Investitionsphasen im Überblick

Ein wachsendes Unternehmen benötigt immer wieder Kapital für neue Investitionen. Durch die Unterscheidung verschiedener Investitionsphasen können Unternehmer besser erkennen, wann sie welche Kapitalquellen in Betracht ziehen können. Denn zu verschiedenen Zeitpunkten der Unternehmensentwicklung bedarf es verschiedener Investitionen. In welche Investitionsphasen unterschieden werden kann, wie Sie die geeignete Kapitalquelle für Ihr Unternehmen finden können und vieles mehr erfahren Sie in diesem Special zum Thema Investitionsphasen.

Der Kapitalbedarf eines Unternehmens ändert sich

Investitionsverlauf und Investitionsphasen Quelle: thinkstockphotos.de © Nastco

Ein wachsendes Unternehmen benötigt immer wieder Kapital für neue Investitionen. Jedoch lässt sich dieser Kapitalbedarf besonders in den ersten Jahren in der Regel nicht durch den Cash Flow im Unternehmen abdecken. Deshalb müssen gerade Jungunternehmer geeignete Investoren zur Finanzierung finden, die sie bei der Unternehmensgründung - und auch später noch - unterstützen. Sie müssen sich dabei keineswegs auf einen Investor beschränken, denn mit den ersten Erfolgen nimmt die Zahl der potentiellen Investoren zu.

Wann aber wendet man sich an welchen Investor? Welchen Anforderungen muss ein Unternehmen genügen, um zusätzliches Kapital zu bekommen? Diese Fragen lassen sich leichter beantworten, wenn man bei der Entwicklung eines Unternehmens die verschiedenen Investitionsphasen berücksichtigt. Die Einteilung der Investitionsphasen ist angelehnt an den Lebenszyklus eines Unternehmens.


Unternehmensphasen

Ein Unternehmen durchläuft im Wesentlichen die vier folgenden Phasen:

  • Gründungsphase
  • Wachstumsphase
  • Reifephase
  • Endphase

Die Phase der Unternehmensgründung schließt alle Prozesse von der ersten Idee über die offizielle Gründung des Unternehmens bis zur Markteinführung des Produktes ein. Zum einen wird das zu vermarktende Produkt entwickelt, zum anderen werden Entscheidungen über die Unternehmensform und die Kundenorientierung getroffen. Eine gute Planung im Vorfeld entscheidet genauso über den Erfolg wie die Qualität des Produktes.

Ziel in der Wachstumsphase ist es, sich rasch am Markt zu etablieren und den Kundenstamm zu vergrößern, um schnellstmöglich Gewinne zu erzielen. Um in dieser Phase nicht durch Konkurrenten vom Markt gedrängt zu werden, ist der Ausbau des Vertriebsnetzes notwendig.

Ist ein Unternehmen etabliert, geht es in die Reifephase über. Nun stehen  Umstrukturierungen im Unternehmen oder neue Produktentwicklungen an. 
 
In der Endphase eines Unternehmens wird das Unternehmen nicht zwangsläufig aufgelöst. Allein der Verkauf des Unternehmens oder die Ablöse des Unternehmensgründers durch einen Nachfolger kann dazu führen, dass ein Unternehmen in seiner bisherigen Form nicht mehr weiter existiert. Damit ist der Lebenszyklus des Unternehmens abgeschlossen.

Dieser Verlauf der Unternehmensphasen ist idealtypisch skizziert. In der Realität hingegen kann es durchaus vorkommen, dass tiefgreifende Umstrukturierungen schon in der Wachstumsphase und nicht erst in der Reifephase durchgeführt werden. Entscheidend ist aber vielmehr zu wissen, dass in bestimmten Lebensabschnitten eines Unternehmens unterschiedliche Investitionen nötig sind.

Investitionsphasen

Durch die Unterscheidung verschiedener Investitionsphasen können Unternehmer besser erkennen, wann sie welche Kapitalquellen in Betracht ziehen können. Denn zu verschiedenen Zeitpunkten der Unternehmensentwicklung bedarf es verschiedener Investitionen. Im Wesentlichen wird zwischen drei Hauptphasen der Investition differenzier, die sich den Lebenszyklusabschnitten eines Unternehmens zuordnen lassen:



Investitionsphase Lebenszyklusabschnitt
Investitionsfrühphase Gründung des Unternehmens
Expansion Stages Wachstumsphase, Beginn der Reifephase
Later Stages je nach Unternehmensentwicklung entweder Reife- oder Endphase

1. Early Stages

Da sich in den Early Stages (Investitionsfrühphase) der Kapitalbedarf stark verändert, ist eine weitere Unterteilung in Seed-Phase und Start-up-Phase sinnvoll.

