, nimmt also die Betriebe in Augenschein und zieht dafür Analysen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zu Rate.
Abschließend soll die Einführung des Mindestlohns im Zusammenhang mit der geringfügigen Beschäftigung betrachtet werden. Im Vorfeld hatten sich viele Fraktionen skeptisch gezeigt und eine Verdrängung von Arbeitsplätzen befürchtet. Welche Auswirkungen hat die Einführung des Mindestlohns auf dieses Beschäftigungsfeld und wie steht Deutschland im Vergleich zu Europa da?

2. Analyse der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse

Es ist auffällig, dass viele geringfügig Beschäftige monatlich ein Einkommen haben, das sehr nah an der Höchstgrenze liegt. Dies kommt auch dadurch zustande, dass viele Minijobber sich von Sozialabgaben befreien lassen, um so den größtmöglichen Nettolohn zu erreichen. Zudem liegt die Vermutung nahe, dass sich der Übergang in einen Mid-Job schlicht nicht lohnt. Der Minijob sollte ursprünglich auch dazu dienen, Müttern nach der Elternzeit den Rückweg in die Arbeitswelt zu erleichtern, schließlich bringen diese Jobs häufig eine große Flexibilität mit sich, was die Kinderbetreuung vereinfacht. Allerdings bleiben Frauen in diesen Beschäftigungsverhältnissen schlicht stecken, auch wenn keine Veranlassung dazu mehr besteht, wie etwa durch Kinderbetreuung.

Wenn dauerhaft einer geringfügigen Beschäftigung nachgegangen wird, besteht das Problem mit einer Versorgungslücke im Alter, sofern die Arbeitnehmer sich von der Versicherung befreien ließen. Dies ist auch eines der meistgenutzten Argumente von Kritikern, die in Minijobs einen schwerwiegenden Grund für Altersarmut sehen.

Quelle: mais.nrw.de

Vom Arbeitsumfang her bewegte sich 2012 etwa ein Fünftel der geringfügig Beschäftigten bei einem Arbeitspensum von 31 bis 40 Stunden im Monat. Nur weniger als ein Prozent arbeitete mehr als 80 Stunden im Monat. Die zeitlichen Unterschiede ergeben sich vor allem aus den jeweiligen Branchen, in denen sie beschäftigt sind.

2.1. Wer sind die ausschließlich geringfügig Beschäftigten?

Minijobs werden darüber hinaus häufig aufgenommen, um in einem geringen Rahmen zum Haushaltseinkommen beizutragen. In der Regel übernehmen dies die Frauen. Viele geringfügig Beschäftigte sind allerdings auch Schüler, Studierende oder Rentner, die ihr Einkommen aufstocken möchten. Die Motivation, einen solchen Job anzunehmen, ist also sehr unterschiedlich und muss je nach Personengruppe unterschieden werden. Hinzuverdiener müssen zudem von den Personen unterschieden werden, die ihren Lebensunterhalt allein aus einem Minijob bestreiten. Während in den jüngeren Altersstufen Frauen in diesen Beschäftigungsarten überrepräsentiert sind, mehrt sich die Zahl der Männer mit steigendem Alter.

Eine weitere Gruppe der Minijobber sind Arbeitslose, die ihr ALG II über eine geringfügige Beschäftigung aufstocken; bis zu 165 Euro monatlich dürfen sie so hinzuverdienen.

Insgesamt lassen sich die geringfügig Beschäftigten in vier Gruppen einteilen:

  • Hausfrauen/-männer
  • Schüler/innen und Studierende
  • Rentner/-innen
  • Arbeitslose
Viele Minijobber reizt an der geringfügigen Beschäftigung vor allem das „brutto wie netto“-Prinzip.

