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05.03.10

Erfolgsmodell Open Source

Von Businessplan und OpenCola

Dass viele erfolgreiche Software-Projekte auf Basis von Open Source funktionieren, ist mittlerweile allgemein bekannt. Doch eine wichtige Frage stellt sich Gründern: Wie verdiene ich mit Open Source Geld? Erfahren Sie anhand mehrerer Projekte, wie man so etwas anstellt und auch wie sich Open Source Richtung offline entwickelt.

Viele Open Source-Projekte entwickelten sich gerade aus dem Wunsch heraus, mit einer guten Software arbeiten zu können, ohne sich Knebellizenzen und überhöhten Preisen unterwerfen zu müssen. Microsoft, der in den Neunzigern allbeherrschender Monopolist, gab ein gutes Feindbild ab, das eine Garde kreativer und arbeitsamer Software-Rebellen mit Weiterentwicklungen aufgegebener Software-Projekte zu reizen versuchte. Die Folgen sind allgemein bekannt: Dieser Artikel, beispielsweise wurde mit OpenOffice geschrieben und mit dem Mozilla Firefox recherchiert. Wissen aus Wikipedia wurde verwendet und der Artikel in ein Typo3-CMS eingefügt. All diese Leistungen können gratis genutzt werden - wenn man weiß wie es geht! Dies bringt uns schon zum ersten Ansatz des Geldverdienens mit Open Source:

Verkaufen Sie Kompetenz

Ja, Frau Schmidt aus der Wohnung gegenüber hat keinen blassen Schimmer davon, wie man ein Wiki aufsetzt oder ein CMS integriert und müsste - obwohl die Mittel dazu gratis zur Verfügung stehen - im Endeffekt jemanden dafür bezahlen, dass er Ihr diese Dinge einrichtet. So geschieht das beispielsweise bei kaltura.org.
Das US-amerikanische Start-up kaltura.org entwickelte eine eigene Video-Software auf Open Source-Basis. Mit Hilfe des Codes lässt sich auf jeder geeigneten Website eine eigene Videostreaming-Software, ähnlich wie Youtube, installieren. Wenn man sich damit auskennt. Da hier aber zur Implementierung der Software noch viel Arbeit und Know-How von Nöten ist, verdient das Team an Dienstleistungen, die rund um ihr Produkt nötig sind. Und der Open Source-Aspekt sorgt für eine weite Verbreitung und Akzeptanz in der Webwelt.

Verkaufen Sie an kommerzielle Nutzer

Mit einem sehr intelligenten Konzept wartet das Start-up Github.com auf. Im Grunde bietet es eine Software-Versionskontrolle auf Basis der Open Source-Software git an. Doch hier kommt der Clou. Jeder darf github gratis nutzen, sofern er jeden Code, den er damit schreibt, den Open Source-Regeln unterwirft und automatisch offenlegt. Doch würden Sie als Unternehmer gern Ihren teuren Code offenlegen? Sicherlich nicht - und das ist der Punkt, wo Github Geld verdient. Will man anderen seinen Code verweigern, muss man bezahlen. Je mehr Menschen daran arbeiten, desto teurer wird es.

Verkaufen Sie das Drumherum

Auch ein Wordpress-Blog muss gestaltet oder angepasst werden. Open Office-Präsentationen müssen entworfen, CMS müssen gepflegt und eingepflegt, Bücher, die Open Source-Software erklären wollen geschrieben und gedruckt, Software-Schulungen abgehalten werden. Open Source gibt uns oft nur ein Werkzeug in die Hand. Dessen Bedienung, dessen Gestaltung, dessen innovativen Einsatz ist auch Sache von Menschen, die Geld damit verdienen wollen. Ihnen!

Open Source offline?

Die Idee, Open Source auch offline einzusetzen, verdankt die Welt der Tatsache, dass Open Source erklärungsbedürftig ist. Um eine nette Analogie zu finden, überlegten sich ein paar schlaue Köpfe die OpenCola. Anhand eines Getränkekonzeptes sollte also das Konzept Open Source-Software erklärt werden. Für die OpenCola wurde also ein Rezept und eine Brauanleitung verfertigt und für jeden gratis und frei nutzbar zum Download bereitgestellt. Ein jeder, der nun eine Cola produzieren möchte, kann auf das Rezept zurückgreifen.
Auch in Deutschland gibt es übrigens ein Open Source-ähnliches Projekt namens "Premium Cola". In einem interessanten taz-Artikel werden die Umstände und Widrigkeiten eines solchen Unterfangens geschildert. Absolut lesenswert!
Erst letzte Woche berichtete förderland übrigens über ein anderes, experimentelles Konzept, nämlich das instructablesrestaurant. Hierbei handelt es sich um eine komplette Anleitung zum Bau eines Restaurants mit aller Austattung, wie Möbel, Speisekarten, Außenwerbung und Rezepten. Alles fertig zum Download. Nur noch einen geeigneten Raum finden und die Anweisungen befolgen und schon darf man zu Tisch bitten.

Doch wie kann man die Idee Open Source noch weiter nutzen? Im Grunde ist Open Source ein Nutzungsrecht an geistigen Errungenschaften. So verfällt nach 70 Jahren etwa das Copyright und Patente expirieren bereits nach einem viel geringeren Zeitraum. Auch hier könnten Offline-Communities ansetzen, um günstige Produkte für alle Welt zugänglich zu machen. Firmen könnten entstehen, die diese Produkte noch weiter nutzbar machen und Werte drumherum erschaffen.

Wie man sieht, steckt im System Open Source jede Menge Potential. Allerdings muss man als stets darauf achten, dass man sich nicht nur den hehren Zielen der Bewegung verschreibt, sondern dass am Ende auch die Kasse stimmt.

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