Seed-Phase

Merkmale

Der Weg hin zur Geschäftsidee ist vielfältig. Wichtig ist es, diese gründlich zu durchdenken. Von dem Zeitpunkt, an dem die Idee erste Züge annimmt, bis hin zur Ausarbeitung des Geschäftskonzepts kann ein Jahr vergehen.

Kapital wird in der Seed-Phase hauptsächlich für die Entwicklung der Geschäftsidee benötigt. Neben Forschung und Entwicklung gilt es ebenso zu klären, ob das geplante Produkt vermarktbar ist und ob das Gründungsteam alle nötigen Fähigkeiten zur Leitung des geplanten Unternehmens haben. Denn nur wenn Produkt und Unternehmensgründer überzeugen, werden später Investoren gewonnen. Anhaltspunkte darüber, ob alle nötigen Vorbereitungen abgeschlossen sind, können bei der Erstellung des Businessplans und der Ausarbeitung der Organisationsstruktur gewonnen werden.

Finanzierungsmöglichkeiten

Die Seed-Phase erfordert je nach Unternehmenstyp unterschiedliche Kapitalmengen. In den meisten Fällen sind die Anfangskosten eher gering. Nur bei forschungsintensiven Technologien ist im Anfangsstadium mit einem Kapitalbedarf zwischen etwa 50.000 und 500.000 Euro zu rechnen.

In dieser Phase gibt es zwei gängige Kapitalbeschaffungsmöglichkeiten:

Handelt es sich um eine Geschäftidee, die nicht forschungsintensiv ist, bietet es sich an, entweder auf eigenes Kapital zurückgreifen oder bei Familie und Freunden um Unterstützung zu bitten. Um jedoch spätere Unstimmigkeiten zu vermeiden, sollten alle Kapitalzuflüsse dokumentiert und Rückzahlungs- und Zinsvereinbarungen im Vorfeld vertraglich festgelegt werden. Wer nicht über genügend Eigenkapital verfügt und sich aus seinem näheren Umfeld kein Geld leihen möchte, kann sich um öffentliche Zuschüsse bemühen.

Eine Finanzierungsmöglichkeit speziell für forschungsintensive Technologien ist beispielsweise der High-Tech Gründerfonds. Er stellt technologieorientierten Unternehmensgründungen das nötige Startkapital zur Verfügung und sorgt für die Betreuung und Unterstützung des Managements.

Start-up-Phase

Merkmale

Die Start-up-Phase beginnt mit der offiziellen Geschäftsgründung eines Start-Ups und endet spätestens mit dem Erreichen des Break Even Points. Sie dauert, abhängig von der Konkurrenzsituation am Markt, ein bis drei Jahre.

Nach der Ausarbeitung der Geschäftsidee steht die eigentliche Geschäftsgründung an. Zu diesem Zeitpunkt sollte das zu vermarktende Produkt oder Dienstleistungskonzept nahezu fertig oder der Prototyp dementsprechend weit fortgeschritten sein.

Die Start-up-Phase dient dazu, die Gestaltung des Produktions- und des Vertriebsnetzes zu erarbeiten und erste Kunden zu gewinnen. Neben den Entscheidungen über Eigen- und Fremdproduktion muss die Frage geklärt werden, ob man das Vertriebsnetz selbstständig aufbaut oder mit einem Partner kooperiert.

Finanzierungsmöglichkeiten

Da es in dieser Phase einen erhöhten Investitionsbedarf gibt, reichen Finanzspritzen aus dem Bekanntenkreis meist nicht mehr aus. Mit einem ausgereiften Geschäftskonzept haben Jungunternehmer jedoch gute Chancen, Investoren zu gewinnen oder Anspruch auf staatliche Förderungen zu erhalten. Folgende Investoren bieten sich in dieser Phase zusätzlich als Kapitalgeber an:

Es gibt zum Beispiel die Möglichkeit, Kontakt zu einem Business Angel aufzubauen. Business Angels sind zumeist ehemalige Unternehmer, die auf dem Markt des informellen Beteiligungskapitals agieren und Jungunternehmer mit finanziellen Mitteln und beruflichen Kontakten unterstützen.