Den Minijobs wird eine Art „Sprungbrettfunktion“ nachgesagt, also eine Möglichkeit, von einer geringfügigen Beschäftigung in eine Vollzeitbeschäftigung überzuwechseln. Tatsächlich gibt es hierzu widersprüchliche Angaben, sodass diese Wirkung nicht eindeutig bestätigt werden kann und es haben auch nicht alle geringfügig Beschäftigten überhaupt die Intention, von einem Minijob in eine Vollzeit-Beschäftigung zu wechseln. Häufig ist ein Minijob eine attraktive Möglichkeit, in einem speziellen Lebensabschnitt für ein Zubrot zu sorgen, wie etwa bei Schülern oder Rentnern. Arbeitgeber wie Arbeitnehmer schätzen in diesen Lebensphasen die Flexibilität, die ein Minijob der regulären Beschäftigung voraushat. Für einen großen Teil der geringfügig Beschäftigten dient der Job also nicht primär zur Sicherung des Lebensunterhalts, sondern sie verfügen bereits anderweitig über eine Grundsicherung, so wie etwa Rentner durch ihre Rente oder Schüler indirekt durch ihre Eltern.

Für Gruppen wie Schüler, Studierende oder Rentner steht im Rahmen der geringfügigen Beschäftigung auch nicht die Anwartschaft einer gesetzlichen Rentenversicherung. Durch die Möglichkeit, sich von den Sozialabgaben im Rahmen des Minijobs freistellen zu lassen, ist diese Beschäftigungsart sehr attraktiv vor allem für Menschen, die über einen relativ festgelegten Zeitraum möglichst viel von ihrem Lohn direkt erhalten möchten. Schüler nutzen solche Minijobs häufig auch, um erste Berufserfahrungen zu sammeln oder werden von ihren Eltern dazu ermutigt aus eben diesem Grund.

2.2. Erwerbsverläufe von Frauen im mittleren Lebensalter

Da sich ein großer Teil der geringfügig Beschäftigten aus Frauen zusammensetzt, lohnt es sich, in diesem Zusammenhang auch einen Blick auf deren Erwerbsverlauf zu werfen. Interessant ist hierbei entsprechend die Betrachtung der Biografien von Frauen aus der Babyboom-Generation, denn diese sind inzwischen in einem Altersbereich, in dem die Kinder größtenteils selbst erwerbstätig geworden sind und keine langfristige Betreuung mehr benötigen, sodass theoretisch für diese Frauen Zeit wäre, einer Vollzeitbeschäftigung nachzugehen. Hinzu kommt, dass die Babyboomerinnen bis dato einen Umbruch sowohl in der Arbeitswelt als auch der typischen familiären Strukturen miterlebt haben.

Erwerbsläufe von Frauen weisen meist allein durch Kinderbetreuung deutlich größere Lücken auf als die von Männern.

Die traditionelle Ehe mit dem Mann hat ihre Vormachtstellung eingebüßt und ist flexibleren Familienmodellen gewichen. Frauen dieser Kohorte haben zudem meist einen höheren Bildungsgrad als die Frauen der vorherigen Generation. Dennoch ist für sie die Kinderbetreuung häufig die Hauptaufgabe. Etwa 45 Prozent der Erwerbstätigen Frauen waren 2010 in Teilzeit beschäftigt. Während die Hauptgründe in Ostdeutschland vornehmlich im Mangel an entsprechenden Vollzeitstellen begründet lagen, zogen Frauen in Westdeutschland die Teilzeitarbeit vor, um sich der Kinderbetreuung widmen zu können. Auch der Ausbau der Minijobs zeigt sich in den Erwerbsverläufen der Frauen mittleren Alters deutlich. Zwölf Prozent der erwerbstätigen Babyboomerinnen gingen 2009 einer geringfügigen Beschäftigung nach. Darüber hinaus waren Frauen 2010 durchschnittlich 37 Wochen arbeitslos.

Die geringfügige Beschäftigung in Kombination mit Teilzeitarbeit und dem ohnehin bestehenden Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen macht Frauen dieser Kohorte besonders anfällig für Altersarmut, insbesondere, wenn kein vermögender Ehemann vorhanden ist, um Defizite auszugleichen. Durch Geburten unterbrochene Erwerbstätigkeit und häufige Arbeitsstellen in schlechter bezahlten Branchen verschärfen die Situation zusätzlich.

