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26.01.12Kommentieren

Do it yourself

Facebook-Marketing für Gründer

Mit über 22 Millionen Mitgliedern allein in Deutschland ist Facebook unbestritten das soziale Netzwerk Nummer 1. Kaum verwunderlich, dass es auch von Unternehmen unterschiedlichster Größe genutzt wird, um sich der breiteren Online-Öffentlichkeit vorzustellen und eine eigene Community aufzubauen. Doch wie verhält es sich mit Existenzgründern, deren Budget meist begrenzt ist? Welche Möglichkeiten bietet Facebook-Marketing fürs kleine Portemonnaie?

Ein Beitrag von Dr. Rebecca Belvederesi-Kochs

Naturgemäß sind Bekanntheitsgrad, Image und Unternehmenskultur in der Gründungsphase noch im Aufbau begriffen. Daher ist es gerade zu Beginn der Existenzgründung besonders wichtig, sich selbst ins Gespräch zu bringen und positiv auf sich aufmerksam zu machen. Man muss sich schließlich von der Konkurrenz abheben, sein Alleinstellungsmerkmal finden und zu vermarkten wissen. Da aber klassische Marketingkampagnen in Print und Rundfunk äußerst kostenintensiv sind und der Cash Flow gerade zu Beginn der Selbständigkeit oft problematisch ist, schaut man sich als Jungunternehmer meist nach kostengünstigen Alternativen um.

Social Media: Hohe Reichweite, geringe Kosten

Mithilfe des Social Webs kann dies problemlos gelingen. So spielen soziale Netzwerke, gerade wenn es um Low-Budget-Marketing geht, eine tragende Rolle. Schließlich ist deren Reichweite mit Zigmillionen täglich aktiven Nutzern enorm. Darüber hinaus ist die Anmeldung, sowohl für Privatpersonen als auch Unternehmen, kostenlos. So kann man sich als Existenzgründer in sozialen Netzwerken gratis anmelden, um diese als effektive Werbeplattformen zu nutzen. Das Gute daran ist: Ein durchdachtes Social Media Marketing funktioniert, auch ohne viel Geld in Kampagnen zu investieren. Marketing in sozialen Netzwerken eignet sich also bestens für kostenbewusstes Ressourcenmanagement, insofern man ein klein wenig seiner Zeit opfert und sich Mühe gibt.

Dabei bieten sich im B2B-Bereich professionelle Plattformen wie LinkedIn oder Xing an. Hier kann man alte Bekannte und Kollegen wiederfinden, neue Kontakte knüpfen und sich mit potenziellen Kooperationspartnern austauschen. Netzwerken, im Sinne eines Geben und Nehmens, steht dabei im Vordergrund. Im B2C sind hingegen die sozialen, auf persönlichen oder gar freundschaftlichen Beziehungen basierenden Netzwerke zu empfehlen, allen voran Facebook. Aber auch Twitter, YouTube, Flickr oder auch Vertreter der Location-based Services wie Qype oder Foursquare können, je nach Branche und Bedarf, von Nutzen sein.

Entscheidet man sich allerdings gerade am Anfang der Geschäftstätigkeit "nur" für Facebook, gibt es grundlegende Dinge zu beachten. Immerhin soll ja das Marketing im sozialen Netzwerk Nr. 1 zur Aufmerksamkeits- und Kundengewinnung beitragen und entsprechend positiv verlaufen. Es gilt, Professionalität an den Tag zu legen und sich gleichzeitig sympathieerzeugend zu positionieren. In diesem Sinne finden sich hier ein paar praktische Tipps und Tricks, durch die man die eigene Facebook-Performance systematisch und ansprechend gestalten kann - ganz nach dem Motto: Do it yourself.

Die Unternehmens-Fanpage: Das strukturelle Fundament

Das A und O jedes Unternehmensauftritts ist zunächst eine Fanpage, sprich eine offizielle Unternehmensseite. Unternehmen, die mit einem privaten Profil agieren und ihre Statusmeldungen in die Welt hinausposaunen, sind a) unglaubwürdig und b) neigen sie dazu, private Nutzer mit Werbung zu überhäufen. Statt den Bekanntheitsgrad zu erhöhen und ein positives Image im Social Web aufzubauen, ist die Wirkung eher kontraproduktiv - nur allzu leicht fühlen sich andere User belästigt und genervt. Nicht selten führt dies sogar dazu, dass sie das vermeintlich private Profil melden, wobei sich Facebook das Recht vorbehält, solche Profile zu löschen. Gerade für ein junges Unternehmen kann das also fatale Konsequenzen haben.

Darüber hinaus gibt es aber auch ganz praktische Gründe für eine Fanpage: Man braucht sie, um sinnvolle Standard-Reiter wie beispielsweise Veranstaltungen, YouTube oder Twitter einzubinden oder auch eigene Anwendungen (Apps) für Gewinnspiele zu entwickeln. Möchte man also in Zukunft eine Promotion-Aktion über Facebook durchführen, sind Fanseiten ohnehin obligatorisch. Außerdem kann man durch die auf der Seite einsehbaren "Insights" etwas über die Struktur der eigenen Community erfahren und Rückschlüsse auf die Zielgruppe ziehen.

Corporate Design: Bitte auch bei Facebook!

Ist das strukturelle Fundament erst einmal gelegt, kommt man zum Gestalterischen. Ganz wichtig ist zunächst ein ansprechendes Profilbild mit dem eigenen Logo. Gerade junge Unternehmen sollten Wert auf ein angemessenes Selfbranding legen und ihr Corporate Design in allen Medien stringent umsetzen. Zudem sollte man für einen professionellen ersten Eindruck darauf achten, dass das Logo nicht verpixelt ist. Ein aussagekräftiges Profilbild zu erstellen, ist dabei keine allzu große Herausforderung. So reichen rudimentäre Photoshop-Kenntnisse aus. Was die Wenigsten wissen: Das Profilbild kann in Bannerform angelegt sein und darf  max. 200 Pixel x 600 Pixel haben. Das Bannerformat lässt auch die Unterbringung zusätzlicher Informationen über das Unternehmen, seine Top-Angebote oder Serviceleistungen zu. Dadurch wissen (potenzielle) Fans schneller, was sie auf der Seite erwartet.

Ein weiterer Eye-Catcher auf der Fanpage ist natürlich die Bilderleiste über der Pinnwand. In der Regel werden die dort angezeigten Bilder zufällig von Facebook ausgewählt. Durch einen einfachen Handgriff kann man allerdings 5 Bilder auswählen, die nach dem Zufallsprinzip in der Leiste eingeblendet werden. Hierzu muss man einfach seine fünf Wunschbilder mit dem Namen der eigenen Seite markieren. Auf die Art wirkt die Optik der Fanpage durchdachter, systematischer und einheitlicher.

Unternehmensinfos: Keep it simple, stupid

Im Gegensatz dazu ist das Ausfüllen der Unternehmensinformationen manchmal kein leichtes Unterfangen. Wichtig ist, nach dem KISS-Prinzip zu verfahren: "Keep it simple, stupid." Heißt: Alles Wesentliche muss rein, von allem Überflüssigen sollte man sich schleunigst trennen – zumal lange Texte nicht den Lesegewohnheiten der User entsprechen. Gleiches gilt auch für die Kurzinfos, die man unbedingt ausfüllen sollte. Erneut heißt hier die Devise "Kurz & Knackig". Als kleiner Tipp: Um die Conversion zur Homepage zu steigern, kann man gleich zu Beginn der Kurzbeschreibung den Namen der eigenen Webseite verlinken.

Nachdem das Gerüst angelegt ist, kann man nun seine Freunde zur Seite einladen. Doch die Frage ist, was diese anspricht. Wofür interessieren sich potenzielle Fans und Kunden?

Die meisten Gründer haben zunächst die Befürchtung, nichts Spannendes aus dem Unternehmen berichten zu können. Vor lauter Sorge, dass die Qualität der Statusmeldungen nicht gegeben sein könnte, halten sie sich zurück und posten nur ein- bis zweimal pro Woche. Hauptargument ist dabei meistens, dass man sich ja erst einen Kundenstamm aufbauen müsse, bevor man etwas über laufende Projekte mitteilen könne.

Community-Aufbau: Zusammen mit den Fans

In solchen Fällen ist es eigentlich immer ratsam, die eigene Scheu zu überwinden und die Fans in die Gründungsphase mit einzubeziehen. Prozessbegleitender Community-Aufbau ist also das Schlagwort. Um die eigene Expertise und Vertrauenswürdigkeit zu bekunden, kann man dies zum einen durch das Teilen und Kommentieren von Branchennews bewerkstelligen. Zum anderen bieten sich aber auch fachfremde Posts an. Denn die Community interessiert sich eben nicht nur für "High-End-Content". Auch banal-unterhaltsame Inhalte können, wenn sie denn authentisch sind, Sympathien wecken. Schöne Beispiele für eine solche Strategie sind: "Wir haben mal unseren Materialbestand aufgefüllt. Der ganze Schreibtisch ist mit Post-Its übersät, aber seht selbst ;-)" oder "Heute haben wir unsere Mittagspause bei XYZ verbracht. Vollgefuttert können wir XYZ wirklich wärmstens weiterempfehlen".

Das Wichtigste beim Do-it-yourself-Marketing auf Facebook ist also, seine Fans in der Aufbauphase nicht auszuschließen, sondern sie von Anfang an einzubinden und emotional an sich zu binden. Keine Sorge: In der Regel wollen sie am jungen, meist chaotischen Firmenleben mit all seinen Facetten teilhaben.

Autor: Dr. Rebecca Belvederesi-Kochs

Kommunikationsberaterin
Dr. Rebecca Belvederesi-Kochs

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