Natürlich kann man ebenso traditionelle Investoren, wie etwa Banken, mit einem guten Businessplan von einem Geschäftskonzept überzeugen. Allerdings wird bei Kreditfinanzierung meist erwartet, dass die Unternehmensgründer im Falle eines Misserfolges selbst bürgen.

Kapitalintensiven Unternehmensgründungen können sich überlegen, sich an Venture-Capital-Gesellschaften zu wenden, die jedoch ein besonders gut ausgearbeitetes Konzept erwarten. Von etwa 100 Anfragen nach Kapital an VC Gesellschaften schaffen es nur etwa drei bis fünf Konzepte in die Verhandlungsphase zu einem Beteiligungsvertrag.

ERP- Startfonds sind eine besondere Form der öffentlichen Beteiligungsfinanzierung seitens der KfW für junge Technologieunternehmen. Die KfW geht hierbei Beteiligungen ein, wobei sie sich im Regelfall aus der Geschäftsführung des Unternehmens heraushält. Voraussetzung ist jedoch, dass sich ein weiterer Beteiligungsgeber (Leadinvestor) findet, der dem Technologieunternehmen Kapital in mindestens der gleichen Höhe wie die KfW zur Verfügung stellt. Zu den gleichen wirtschaftlichen Konditionen wie der Leadinvestor beteiligt sich dann auch die KfW. Als Leadinvestoren können beispielsweise Business Angels fungieren.

2. Expansion Stages

Auch die zweite Phase der Investition, die Expansion Stages, wird noch einmal untergliedert, nämlich in Wachstumsphase und Bridge-Phase.

Wachstumsphase

Merkmale

Die Wachstumsphase der Investition beginnt spätestens, nachdem die Gewinnschwelle erreicht ist. Das Unternehmen erzielt nun konstant Gewinne und hat sich bereits einen Namen am Markt gemacht. Jetzt ist es an der Zeit, die eigene Nische am Markt und den Kundenstamm weiter auszubauen.

Allerdings reicht der Cash Flow im Unternehmen üblicherweise nicht aus, um damit größere Investitionen zu tätigen. Diese sind jedoch nötig, um sich schnell am Markt zu etablieren, notwendig sind vor allem Investitionen in das Vertriebsnetz und in die Verbesserung der Produktpalette.
 
Entscheidender Vorteil in dieser Phase ist, dass das Unternehmen bereits Gewinne erzielt. Da ein florierendes Unternehmen weiteren Erfolg verspricht, zieht es zahlungskräftige Investoren an.

Finanzierungsmöglichkeiten

Der Kapitalbedarf hängt hauptsächlich davon ab, wie viele Konkurrenten am Markt vertreten sind. Mehr Konkurrenz verlangt mehr Investitionen in das Vertriebssystem und eine schnellere Weiterentwicklung der vorhandenen Produkte oder Dienstleistungen.

Auch in dieser Phase sind Business Angels und VC-Gesellschaften hilfreich. Doch Unternehmensgründer haben nun überdies die Chance, in größerem Umfang Fremdkapital, beispielsweise Investitionsdarlehen, zu akquirieren.

Zusätzlich gibt es in der Wachstumsphase die Möglichkeit der Mezzanine-Finanzierung.

Als Mezzanine Finanzierung bezeichnet man Mischungen aus Fremd- und Eigenkapital. Sie sind zwar nachrangig im Bezug auf andere Fremdkapitalgeber, dem haftenden Eigenkapital gegenüber jedoch vorrangig. Mezzanine-Finanzierung wird eingesetzt, wenn im Unternehmen ein stabiler Cash Flow vorhanden ist, mit dem bereits bestehende Kredite abgezahlt werden können, es jedoch keine anderen offenen Kreditlinien mehr gibt.

Bridge-Phase

Merkmale

Die Bridge-Phase, auch Überbrückungsphase genannt, ist dadurch charakterisiert, dass sich die Konkurrenzsituation am Markt verschärft. Für eine weitreichende Expansion des Unternehmens oder auch für eine Diversifizierung der Produktpalette wird viel Kapital benötigt, weshalb viele Unternehmen den Gang an die Börse anstreben.

Die Bridge-Phase der Investition kennzeichnet den Beginn der Reifephase eines Unternehmens in seinem Lebenszyklus. Das Unternehmen ist zwar national etabliert, benötigt aber Investitionskapital für neue Produkte oder ausländische Märkte.

Finanzierungsmöglichkeiten

Die meisten Investitionen können in dieser Phase aus dem Cash-Flow des Unternehmens finanziert werden. Bestimmte Projekte, wie etwa ein Börsengang, oder die Ausbezahlung eines Gesellschafters führen aber dazu, dass ein Unternehmen zusätzliches Kapital braucht. Solche Investitionen, die den Cash-Flow eines Unternehmens kurzfristig übersteigen, werden unter dem Begriff Bridge-Finanzierung zusammengefasst.

Die Bridge-Finanzierung ist so angelegt, dass sie auf Dauer durch Eigen- oder Fremdkapital ersetzt werden kann. Verwendet man ausschließlich Eigenkapital zur Bridge-Finanzierung, wird die Eigenkapitalquote verbessert. Ist ein Börsengang geplant, wird üblicherweise der Gewinn aus dem Börsengang zur Deckung der Bridge-Finanzierung genutzt.

Neben Fremd- und Eigenkapital gibt es verschiedene Sonderformen der Finanzierung. Stellvertretend seien die Möglichkeiten der Wandelanleihe und der Wipeout Bridge vorgestellt.

Bei einer Wandelanleihe wird Fremdkapital in Aktien umgewandelt – jeweils zu Beginn einer neuen Finanzierungsrunde.

Als Wipeout Bridge wird Fremdkapital bezeichnet, mit dem eine bestimmte Option verbunden ist: Sichert sich das Unternehmen nicht zusätzlich langfristiges Kapital, wird die Option wirksam und die volle Kontrolle über das Unternehmen fällt an den Gläubiger. Auf dieses Gebiet der Finanzierung haben sich hauptsächlich Investment-Banken und Emissionsgesellschaften spezialisiert.

3. Later Stages

In der Phase der Later Stages wird Kapital benötigt, um die Existenz eines Unternehmens - durch Umstrukturierungen oder eine Veränderung der Produktpalette - weiterhin zu sichern.

Merkmale

In den Later Stages ist der Markt für die Produkte des Unternehmens weit entwickelt, häufig sogar schon gesättigt. Deshalb wird Kapital entweder für die Erweiterung der Produktpalette oder die Sanierung beziehungsweise die Umstrukturierung eines Unternehmens benötigt. Dabei hängt viel vom Management, in der Regel von den Unternehmensgründern, ab. Denn in einigen Fällen ist es zweckdienlich, das bestehende Management personell zu ergänzen oder sogar ganz auszutauschen.

Da sowohl die Restrukturierung eines Unternehmens als auch eine Unternehmensnachfolge möglich ist, können die Later Stages der Finanzierung je nach Unternehmensentwicklung entweder der Reifephase oder der Endphase eines Unternehmens zugeordnet werden.

Finanzierungsmöglichkeiten

Wenn ein Unternehmen, so wie es bisher besteht, keine langfristigen Aussichten mehr am Markt hat, gibt es verschiedene Möglichkeiten, Kapital zu investieren, um das Unternehmen wieder dauerhaft konkurrenzfähig zu machen.

Der Turn-Around, also die Sanierung eines Unternehmens, kann entweder durch eine Veränderung im Mangement oder durch die Veräußerung einer Unternehmenssparte erreicht werden.

Gängige Fremdkapitalfinanzierungsmöglichkeiten sind die Methoden des Management-Buy-In und des Management-Buy-Out. Beim Management-Buy-In übernimmt ein externes Management das Unternehmen; beim Management-Buy-Out wird das Unternehmen vom bestehenden Management, dem bisher keine Anteile gehörten, übernommen (zum Beispiel vom Management von Tochter-Gesellschaften).

Eine weitere gängige Alternative besteht darin, das bisher erwirtschaftete Eigenkapital, etwa durch den Börsengang, zur Finanzierung der Umstrukturierungsmaßnahmen zu verwenden.

In eigener Sache:

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