<< Themensammlung Gründung

Aktuelle News für Gründer Selbstständige und Unternehmer

20.06.11Kommentieren

Trend

Crowdfunding – Alle für einen

Crowdfunding ist in aller Munde: Viele Mikroinvestoren stellen dabei das Kapital für eine Idee, ein Projekt oder gleich ein ganzes Unternehmen. Was in der Kreativszene begann, wird nun auch für Start-ups angeboten. Die erste Studie, die das Phänomen untersucht hat, wurde gerade veröffentlicht. Zeit, den Trend genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Idee...
Crowdfunding bietet für die Realisierung von Projekten eine Alternative zu der klassischen Finanzierung über Sponsoren, Banken oder Investoren. Hier entscheidet die Masse, ob ein Projekt zustande kommt, indem eine Vielzahl von kleinen Beträgen das notwendige Startkapital bereitstellt. Auf Crowdfunding-Plattformen werden die Projekte präsentiert und die Geldtransaktionen online abgewickelt. Jeder, der an das Projekt glaubt und investiert, erhält eine Gegenleistung, dessen Spektrum je nach unterstütztem Projekt von Spendenquittung, Medialeistung, dem finanzierten Werk bis zur Gewinnbeteiligung reicht. Die Unterstützer werden außerdem emotional beteiligt und können den Projektverlauf mit verfolgen. Sie werden im besten Fall zu Multiplikatoren, so dass sich Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising vermischen.

Wie alles anfing...
Als die Musikindustrie aufgrund sinkender Einnahmen in die Krise geriet, bot im Jahr 2006 sellaband.com Künstlern die Möglichkeit, die Produktion ihrer Alben durch Fans vorfinanzieren zu lassen. Bands, die genug "Believer" überzeugen konnten, um die 50.000 US-Dollar Hürde zu erreichen, konnten im Tonstudio ihre Platte aufnehmen. Die erste Crowdfundingplattform war ins Leben gerufen. Wie so häufig stammt der Trend also aus Amerika, wo 2008 mit indiegogo.com und 2009 Kickstarter.com weitere Plattformen gegründet wurden, die mittlerweile zu den bekanntesten für kreative Projekte gehören.

Crowdfunding in Deutschland
Seit letztem Jahr ist der Trend nun endlich in Deutschland angekommen. Auf start.next.de und inkubato.com können Kreative seit letztem Jahr auch in Deutschland Unterstützer und Fans für ihre Ideen finden. Weitere Anbieter sind Pling.de, respekt.net, VisionBakery.de und MySherpas.de, die sich alle vor allem über eine Vermittlungsgebühr finanzieren. Während über Kickstarter 2010 bereits 20 Millionen US-Dollar gesammelt und knapp 3000 Projekte finanziert wurden, etabliert sich Crowdfunding in Deutschland erst langsam. Aber auch hier zulande gibt es erste Erfolgsgeschichten, wie die des Dokumentarfilms "Bar25". Das Geschehen um die Berliner Bar25 wurde sieben Jahre lang mit der Kamera verfolgt. Mit Hilfe von Inkubato und 271 Unterstützern konnte die Postproduktion nun unterstützt werden. Fast 27.000 Euro kamen zusammen (nur 25.000 wurden benötigt). Dabei gingen auch die Fans nicht leer aus: Als Dankeschön gab es je nach Spende den Musiktrack, die DVD oder eine Einladung zur Premierenparty inklusive DVD.

"Für viele Kreative kommen Banken, Investoren und Stiftungen aus verschiedenen Gründen nicht infrage – das ist kein Geheimnis", erklärt Tilo Schmidt, Mitgründer von Inkubato, im Interview mit förderland. "Inkubato ist ein Weg, kreative Projekte, Produkte, Dienstleistungen und Veranstaltungen vorab zu vermarkten und zu finanzieren. Darüber hinaus bietet die Website eine tolle Möglichkeit, neue Ideen ohne Risiko zu testen – denn verwirklicht wird nur, wenn ein Projekt das erhoffte Feedback in Form finanzieller Unterstützung erhält."