Da erst seit relativ kurzer Zeit geringfügig Beschäftigte die Möglichkeit haben, im Rahmen ihrer Tätigkeit Sozialabgaben zu leisten, können die Babyboomerinnen davon nur in sehr geringem Maße profitieren. Nur etwa fünf Prozent der Minijobber im gewerblichen und sieben Prozent derer in Privathaushalten nutzten ab 2011 die Möglichkeit der freiwilligen Beitragsaufstockung, sodass hier keine nennenswerten Beträge hinsichtlich der Rentenversicherung erwirtschaftet wurden.

Laut der Studie, die sich mit der Problematik beschäftigt, ist zudem keine Sprungbrettfunktion der geringfügigen Beschäftigung zu erkennen. Stattdessen arbeiten Frauen auch langfristig in diesen Beschäftigungsverhältnissen.

3. Geringfügige Beschäftigung in deutschen Betrieben

Wie bereits erwähnt, sind Minijobs auch für Arbeitgeber interessant, denn sie können relativ flexibel ihren Bedarf anpassen und die Personalkosten gering halten. Der Schwarzarbeit soll so ebenfalls entgegengewirkt werden, auch wenn auf der anderen Seite befürchtet wird, dass geringfügige Beschäftigungen zur Verschleierung von eben dieser genutzt werden könnte, indem beispielsweise nur ein Teil der Beschäftigung als Minijob geregelt ist. Besonders in Branchen mit einem wechselnden Strom an Kunden wie etwa in der Gastronomie sind solche Beschäftigungsverhältnisse interessant, doch auch kleine Betriebe profitieren davon. Die höheren Sozialabgaben, die entstehen, gleichen viele Betriebe durch Stundenlöhne aus, die niedriger ausfallen als bei regulär Angestellten.

Quelle: doku.iab.de ©

Einen etwas unlauteren Vorteil haben Betriebe auch dadurch, dass geringfügig Beschäftigte ihre eigenen Rechte häufig nicht gut kennen oder sich nicht trauen, diese geltend zu machen. So sind sie oft in puncto Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Kündigungsschutz oder Diskriminierungsverbot im Nachteil.

Besonders häufig werden Minijobber in folgenden Branchen eingesetzt:

  • Nahrungs- und Genussmittel
  • Gastgewerbe
  • Einzelhandel
  • Gesundheits- und Sozialwesen
  • Sonstige Dienstleistungen

Eher seltener zu finden, sind sie beispielsweise im Bereich Information/Kommunikation, Bergbau, Erziehung, Versicherung und Produktion. Es ist also eine Häufung von geringfügigen Beschäftigungen vor allem im Dienstleistungssektor zu finden. Dies liegt vor allem daran, dass hier eine teilweise stark schwankende Nachfrage herrscht, auf die Betriebe flexibel reagieren müssen. Für Beschäftigte spielen auch die Öffnungszeiten eine Rolle. Die späten Arbeitszeiten beispielsweise in Gaststätten oder Casinos ermöglichen eine ergänzende Tätigkeit, beispielsweise zum Studium. Die Tätigkeiten, die die geringfügig Beschäftigten dabei ausführen, sind meist relativ einfache. Häufig greifen Betriebe auf eine feste Anzahl hochqualifizierter Mitarbeiter zurück und stellen diesen eine größere Menge an Minijobbern zur Seite.

Besonders in Westdeutschland werden geringfügig Beschäftigte eingesetzt; über die Hälfte der Betriebe greift hier auf Minijobber zurück, während das in Ostdeutschland nur 37 Prozent tun.

Der Einzelhandel ist eine der Branchen mit einem sehr großen Anteil an geringfügig Beschäftigten.

Kritiker sehen in den Minijobs eine Gefahr für reguläre Stellen und fürchten, dass diese von den geringfügigen Beschäftigungen verdrängt werden; insbesondere im Niedriglohnsektor. Tatsächlich hat eine Studie auf Gesamtdeutschland bezogen ergeben, dass mit der Ausweitung der geringfügigen Beschäftigung die regulären Stellen ein wenig zurückgegangen sind. Dieser Effekt ist allerdings sehr heterogen und variiert je nach Betriebsgröße und Wirtschaftszweig. Insbesondere in kleineren Betrieben ist dieser Trend deutlich erkennbar, während in mittelgroßen Betrieben der Rückgang der sozialversicherungspflichtigen Stellen deutlich geringer ausfällt. Bei großen Betrieben dagegen geht eine Aufstockung der geringfügigen Beschäftigung zumeist auch mit einer der regulären Beschäftigungsverhältnisse einher.

