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Corporate Social Responsibility

Corporate Social Responsibility - viel mehr als Wohltätigkeit

"CO-you-2" - dieses Wortspiel steht für ein Programm, das der Rückversicherer "Swiss Re" aufgelegt hat: Wer als Mitarbeiter seine persönliche Ökobilanz verbessern will, bekommt einen Zuschuss von bis zu 3.100 Euro. Mit dem Geld lässt sich leichter auf den öffentlichen Verkehr umsteigen, ein Hybridauto kaufen, ein sparsamer Kühlschrank anschaffen oder eine Wärmepumpe finanzieren. Beteiligen sich bis 2012 alle 8400 Mitarbeiter an diesem Programm, könnte das den Rückversicherer 33 Millionen Euro kosten.


Worum geht´s?

Warum machen das die Schweizer? Das Stichwort lautet "Corporate Social Responsibility" (CSR): "Swiss Re" will einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, der sich auch für das eigene Unternehmen auszahlt. Laut einer Studie des "Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung" entstehen durch den Klimawandel horrende Kosten, und zwar 330 Milliarden Euro für die Tourismus- und Versicherungsbranche sowie die Landwirtschaft. Die Schweizer übernehmen mit "CO-you-2" eine ökologische und gesellschaftliche Verantwortung - der Kerngedanke des CSR.

Gesellschaftliches Engagement ist nichts Neues für Unternehmen. Sponsoring für Museen, Spenden für wohltätige Zwecke - das gibt es schon lange. Doch CSR ist ein Konzept, das über reine Wohltätigkeit hinausgeht: Unternehmen sollen ihre Produkte prüfen, ob sie ohne Schaden für Mensch und Umwelt hergestellt werden. Kinderarbeit ist tabu, ebenso das Verteilen von Bestechungsgeldern, um an Aufträge zu kommen. Die Interessen von Mitarbeitern, Kunden und Anwohnern sind ernst zu nehmen - CSR ist ein Gegenentwurf zum einseitigen Sharholder-Value-Denken, das in den letzten Jahren um sich gegriffen hat.

Was verbirgt sich also hinter dem Begriff "Corporate Social Responsibility"? Unternehmen stellen sich in neuer Weise ihrer Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt; das Prinzip der "Nachhaltigkeit" wird zur Richtschnur ihres Handelns. Nachhaltiges Management schaut über den Tellerrand ökonomischer Kennziffern hinaus, es integriert in alle Entscheidungen soziale und ökologische Aspekte. Das kann zum strategischen Wettbewerbsvorteil werden: Neben ethischen Argumenten zählt für Unternehmen auch der "business case" - CSR ist keine Mildtätigkeit, sondern steigert auf lange Sicht die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Zahlreiche Vorteile ergeben sich: Es wird eine aktive Risikovorsorge betrieben sowie in zukunftsfähige Produkte und Technologien investiert. Die öffentliche Reputation nimmt zu - Kapitalgeber und Kunden interessieren sich stärker für das Unternehmen. Schließlich verbessert sich die Qualität der Produkte, und die Produktivität steigt, wenn sich zufriedene Mitarbeiter für ihr Unternehmen engagieren. Antoine de Saint Exupéry stellte dazu schon fest: "Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen."

Wie sieht die Praxis aus?

In der Praxis gibt es eine Vielzahl von Initiativen, die in das Konzept der CSR passen. Hier eine kleine Auswahl:

"addidas AG": Der Sportartikel-Hersteller hat "Workplace Standards" eingeführt, die sich an den Konventionen der "Internationalen Arbeitsorganisation" (IAO) orientieren. Mit ihrer Hilfe will das Unternehmen verhindern, dass in seinen Produktionsstätten gegen Umwelt- und Gesundheitsstandards verstoßen wird. Extreme Überstunden, Zwangs- und Kinderarbeit sowie Diskriminierungen am Arbeitsplatz will man so ausschließen - und weltweit eine angemessene Bezahlung der Mitarbeiter erreichen. Bei der Wahl der Geschäftspartner sollen diese Vorgaben ausschlaggebend sein; für Zulieferer gibt es Schulungen, um die Arbeitsbedingungen in deren Betrieben zu verbessern.

"GlaxoSmithKline GmbH": Das zweitgrößte Pharmaunternehmen der Welt veranstaltet in Deutschland einmal im Jahr den "OrangeDay"“. Viele Mitarbeiter verlassen ihren Arbeitsplatz und gehen in Seniorenheime, Kindergärten oder andere soziale Einrichtungen. Dann werden Wände gestrichen, Fenster geputzt oder Keller aufgeräumt - es wird freiwillig Arbeit erledigt, die sonst aus Zeit- oder Geldmangel liegen bleiben würde. Auch Kinderfeste haben Mitarbeiter auf die Beine gestellt oder Essen an Obdachlose verteilt.

"Alfred Ritter GmbH": Der Schokoladen-Produzent hat sich bei Investitionen vorgenommen, immer die ökologische Variante zu wählen, solange sie nicht 10 Prozent teurer als eine Alternative ausfällt. Die Reduktion von Emissionen ist ein Unternehmensziel - so hat man 2002 ein Blockheizkraftwerk in Betrieb genommen, das durch Kraft-Wärme-Kopplung jährlich 6.800 Tonnen CO2 einspart. Damit produziert Ritter 30 Prozent seines Stroms und deckt 70 Prozent des Wärmebedarfs. Den übrigen Strom kauft man bei den Elektrizitätswerken Schönau, die ihn ausschließlich aus regenerativer Energie herstellen lassen.

"Vaude": Der Bergsport-Ausrüster hat ein betriebseigenes "Kinderhaus", das im ganzen Jahr von 7.00 bis 17.00 Uhr geöffnet ist. So sollen Mütter und Väter Karriere und Familienglück unter einen Hut bringen können. Es gibt eine "große, gemischte Gruppe" für Kinder zwischen einem und zehn Jahren, eine spezielle Krabbelgruppe und eine "Verlässliche Grundschule", die Kinder zwischen sechs und zehn Jahren besuchen können. Das soziale Engagement zahlt sich auch betriebswirtschaftlich aus: 67 Prozent der Mitarbeiter sind Frauen - in der Familienphase entschieden sich viele gegen den Beruf. Wertvolles Know-how ging verloren, und die Neubesetzung der Stellen kostete viel Geld. Jetzt können die Mitarbeiterinnen Beruf und Familie verbinden - und "Vaude" verliert kein qualifiziertes Personal mehr.

Fazit

Die Beispiele aus diesen Unternehmen zeigen: CSR kann eine "Win-win-Strategie" sein. Werden CO2-Emissionen eingespart, sinken auch Energiekosten. Ein Vorteil für Umwelt und Unternehmen. Nimmt ein Betrieb die Sorgen berufstätiger Frauen ernst, kann er qualifiziertes Personal halten - soziale und ökonomische Motive widersprechen sich nicht. So steht CSR für den Versuch, die abstrakte Idee der Nachhaltigkeit in der Praxis umzusetzen: Künftige Generationen sollen die gleichen Chancen haben wie die jetzt lebenden Menschen, wofür ein schonender Umgang mit der Umwelt und ihren Ressourcen nötig ist. Außerdem soll es in der Gegenwart zu einem gerechten Ausgleich zwischen allen Interessengruppen kommen. "Inter- und intragenerationelle Gerechtigkeit" nennt man diese Ziele in der Fachsprache - CSR ist ein Schritt in diese Richtung.

Ein Beitrag von Ingo Leipner

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