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08.09.11Kommentieren

Wege durch den Förderdschungel

Soft Facts und herrschende Förderstrukturen

Die Förderlandschaft scheint ein undurchdringliches Dickicht von Programmen, Richtlinien, gesetzlichen und außergesetzlichen Regeln zu sein. Begriffe wie Bürgschaften, Steuererleichterungen, Haftungsfreistellungen, Förderdarlehen, Zuschüsse und Beteiligungen sind Teile dieses Dickichts. Viele Unternehmer lassen sich alleine durch die Begriffe abschrecken und fürchten, im Förderdschungel den Überblick zu verlieren.

Ein Beitrag von Marion Rohwedder

Die größte Herausforderung ist es allerdings, ein geplantes Vorhaben so aufzugliedern und zu präzisieren, dass die Vielzahl der Förderprogramme zielgerichtet eingeschränkt werden kann. Dazu müssen dem Unternehmer die grundlegenden Strukturen klar sein, die in der Förderlandschaft herrschen. Es ist sehr mühsam und nicht selten enttäuschend, ohne grundsätzliches Basiswissen eine Recherche zu beginnen. "Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht", dieser Spruch passt sehr gut auf den Informationswust, der einem Unternehmer in der Förderlandschaft entgegenschlägt.

Um das Terrain der Förderlandschaft besser einschätzen zu können, ist das Wissen um die Grundstrukturen wesentlich. Prinzipiell hilft Ihnen ein Basiswissen über die 3 großen W-Fragen (Woher, Wohin und Wie) der Fördermittelbranche entscheidend weiter. Damit lichten Sie das vermeintliche Dickicht erheblich aus und finden einen brauchbaren Zugang zu Förderbereichen, die für Ihre individuellen Ziele nutzbar sind.

  • Woher?
    Woher kommt das Geld, wo hat die Geldquelle ihren Ursprung?
  • Wohin?
    Wohin soll das Geld gelangen, welche Ziele sollen damit unterstützt werden?
  • Wie?
    Wie und unter welchen Bedingungen sollen die Ziele erreicht werden?

Um die ersten beiden Fragen beantworten zu können, benötigen Sie grundlegendes Wissen über die allgemein herrschenden Strukturen in der Förderlandschaft. Die dritte Frage lässt sich beantworten, sobald Sie ein passendes Programm recherchiert haben und sich intensiv mit den geltenden Förderrichtlinien auseinander setzen. Doch bis dahin liegt ein arbeitsreicher Weg vor Ihnen, dessen ersten Schritte Sie gerade gehen.

Soft Facts: Basiswissen Trüffelprinzip

So wie Trüffel in einer Symbiose mit Ihrer Wirtspflanze leben, erfordern Fördermittel zwei Partner, die in den allermeisten Fällen gegenseitig voneinander abhängen – Fördergeber und Fördernehmer. Das Prinzip: Beide profitieren wechselseitig voneinander.

Wenn Sie auf Fördermittelsuche sind, rücken Sie das beschriebene Trüffelprinzip in den Fokus. Stellen Sie sich bei der Suche die Frage nach dem zweiseitigen Nutzen:

  • Welchen Nutzen haben Sie?
    Das liegt meistens auf der Hand, denn Sie möchten eine wie auch immer gelagerte Unterstützung in Anspruch nehmen.
  • Welchen Nutzen hat der Fördergeber?
    Das ist eine wesentliche Schlüsselfrage auf dem Weg zum passenden Fördertopf, die sich nur mit einigem Rechercheaufwand lohnend beantworten lässt.

Wenn es Ihnen gelingt, den wechselseitigen Nutzen zu präzisieren, haben Sie eine Fährte aufgenommen, die Sie zu möglichen Fördertöpfen führt. Halten Sie sich vor Augen, dass Fördergelder grundsätzlich nicht uneigennützig vergeben werden. Das bedeutet unter anderem auch, dass sich Fördergeber als Partner verstehen, die Sie bei einem Vorhaben unterstützen, soweit sie damit ihre eigenen Programmziele erreichen können. Versuchen Sie, sich auf die Seite der möglichen Fördergeber zu stellen und aus deren Position zu denken. Mit dieser Haltung stoßen Sie bei Fördergebern erstaunlich oft auf partnerschaftliche Hilfs- und Informationsbereitschaft.

Hard Facts: Allgemein herrschende Strukturen

In der deutschen Förderlandschaft unterscheiden wir zwischen öffentlichen und privaten Fördermitteln.