Auch in der Pflege werden spätestens seit dem Wegfall des Zivildienstes verstärkt geringfügig Beschäftigte eingesetzt.

Den größten Rückgang von Stellen zugunsten geringfügiger Beschäftigung verzeichnen vor allem Branchen wie das Gesundheits- und Sozialwesen sowie das Gastgewerbe und der Einzelhandel. Ein gleichzeitiges Wachstum von Minijobs und sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung findet vor allem in Branchen wie dem Informations- und Kommunikationsbereich statt sowie im produzierenden Sektor. Einzig Großbetriebe koppeln sichtbar den Ausbau der Stellen in beiden Beschäftigungsbereichen, allerdings sind hier nur etwa 19 Prozent der Minijobber tätig.

Dieser Trend muss allerdings differenziert betrachtet werden und sollte nicht vorschnell als grundsätzlich negativ eingestuft werden, denn insbesondere in Kleinbetrieben wären in vielen Fällen höchstwahrscheinlich ohnehin keine neuen sozialversicherungspflichtigen Stellen entstanden. In diesen Bereichen sind geringfügige Beschäftigungsverhältnisse also eher ein Zuwachs.

4. Zur Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland

Seit dem 1. Januar 2015 gilt in Deutschland der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Damit ist Deutschland im europäischen Raum verhältnismäßig spät dran; Nachbarländer wie Frankreich, Luxemburg oder Belgien haben schon seit vielen Jahren den Mindestlohn etabliert.

In Deutschland wurde lange Zeit über die Einführung diskutiert; den positiven Aspekten wie einem Gehalt, von dem Beschäftigte gut leben und ihre Familie versorgen können, steht die Sorge gegenüber, dass ein flächendeckender Mindestlohn Arbeitsplätze gefährdet, da für Arbeitgeber im Niedriglohnsektor die Lohnkosten steigen. Es wird befürchtet, dass Arbeitsplätze ins Ausland ausgelagert oder gänzlich abgebaut werden.

Quelle: statista.com ©

Insbesondere im Zusammenhang mit der ausgeweiteten geringfügigen Beschäftigung scheint für Kritiker der Mindestlohn dem genau entgegenzuwirken. Befürworter sehen darin allerdings eine Bremse für Dumpinglöhne, denn im Jahr 2012 verdienten mehr als 2,5 Millionen Arbeitnehmer weniger als sechs Euro pro Stunde.

Für Minijobber gilt ebenfalls der gesetzliche Mindestlohn, allerdings gibt es auch Ausnahmen. Diese bestehen für:

  • Auszubildende
  • Minderjährige ohne abgeschlossene Berufsausbildung (Schüler)
  • Praktikanten, die ein Praktikum von bis zu drei Monaten Dauer absolvieren
  • Zeitungszusteller (gilt noch bis 31. Dezember 2016)
  • Ehrenamtlich Tätige
  • Langzeitarbeitslose innerhalb der ersten sechs Monate nach Wiedereinstieg
  • Arbeitnehmer, die im Rahmen eines Entsendegesetzes oder der Arbeitnehmerüberlassung mit einem Stundenlohn unterhalb von 8,50 Euro beschäftigt sind (gilt noch bis 31.12.2017)

Nach wie vor hat natürlich auch die Einkommensgrenze von 450 Euro für geringfügig Beschäftigte Bestand. Gerade diese Tatsache ist für viele Betriebe ein Nachteil hinsichtlich des Mindestlohns. Während sich die Beschäftigten in vielen Branchen über einen höheren Stundenlohn freuen können, müssen Arbeitgeber nun darauf achten, dass insbesondere die Minijobber die Einkommensgrenze nicht überschreiten. Haben sie geringfügig Beschäftigte vorher zu einem niedrigeren Stundenlohn beschäftigt, müssen sie nun ihre Arbeitsorganisation überdenken, da sie für den gezahlten Lohn weniger Arbeitsstunden erhalten.

Gerade in der Gastronomie ist das Trinkgeld ein gern gesehenes Zubrot. In den USA ist es für Kellner vielerorts sogar notwendig ob der niedrigen Löhne.

Arbeitnehmer in Branchen, in denen Trinkgeld üblich ist, wie etwa in Casinos, im Hotel oder der Gastronomie sind mit Mindestlohn unabhängiger von diesen Zusatzleistungen. In den USA werden in diesen Sektoren teilweise extrem niedrige Löhne gezahlt, weil davon ausgegangen wird, dass Trinkgelder diese Differenz ausgleichen. Da diese aber unbeständig gezahlt werden, können Arbeitnehmer mit ihnen nicht kalkulieren.

Verschiedene empirische Studien haben gezeigt, dass in Ländern, die den Mindestlohn einführten, die Befürchtungen sich nicht bewahrheitet haben. Der deutsche Mindestlohn von 8,50 Euro ist darüber hinaus noch vergleichsweise moderat. Zudem war bis zur Einführung eine Vorlaufzeit von zwei Jahren gegeben, um die Betriebsstruktur und Tarifverträge gegebenenfalls anzupassen. Zudem sorgt eine Reihe von Ausnahmen dafür, dass etwa Schüler, Auszubildende oder Praktikanten nach wie vor nicht nach Mindestlohn bezahlt werden müssen, was Betriebe entlastet.

Zusammenfassung

Die geringfügige Beschäftigung ist ein extrem heterogenes Feld, sodass es kein einzelnes Fazit für die unterschiedlichen Problematiken geben kann. Während auf der einen Seite tatsächlich zumindest im Sektor der kleinen und mittleren Betriebe ein Zusammenhang beobachtet werden kann zwischen dem Anstieg geringfügiger Beschäftigung und dem gleichzeitigen Rückgang sozialversicherungspflichtiger Stellen. Große Unternehmen hingegen stocken bei Wachstum ihre Stellen meist gleichermaßen auf.

Dagegen konnte keine der Studien die Sprungbrettfunktion von Minijobs bestätigen, was aber zu einem nicht unwesentlichen Teil auch daran liegt, dass ein großer Teil der geringfügig Beschäftigten gar kein Interesse hat, in eine Vollzeitbeschäftigung zu wechseln. Die Schicht der Minijobber setzt sich aus Menschen mit sehr unterschiedlichen Intentionen zusammen. Schüler, Studierende und Rentner nutzen gern die Möglichkeit, zusätzlich zu ihrer Grundsicherung etwas hinzuverdienen zu können. Den Großteil stellen allerdings nach wie vor Frauen, die neben der Kinderbetreuung ein wenig zum Haushaltseinkommen beisteuern wollen. Sie alle haben keinen Grund, von einer geringfügigen Beschäftigung in eine vollwertige Stelle zu wechseln. Problematisch ist die geringfügige Beschäftigung allerdings, wenn sie über lange Zeit als einzige Tätigkeit ausgeübt wird und in dieser Zeit sich die Minijobber zusätzlich von den Sozialabgaben befreien lassen. In diesem Fall fehlen wichtige Einzahlungen in die Rentenversicherung, die sich insbesondere bei Frauen in einer Altersarmut niederschlagen können.

Der seit Anfang 2015 gesetzlich festgelegte Mindestlohn hilft dabei, auch im Bereich der Minijobs moderate Stundenlöhne durchzusetzen, zumindest abseits der Ausnahmen. Arbeitnehmer werden hier zwar zu großen Teilen in die Pflicht genommen, doch die erwähnten Ausnahmeregelungen für Schüler, Praktikanten und Auszubildende entlasten Betriebe auch weiterhin. Ein abrupter Abbau von Arbeitsplätzen ist also auch mit dem Mindestlohn nicht zu erwarten, zumal der festgelegte Stundenlohn von 8,50 Euro im europäischen Vergleich relativ betrachtet noch sehr moderat ausfällt und die zusätzliche Belastung von Betrieben verhältnismäßig gering hält.

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer