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Freiberufler - Definition und Berfusliste für ein Leben ohne Gewerbesteuer

Freiberufler oder nicht - alle Infos in Kürze

Keine Gewerbeanmeldung, keine Gewerbesteuer, keine doppelte Buchführung: Die Vorteile eines Freiberuflers gegenüber einem Gewerbetreibenden liegen auf der Hand. Aber wie wird man eigentlich Freiberufler? Welche Voraussetzungen oder rechtliche Hürden gibt es, um offiziell als Freiberufler anerkannt zu werden? Hier finden Sie sämtliche Informationen rund um Freiberufler auf einen Blick – verständlich, umfassend und detailliert aufbereitet. 

Darum geht's beim Privileg der freiberulflichen Tätigkeit

Der Freiberufler unterscheidet sich in fünf wesentlichen Punkten vom Gewerbetreibenden:

  • Er zahlt keine Gewerbesteuer.
  • Er muss kein Gewerbe anmelden.
  • Er muss keine doppelte Buchführung betreiben (eine Einnahme-Überschuss-Rechnung reicht aus).
  • Er ist kein Zwangsmitglied in einer Industrie- und Handelskammer (IHK).
  • Er kann mit anderen Freiberuflern eine Partnerschaftsgesellschaft gründen.

Wer ist ein Freiberufler? Eine erste Annäherung ergibt eine Definition, die im Partnerschaftsgesellschaftsgesetz (PartGG) nachzulesen ist, und zwar in § 1, Abs. 2: "Die Freien Berufe haben im Allgemeinen auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt."

Konkreter wird § 18, Abs. 1 des Einkommensteuergesetz (EStG): Dieser Absatz unterscheidet bei den Freiberuflern drei Gruppen – Katalogberufe, Katalogähnliche Berufe und Tätigkeitsberufe.

Katalogberufe: Vier Berufsgruppen fallen in diese Kategorie.

  1. Heilberufe: Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Heilpraktiker, Krankengymnasten, Hebammen, Heilmasseure und Diplom-Psychologen.
  2. Rechts-, Steuer- und wirtschaftsberatende Berufe: Rechtsanwälte, Patentanwälte, Notare, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Steuerbevollmächtigte, beratende Volks- und Betriebswirte und vereidigte Buchprüfer.
  3. Naturwissenschaftliche und technische Berufe: Vermessungsingenieure, Handelschemiker, Architekten, Lotsen und Sachverständige.
  4. Kulturberufe: Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer, Wissenschaftler, Künstler, Schriftsteller, Lehrer und Erzieher.

Katalogähnliche Berufe:

Diese Berufe entsprechen in ihrem Anforderungsprofil weitgehend den Katalogberufen; sie erfordern eine höhere Ausbildung. Es findet immer eine Einzelfallprüfung statt. Zum Beispiel haben Finanzgerichte entschieden, dass die folgenden Berufe freiberuflichen Charakter haben: Ergotherapeut, Dirigent, Fotodesigner, Masseur, Reitlehrer, Schauspieler, Werbetexter oder Modedesigner (keine vollständige Liste!).

Tätigkeitsberufe:

Der Arbeitsmarkt steht nicht still, neue Berufsbilder tauchen auf. Daher sind Freiberufler auch in sogenannten Tätigkeitsberufen aktiv, wobei immer der Einzelfall geprüft wird (keine vollständige Liste!):

  1. Wissenschaftliche Tätigkeit: Dazu zählen Forschung, Lehrtätigkeit oder das Erstellen von Gutachten.
  2. Künstlerische Tätigkeit: Bildende Künstler, Showstars, Entertainer oder Regisseure.
  3. Schriftstellerische Tätigkeit: Online-Journalisten, Publizisten, Autoren oder Lektoren.
  4. Erzieherische Tätigkeit: Betreiber eines Kinderheims.
  5. Unterrichtende Tätigkeit: Reitlehrer oder Kommunikationstrainer.

Was verbirgt sich also hinter dem Begriff "Freiberufler"? Da die Grenzen fließend sind, lässt sich in einigen Fällen nicht sofort festlegen, wer ein Freiberufler ist und wer nicht. Das Einkommensteuergesetz gibt eine Richtung vor: Wer einen Katalogberuf, einen Katalogähnlichen Beruf oder einen Tätigkeitsberuf ausübt, ist ein Freiberufler.

So sieht es in der Praxis aus

In ihrem "Praxisbuch für Freiberufler" hat Svenja Hofert bestimmte Kriterien zusammengestellt. Mit ihrer Hilfe kann der Leser erkennen, ob er eher ein Freiberufler oder ein Gewerbetreibender ist.

Was spricht für eine freiberufliche Tätigkeit?