Zu den privaten Fördermitteln gehören z.B. Stiftungsgelder, private Stipendientöpfe und andere gezielt eingesetzte Projektgelder, die von Privatpersonen oder Privatunternehmen in Stiftungsaktivitäten, Charity-Events oder anderen Spenden-Sammelaktionen zusammen getragen und für meist wohltätige Zwecke oder soziale Projekte eingesetzt werden. Diese Gelder sind in keiner zentralen Datenbank erfasst und unter anderem auch deshalb schwer auffindbar. Jeder Geldgeber ist in Eigenregie für die Bekanntmachung und gezieltes Marketing verantwortlich. Es ist nachvollziehbar, dass privat initiierte Fördertöpfe ihren Schwerpunkt nicht in erster Linie auf die Vermarktung legen, sondern andere, weniger kostenintensive Wege gehen, um potenzielle Fördernehmer zu erreichen.

Welche öffentlichen Fördermittel gibt es, was fällt alles darunter? Fördermittel, auch Subventionen genannt, sind nicht einheitlich definiert. In politischen Diskussionen wird überwiegend ein eher weit gefasster Begriff der Subvention zugrunde gelegt, der auch Steuervergünstigungen und Gebührenermäßigungen oder -befreiungen und Sozialleistungen umfasst. Im Europarecht spricht man von so genannten Beihilfen. Es gibt dementsprechend verschiedene Definitionen des Begriffs und verschiedene Arten von Subventionen. Wir greifen explizit einen kleinen Ausschnitt heraus, nämlich die Finanzhilfen für private Unternehmen, und bezeichnen sie im vorliegenden Artikel und den nachfolgenden Teilen ganz allgemein als Fördermittel.

Fördermittel werden von EU, Bund, Ländern oder Gemeinden vergeben. Gespeist werden sie durch einen stetigen Strom von Steuereinnahmen, wobei die EU zusätzlich aus weiteren Geldquellen wie z.B. Zölle, Strafgelder und Verzugszinsen schöpfen kann. Die EU legt in einem so genannten Rahmenplan länderübergreifend Ziele fest und formuliert so flexibel wie aufgrund der Vielfalt der EU-Mitgliedstaaten nötig, jedoch so präzise wie möglich die vereinbarten Mindestanforderungen.

Förderprogramme, die aus reinen Steuereinnahmen des Bundes, der Länder oder der Gemeinden auf den Markt gebracht werden, sind wesentlich spezieller als EU-Förderprogramme, weil Sie sich direkt an Fördernehmer ausschließlich in Deutschland richten. Die bundesweit geltenden Programme stehen in Abhängigkeit von den bundespolitischen Kräfteverhältnissen der amtierenden Regierung. Auch das ist nicht immer einfach und zieht zum Teil wenig präzise Richtlinien nach sich, jedoch sind sie in aller Regel wesentlich besser verständlich als Programme der EU.

Geht man auf die nächst tiefere Stufe, befinden wir uns auf Landesebene. Hier nehmen landespolitische Verhältnisse den stärksten Einfluss auf Förderprogramminhalte. Programme, die auf Landesebene konzipiert werden unterscheiden sich demnach auch von Bundesland zu Bundesland. So kommt es vor, dass in Hamburg Einzelprogramme aufgelegt sind, die in Bayern oder Nordrhein-Westfahlen keine Entsprechung finden. Noch speziellere Programme und Fördertöpfe können in kleinerem Rahmen von Landkreisen, Städten und Gemeinden aufgelegt werden. Da die Steuereinnahmen, aus denen die Töpfe gefüllt werden, hier vergleichsweise wenig Volumen haben, sind die Programme auch oft sehr überschaubar.

Neben den reinen Bundes-, Landes und Gemeindeprogrammen existieren diverse Mischformen. Werden Programme aus unterschiedlichen Töpfen gespeist, sind die Richtlinien entsprechend umfangreicher und die Verwaltungs- und Abstimmungswege komplexer. Wenn Sie sich dieses Hintergrundwissen über ein Programm beschaffen, können Sie die offenbar "unsichtbaren" Wegweisern durch den Förderdschungel wahrnehmen und die richtige Richtung einschlagen.

Autor: Marion Rohwedder

Gesellschafter-Geschäftsführerin des Unternehmens Grantconsult GmbH
Website des Autors
Marion Rohwedder

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