Erste Studie über Crowdfunding in Deutschland veröffentlicht
Das Berliner Institut für Kommunikation in sozialen Medien (ikosom) hat nun eine erste Studie über plattformbasierte Crowdfundings im deutschsprachigen Raum veröffentlicht. Die Untersuchung bezog sich auf 125 Projekte, die bis zum 15. April 2011 auf den oben genannten deutschen Plattformen abgeschlossen wurden. Laut Studie zählen dabei startnext.de und mySherpas.de zu den bekanntesten im deutschsprachigen Raum. Die häufigsten Projekte fanden sich in den Kategorien Film, Aktionen und Veranstaltungen.

Erstaunlich hohe Einnahmen
Das Ergebnis der Studie: Mit 67 erfolgreich finanzierten Projekten wurde die Hälfte der untersuchten Projekte erfolgreich finanziert. Hierbei lag der Durchschnitt der erreichten Summe bei 2943 Euro und damit 8 Prozent über dem Zielwert. Dabei wurde die Finanzierung vor allem über Medienberichte vorangetrieben. Hier zeigte sich auch die größte Herausforderung für die Initiatoren der Crowdfunding-Projekte. Sie bestand zum einen darin, die nötigen Kontakte für eine gelungene Öffentlichkeitsarbeit herzustellen und zum anderen die Geldgeber über den Verlauf des Projekts regelmäßig zu informieren. Die Unterstützer der erfolgreichen Projekte gaben im Durchschnitt um die 90 Euro. "Die Ergebnisse zeigen, dass es bei Crowdfunding um mehr geht als um Cent-Beträge", so Karsten Wenzlaff, Co-Autor der Studie und Geschäftsführer von ikosom. In einem Jahr wurden insgesamt ca. 208.000 Euro für die Crowdfunding-Projekte gesammelt.

Crowdfunding für Start-ups
Bislang war Crowdfunding also vor allem für die Kreativszene interessant. Aber auch für Start-ups, die z. B. auf neue Technologien setzen, stellt Fundraising eine interessante Möglichkeit dar, ihr Projekt oder die Unternehmensgründung zu finanzieren. Mit seedmatch.de gibt es seit einem Monat die erste deutsche Crowdfundingplattform für Start-ups, über die wir im letzten Monat schon berichtet haben. "Mit Seedmatch entsteht erstmals die Chance, unkompliziert und bereits ab kleinen Beträgen in Start-ups zu investieren – somit kann nun eine ganz neue Zielgruppe für die Finanzierung von Start-ups begeistert werden", erklärt Seedmatch-Gründer Jens-Uwe Sauer im Interview mit förderland.

Seedmatch hat sich selbst zum Teil über Crowdfunding finanziert: "Auf der einen Seite konnten wir in der Vergangenheit eine Vielzahl von Business Angels überzeugen, welche die Problematik der Start-up-Finanzierungen nur zu gut kannten. Diese waren meist sofort von unserer Idee überzeugt. Auf der anderen Seite haben wir den bisher registrierten Usern die Möglichkeit gegeben, sich direkt an Seedmatch zu beteiligen, was erfolgreich funktionierte. Auf diese Weise haben wir selbst den Proof of Concept geliefert."

Fazit
Bis sich Crowdfunding in Deutschland durchsetzt, wird wohl noch einige Zeit vergehen müssen. Crowdfunding-Plattformen stehen noch vor der Herausforderung, das Konzept zunächst erklären zu müssen. Zudem muss die Gegenleistung stimmen. Das heißt für Start-ups, dass sich die Rendite auch bereits bei kleinen Investitionen lohnen muss. Daher richtet sich Crowdfunding vor allem an Projekte, für dich sich viele begeistern können und die nicht nur finanziellen Gewinn bedeuten. Laut der Studie von ikosom sind die ersten Crowdfunder von der Idee überzeugt: 96 Prozent der Befragten würden es wieder tun. Wir sind gespannt, wie sich der Markt entwickelt und bleiben dran!

Die vollständige Crowdfunding-Studie von ikosom ist für 14,99 Euro als PDF hier erhältlich.

Kommentare

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer