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Rechnungswesen: Umsatzrendite

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Umsatzrendite - Maßstab für wirtschaftliche Effizienz

Was ist eigentlich die ... Umsatzrendite?

Die Umsatzrendite gehört zu den wichtigsten Kennzahlen für die Messbarkeit des Unternehmenserfolgs. Warum genau aber ist die Umsatzrendite so wichtig, um den Erfolg eines Unternehmens einzuschätzen?

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Darum geht's

Die Umsatzrendite (Return on Sales, ROS) gibt in Prozent das Verhältnis wieder, das zwischen Gewinn und Umsatz besteht:

Umsatzrendite = Gewinn / Umsatz x 100

Mit dieser Kennziffer lässt sich die wirtschaftliche Effizienz von Unternehmen analysieren, zum Beispiel kann man die Umsatzrendite des eigenen Unternehmens mit dem Branchendurchschnitt vergleichen. Oder die Daten der Konkurrenz heranziehen, um den eigenen Erfolg besser zu beurteilen. Dabei wird zwischen der Brutto- und der Nettoumsatzrendite unterschieden:

  • Die Bruttoumsatzrendite wird mit dem Gewinn vor Steuern berechnet.
  • Die Nettoumsatzrendite errechnet sich mit dem Gewinn nach Steuern.

Da es Steuernachzahlungen geben kann, oder Verlustvorträge möglich sind, ist die Nettoumsatzrendite nicht immer geeignet, um unterschiedliche Unternehmen zu vergleichen. Daher kann es sinnvoll sein, die Bruttoumsatzrendite als Grundlage einer Analyse zu wählen. In einem weiteren Schritt lässt sich die EBIT-Marge bestimmen: EBIT steht für "earning before interest and taxes". Für diese Kennziffer sind auch die Kapitalkosten herauszurechnen, die EBIT-Marge ist das Verhältnis vom Gewinn vor Steuern und Kapitalkosten zum Umsatz.

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat die Nettoumsatzrenditen in Deutschland untersucht. Allerdings liegen verwertbare Branchendaten nur bis 2005 vor: Die höchsten Nettoumsatzrenditen erzielten unternehmensnahe Dienstleistungen, zum Beispiel Steuerberater. Sie erwirtschafteten eine Rendite von fast 8 Prozent, wobei aber ein Unternehmerlohn abgezogen werden muss. Das IW schreibt dazu: "Erst der Rest steht für Investitionen und andere Ausgaben zur Verfügung. Die Nachsteuerrendite der Dienstleister überzeichnet von daher die wirkliche Gewinnsituation."

In der Industrie lag die Chemie-Branche vorne, sie kam auf eine Umsatzrendite von knapp 6 Prozent. Die Metall- und Elektroindustrie erreichte einen Wert von 4 Prozent; das Papier-, Verlags- und Druckgewerbe kam auf 3 Prozent. Das Baugewerbe war mit einer Umsatzrendite von 4 Prozent nur scheinbar erfolgreich: "Auch hier müssen die Inhaber der vielen kleinen Bauunternehmen vom Gewinn ihren Lohn bestreiten, für Investitionen blieb mithin entsprechend wenig übrig", schreiben die Wissenschaftler vom IW.

Was verbirgt sich also hinter dem Begriff "Umsatzrendite"? Eine zentrale Kennziffer aus der Finanzwirtschaft, mit der die wirtschaftliche Effizienz eines Unternehmens gemessen wird. Wer Unternehmen vergleichen will, kann die Umsatzrendite als Maßstab heranziehen.

So sieht es in der Praxis aus

Die Umsatzrendite soll steigen – dazu senken Unternehmen oft ihre Kosten, rationalisieren Arbeitsprozesse und entlassen Mitarbeiter. Doch Hermann Simon und Karl-Heinz Sebastian reicht das nicht aus: In Ihrem Artikel "Ertragssteigerung – eine zuwenig genutzte Chance" zeigen sie, wie Unternehmen durch einen besseren "Pricing-Prozess" ihre Umsatzrendite erhöhen können. Die "Ernte eines angemessenen Gegenwertes" ist das Ziel, was auch "Value Extraction" genannt wird.

"Kostensenkungen verursachen zunächst Aufwand und wirken nur mit Zeitverzögerung (z. B. Entlassungen). Margenverbesserungen schlagen hingegen sofort auf den Ertrag durch und erfordern in der Regel keine teuren Vorabinvestitionen", stellen die Autoren fest. "Richtiges Erlösmanagement beinhaltet also gleich drei Chancen: Zeitgewinn, Vermeidung zusätzlicher Ausgaben und höhere Gewinnsteigerung."

Wie sieht dieses "richtige Erlösmanagement" aus? Es geht nicht um eine "Anhebung der Listenpreise quer Beet oder den Befehl an den Verkauf, höhere Preise ‚durchzusetzen’". Vielmehr ist der gesamte Pricing-Prozess zu durchleuchten: "Unseren Erkenntnissen zufolge lässt sich die Umsatzrendite durch effektivere Pricing-Prozesse in der Regel um 1 bis 2 Prozentpunkte steigern", schreiben Simon und Sebastian.

Eines ihrer vielen Beispiele kommt aus der Software-Branche: Bei einem Anbieter konnten Finanzdienstleister Standard-Software kaufen, die wie bei anderen Produkten üblich gegen eine einmalige Zahlung geliefert wurde. War ein Wartungseinsatz nötig, rechnete das der Anbieter auf Stundenbasis ab. Diese Preissystematik wurde abgelöst durch eine Abonnement-Struktur: Zum Leistungsumfang des monatlichen Abos zählen die Software selbst, ihre Wartung sowie nötige Updates. Vorteil: Da die Konkurrenz ihre Preise weiterhin pro Produkt ausweist, ist ein unmittelbarer Vergleich nicht mehr möglich – und es wird eine deutliche Steigerung der Umsatzrendite erwartet. Das Beispiel macht deutlich: Eine intelligente Neuorganisation des "Pricing-Prozesses" umfasst weit mehr als einfache Preiserhöhungen, kann aber die Ertragssituation stark verbessern.

Fazit

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) weist auf die "nicht selten schmerzhaften Einschnitte" hin, die in deutschen Unternehmen nach der Dotcom-Krise nötig waren. "Jetzt sind die Unternehmen offenbar fit für die Zukunft, was sich in höheren Gewinnen und Eigenkapitalquoten widerspiegelt", wie das IW bei seiner Untersuchung der gestiegenen Umsatzrenditen feststellt. Doch bei einer reinen Einsparungspolitik sollten die Unternehmen nicht stehen bleiben, was Simon und Sebastian in ihrem Artikel betonen: "Die Maßnahmen zur effektiveren Value Extraction treten gleichberechtigt neben die Kostensenkung, um nachhaltige Ertragssteigerungen zu erzielen. Kein Unternehmen sollte sich diese Chancen entgehen lassen."

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