  • Es liegt ein akademischer Abschluss oder eine höhere Bildung vor.
  • Der kreative Anteil ist bei der Arbeit sehr hoch.
  • Hochwertige Zusatzausbildungen wurden absolviert, die für die Arbeit notwendig sind.
  • Freiberufler ist, wer in seinem Unternehmen allein inhaltlich arbeitet, während andere Mitarbeiter als Aushilfen oder "Zuarbeiter" tätig sind.
  • Die Verdienstquelle besteht aus Wissen und Erfahrung auf hohem Niveau.
  • Die Tätigkeit liegt im Bereich von Beratung, Coaching, Lehre oder Unterricht.
  • Es besteht ein besonderes Vertrauensverhältnis zu den Kunden.
  • Die Dienstleistung und der persönliche Einsatz stehen im Vordergrund.
  • Die Bezahlung besteht aus Honoraren.
  • Das Know-how der Tätigkeit hat das Niveau eines in den Katalogberufen genannten Akademikers.

Was spricht für eine Tätigkeit als Gewerbetreibender?

  • Produkte werden verkauft.
  • Die Dienstleistung besteht in der Vermittlung.
  • Es wird eine Ware hergestellt.
  • Das Unternehmen wächst vor allem durch Kapitaleinsatz.

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Fazit

Die Liste der Kriterien zeigt: Auf den ersten Blick lässt sich nicht schnell sagen, wer ein Freiberufler ist. Es kommt immer auf den Einzelfall an, den das Finanzamt zu prüfen hat. Da ist Rat vom Fachmann gefragt, Rechtsanwälte oder Steuerberater helfen weiter. Es ist auch möglich, beim Finanzamt eine verbindliche Auskunft zu beantragen oder im Zweifelsfall die Oberfinanzdirektion einzuschalten. Freiberufler oder Gewerbetreibender – die passende Schublade ist nicht leicht zu finden.

Nachrichten und Interviews zu Freiberufler

Häufige Fragen zu Freiberufler

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Unterliegen Freiberufler der Buchführungspflicht?

Grundsätzlich unterliegen Freiberufler nicht der Buchführungspflicht, da sie weder Gewerbetreibende noch Kaufleute sind.

Gründet man jedoch mit anderen freiberuflich Tätigen eine Kapitalgesellschaft, handelt es sich stets um einen Gewerbebetrieb, weil Kapitalgesellschaften kraft Rechtsform als Gewerbebetrieb gelten. Als Freiberufler zählt man dann gemäß dem Handlungsgesetzbuch (HGB) zu den "Vollkaufleuten"  und wird dadurch buchführungspflichtig.
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Können Freiberufler der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung beitreten?

Mit dem Hartz-III-Gesetz haben auch Freiberufler seit 2006 die Möglichkeit, sich freiwillig in der Gesetzlichen Arbeitslosenversicherung (GAV) gegen Arbeitslosigkeit zu versichern. Voraussetzung: Die selbstständige Tätigkeit muss mindestens 15 Stunden in der Woche betragen und der Antragsteller muss in den letzten 24 Monaten vor der Gründung mindestens zwölf Monate in der GAV versichert gewesen sein.

Der Antrag ist binnen eines Monats nach Aufnahme der Beschäftigung bei der Arbeitsagentur zu stellen. Die Beitragshöhe ist unabhängig vom individuellen Einkommen und beträgt monatlich 39,81 Euro.

Weitere Infos zum Thema finden Sie hier.
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Wie führen Freiberufler ihren Gewinn ab?

Wer nicht verpflichtet ist, Bücher zu führen oder Abschlüsse zu machen, kann seinen Gewinn über die Einkommensüberschussrechnung ermitteln und dem Finanzamt mitteilen.
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Müssen Freiberufler ein Gewerbe anmelden?

Selbstständige auf der Basis freiberuflicher Tätigkeiten müssen kein Gewerbe anmelden. Eine schriftliche, formlose Mitteilung an das Finanzamt reicht aus.

Die gesetzliche Abgrenzung zwischen Gewerbetreibenden und Freiberuflern ist jedoch nicht unbedingt eindeutig. Falls es Unklarheiten bezüglich der Einstufung gibt, sollte man sich beim Finanzamt informieren. Auch eine Rücksprache mit dem Steuerberater kann hilfreich sein.
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Müssen Freiberufler Umsatzsteuer abführen?

Grundsätzlich müssen alle Freiberufler Umsatzsteuer abführen.

Freiberufler, auf die die Kleinunternehmerregelung zutrifft, müssen jedoch keine Umsatzsteuer zahlen. Die Kleinunternehmerregelung gilt bei einem Bruttoumsatz von nicht mehr als 17.500 Euro im Vorjahr, sowie einem voraussichtlichen Bruttoumsatz von nicht mehr als 50.000 Euro im laufenden Jahr. Wenn der Umsatz über den genannten Beträgen liegt, muss die Umsatzsteuer nachgezahlt werden.

Weitere Fragen und Antworten zu Freiberufler >>

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