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Break-even-point - der Weg zur Gewinnschwelle

Er wurde "toter Punkt" genannt. Seine Karriere in der Betriebswirtschaftslehre begann aber erst, als er auch eine englische Bezeichnung bekam. Das geschah 1922: Walter Rautenstrauch stieß auf die Arbeit des Ingenieurs Henry Hess, der sich schon 1903 in "cross over charts" mit dem Zusammenhang zwischen Kosten, Produktion, Verkäufen und Gewinn beschäftigt hatte. Der "tote Punkt" wurde als "Break-even-point" bekannt - ein bis heute wichtiges Element der Betriebswirtschaftslehre.

Worum geht's?

Die Bezeichnung "toter Punkt" geht auf Johann Friedrich Schär zurück, der sie 1910 in die Betriebswirtschaftslehre einführte. Doch entdeckt wurde das Phänomen bereits 1822: Der Bergassessor von Oyenhausen arbeitete in Dortmund an Investitionsrechnungen für Steinkohlezechen, wobei er sich besonders für eine kostendeckende Ausbringungsmenge interessierte.

Was verbirgt sich also hinter dem Begriff "Break-even-point"? Er kennzeichnet die Ausbringungsmenge an Gütern oder Dienstleistungen, die dem Unternehmen genau so viel Umsatz bringt, dass alle Kosten gedeckt sind.

Wie sieht die Praxis aus?

Sinngemäß übersetzt heißt "Break-even-point" Kostendeckungspunkt. Ein Beispiel illustriert seine Funktion in der Betriebswirtschaftslehre: Ein Kunstschmied entwirft einen speziellen Tisch aus Metall, der für den Garten geeignet ist. Er will den Tisch selbst produzieren - und fragt sich, wie viele Tische er verkaufen muss, bis er kostendeckend arbeitet.

Hier kommt der "Break-even-point" ins Spiel: Zuerst muss der Kunstschmied seine fixen Kosten ermitteln: alle Ausgaben, die anfallen, egal ob er Tische herstellt oder nicht. Vereinfacht werden hier die Mietkosten angesetzt (24.000 Euro pro Jahr). Natürlich zählen dazu auch die Gehälter von Angestellten oder Leasingraten. Die zweite Position in seiner Kalkulation sind die variablen Kosten: Darunter sind alle Kosten zu verstehen, die direkt abhängig sind von der hergestellten Menge der Tische. In der Praxis gehören dazu Materialverbrauch, Produktionslöhne oder Energiekosten. Variable Kosten entstehen also nur, wenn die Produktion läuft.

Der Kunstschmied geht davon aus, dass seine Produktionskosten pro Tisch 500 Euro betragen. Um den "Break-even-point" zu ermitteln, muss er sich noch Gedanken machen, zu welchem Stückpreis er seine Tische verkaufen will. Der Kunstschmied beschließt, als Verkaufspreis 800 Euro anzusetzen. Jetzt hat er alle nötigen Angaben zusammen, um die kostendeckende Produktionsmenge zu errechnen.

Vorausgesetzt der Kunstschmied verkauft alle Tische - dann erreicht er seinen "Break-even-point" genau mit dem 80. Tisch, den er produziert. Sein Umsatz in Höhe von 64.000 Euro deckt alle seine Kosten, die sich aus fixen und variablen Kosten zusammensetzen (fix: 24.000 Euro; variabel: 40.000 Euro). Mit dem 81. Tisch kommt der Kunstschmied in die Gewinnzone.

Grundlage einer solchen "Break-even-point"-Analyse sind vernünftige Schätzungen zu Umsatz und Kosten. Ohne Marktforschung kommt man nicht zum Ziel. Stellt sich der "break-even-point" später ein als vermutet, muss neu kalkuliert werden: Lässt sich eventuell ein höherer Preis durchsetzen? Wie kann man die Kosten senken?

Die "break-even-point"-Analyse gehört auch immer zu einem Businessplan, neben weiteren finanziellen Projektionen, zum Beispiel: Cash-flow-Analysen oder Prognosen zur Entwicklung der Liquidität, bzw. zur Summe aller Kosten, die in der Start-up-Phase entstehen.

Fazit

Erfahrene Unternehmer greifen zu einer "break-even-point"-Analyse, um die Erfolgschancen eines Projekts einzuschätzen. Zu einem vertretbaren Zeitpunkt sollte die Gewinnzone erreichbar sein … Wer den "Break-even-point" im Auge hat, kann sich daran machen, einen kompletten Businessplan zu schreiben. Läuft das aber nicht auf Kaffeesatz-Leserei hinaus? Natürlich gibt es keine Gewissheit über künftige Entwicklungen - der Kunstschmied kann auf seiner Produktion auch sitzen bleiben. Doch die Amerikaner sprechen in diesem Zusammenhang von "educated guesses" - mit begründeten Vermutungen lässt sich eine Basis schaffen, um geschäftliche Projekte anzugehen. So wird die "Break-even-point"-Analyse zum wichtigen Planungsinstrument in der Betriebswirtschaftslehre. Sonst kommt wahrscheinlich niemals Geld in die Kaffeekasse …

Ein Beitrag von Ingo Leipner

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