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Kombilohn/ Workfare/ Grundeinkommen

Aktuelle Probleme

Europaweit stellen gering qualifizierte Arbeitskräfte die größte Gruppe unter den Erwerbslosen. In Deutschland ist der Hauptgrund für die hohe Arbeitslosigkeit im Niedriglohnsektor das Missverhältnis zwischen den tariflichen Arbeitskosten und der tatsächlichen Produktivität der gering qualifizierten Arbeitnehmer. Die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ist bei einer Entlohnung, die der tatsächlichen Produktivität entspricht, für den Betroffenen jedoch wenig attraktiv.

Grund dafür: In Deutschland garantiert der Staat auch bei Nichtbeschäftigung das soziale Existenzminimum. Liegt das erzielbare Einkommen dabei nicht deutlich über diesen Sozialtransfers, sind die Anreize eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen gering oder gar nicht vorhanden. Mit der Zahlung eines sozialen Existenzminimums wird damit faktisch ein Mindestlohn geschaffen. 


In Deutschland schafft der Staat jedoch auch durch die Anrechnungsmodalitäten bei Zuverdiensten zu den Transferzahlungen negative Beschäftigungsanreize. Das zusätzlich zu den staatlichen Leistungen erzielte Einkommen wird sobald der Erwerbsfreibetrag überschritten wurde, fast vollständig auf die Transferleistungen angerechnet. 

So kann zum Beispiel durch die Aufnahme einer Teilzeitbeschäftigung das zu Verfügung stehende Nettoeinkommen nicht wesentlich erhöht werden. Damit werden die Anreize zur Aufnahme einer Teilzeitbeschäftigung fast vollständig beseitigt. 

Auswirkungen dieser Probleme auf den Arbeitsmarkt

Die Sozialtransfers führen daher dazu, dass dem Arbeitsmarkt aus Mangel an Arbeitswilligen das gesamte untere Einkommenssegment verloren geht. Unternehmen können Arbeitsplätze, deren Entlohnung aufgrund ihrer geringen Wertschöpfung unterhalb der gezahlten staatlichen Transferleistungen liegt, nicht mehr oder nur schwer besetzen. Die Folgen daraus sind absehbar: Die Stellen werden entweder dauerhaft abgebaut oder, wenn möglich, ins Ausland verlagert

Viele Erwerbslose bessern zudem ihr Einkommen durch Schwarzarbeit auf. Um für gering qualifizierte Erwerbslose neue Arbeitsanreize zu schaffen, muss ihr mögliches Erwerbseinkommen einen deutlichen Abstand zu den Transferleistungen gewährleisten, das bedeutet, dass ihnen große finanzielle Anreize geboten werden müssen. Ein solcher Lohn ist aber am Markt aufgrund der geringen Produktivität dieser Gruppe von Arbeitnehmern nicht zu realisieren.

Lösungsansätze

Um dieses Problem zu überwinden gibt es verschiedene Ansätze:

  • Qualifizierungsmaßnahmen
  • Erwerbsarbeit attraktiver gestalten 

Qualifizierungsmaßnahmen
Ein Ansatz zur Überwindung der strukturellen Probleme schlägt Qualifizierungsmaßnahmen für gering qualifizierte Erwerbslose vor. Damit soll das Einkommenspotential dieser Gruppe angehoben werden. Die Umsetzung dieser Maßnahme dürfte sich jedoch als schwierig erweisen. Die Gründe dafür liegen zum einen darin, dass sich die Weiterbildungsmaßnahmen ständig an den sich immer schneller wandelnden Bedarf der Unternehmen anpassen. Zum anderen stößt die Maßnahme in der Praxis oftmals auch an ihre Grenzen und ist zudem sehr kostenintensiv.

Die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit attraktiver gestalten
Die andere Möglichkeit zur Beseitigung der Anreizprobleme ist es, Erwerbstätigkeit gegenüber dem Beziehen von Transferleistungen finanziell attraktiver zu gestalten. Dies kann auf verschiedenen Wegen erreicht werden. Es bietet sich zum Beispiel an, die Marktlöhne durch staatliche Zuschüsse über die Transferleistungen zu heben.

Eine weitere Möglichkeit wäre, die Transferzahlungen soweit abzusenken, dass die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit eine finanzielle Verbesserung darstellen würde.

Die verschiedenen Modelle sollen dabei durch staatliche Lohnsubventionen bzw. lohnsenkende Maßnahmen die Senkung der Arbeitskosten der Gruppe der gering Qualifizierten ermöglichen.

Durch diese Maßnahmen soll es Unternehmen ermöglicht werden, Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor auch bei geringer Produktivität des Arbeitnehmers zu erhalten bzw. sogar neue zu schaffen.

Mögliche, sowohl in der Politik als auch in der Wissenschaft diskutierte Modelle zur Überwindung der Anreizprobleme sind: 

  • Kombilohn-Modelle
  • Workfare-Modelle
  • Bürgergeld (garantiertes Grundeinkommen)

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