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28.07.13Kommentieren

Krankenkassenwahl

Und wie mache ich jetzt aus dem Brutto Netto?

Sie sind gesund, selbstständig oder verdienen als Angestellter über 4.350€ pM/ 52.200€ pa.? Dann lohnt sich das Weiterlesen. Andernfalls ist das Thema rein informativer Natur.  Lesen Sie Entscheidungshilfen für die Wahl der richtigen Krankenkasse.

Ein Beitrag von Rayk Hahne

Versicherungssituation bei Gründern:

Viele junge Unternehmer haben bereits in einem sozialversicherungspflichtigen Angestelltenverhältnis gearbeitet, bevor sie sich auf das Abenteuer eigenes Unternehmen eingelassen haben. Als Arbeitnehmer ist man den Unterschied von Brutto und Netto gewöhnt. Nun hat der Unternehmer ein Problem. Er bekommt nur das Brutto. Für Viele ist das auch das Verlockendste am Unternehmertum. Doch der Schein kann trügen. Die Pflichten des Arbeitgebers muss der Gründer nun selbst stemmen. Das heisst konkret: Krankenversicherung, Steuern und Rentenbeiträge müssen selbst gezahlt werden.

Daraus ergeben sich sowohl Vor- als auch Nachteile. Die meisten Gründer sind von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreit. Dafür muss jedoch privat vorgesorgt werden, wenn man im Alter nicht auf Sozialleistungen hoffen möchte. Die Steuerproblematik kann durch den Steuerberater gelindert werden. Wobei meiner Erfahrung nach viele die Qualität des Steuerberaters überschätzen und dadurch nicht selten ein böses Erwachen erleben. Daher sei mir kurz der Hinweis gestattet, dass die Hauptaufgabe eines Steuerberaters darin besteht die Finanzunterlagen mit dem Finanzamt in Einklang zu bringen. Eine betriebswirtschaftliche Optimierung oder Beratung gehört nicht zu den Aufgaben und wird nur von sehr fürsorglichen Kollegen durchgeführt.

Kommen wir nun zum Hauptproblem: versichere ich mich gesetzlich (GKV) oder privat (PKV)?

Diese Entscheidung bereitet sehr vielen Menschen großes Kopfzerbrechen, da insbesondere in den letzten fünf Jahren viel über dieses Thema diskutiert wurde. Vor Allem über die Nachteile der privaten Krankenversicherung gab es viele Halbwahrheiten. Daher gilt dieser Artikel als kleine Entscheidungshilfe für dieses in der Tat sehr komplexe Thema.

Vor- und Nachteile der Versicherungsarten:

Ein wesentlicher Punkt ist, dass niemand von uns eine Glaskugel hat. Sicher ist jedoch, dass auf Grund der demographischen Entwicklung in Zukunft weniger junge Menschen in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlen. Junge Menschen gehen seltener zum Arzt, als ältere Menschen, die häufig zum Arzt müssen. Dieses Problem wird dafür sorgen, dass unsere Beiträge zur GKV weiter kontinuierlich steigen werden. Wenn man sich die Entwicklung der GKV mal an den Höchstbeiträgen anschaut, gibt uns das einen kleinen Ausblick, wo die Reise hingehen wird. So lag 1973 der Höchstbeitrag bei 81,14€ mtl. und liegt 2012 bei 592,88€ mtl. Das entspricht einer durchschnittlichen Steigerung von 5,72%  pa. in 40 Jahren. Bei einer gut kalkulierten PKV haben wir eine Steigerung von 1,7 - 3,6 % pa. . Jedoch ist bei der GKV leider immer wieder der Leistungskatalog angepasst worden. Alternative Heilbehandlungen oder eine hochwertige Zahnversorgungen sind heute nur noch durch eigene Zuzahlungen möglich. In der PKV hingegen, wird wie in einem Baukastenprinzip jeder Baustein gebucht und kostet entsprechend. Daher kann man je nach finanzieller Lage und entsprechender Gesundheit Bausteine beliebig hinzubuchen oder weglassen. Bei der GKV sind die Leistungen bei allen Kassen zu 95% fix. Die Bezahlung ist auch grundsätzlich unterschiedlich. Bei der PKV wird ein fester Tarif durch die Bausteine bestimmt und man erhält dadurch auch ein rechtlichen Anspruch auf die Leistungen. Bei der GKV läuft das über Vorauszahlungen, die sich nach Gewinn des Unternehmers richten. Durch die Einkommensteuerbescheide werden die 14,9%/ 15,5% (mindestens 231,77€/ 347,66€) immer auf den Gewinn gerechnet. Diese Umstände machen die PKV vor allem für junge (das gilt bis ca. 40 Jahre) und gesunde Menschen sehr attraktiv, da man für 250€ schon einen guten PKV-Tarif bekommt, der leistungstechnisch sehr viel besser aufgestellt ist. Jedoch wäre die PKV zu schön um wahr zu sein, wenn es nicht auch Haken geben würde. Die jährliche Beitragssteigerung muss privat gegenfinanziert werden. Bei einem soliden und gut kalkulierten Konzept ist das ohne Weiteres möglich, jedoch ist dafür ein Profi nötig, der solche Dinge auch umsetzen kann. Das zweite Problem sind die Kinder. Jedes Kind muss einzeln versichert werden. Eine Faustformel besagt, dass ab dem dritten Kind die GKV günstiger ist. Dies gilt es zu berücksichtigen. Kinderreiche Paare sollen sich daher durchrechnen lassen, wo die Kinder am besten versichert werden sollten.

Zusammenfassung

Dieser kurze Überblick noch einmal kurz zusammengefasst:

  • Sie sind jung, gesund und wollen nicht mehr als zwei Kinder? Die PKV ist für sie interessant.
  • Sie hatten schon einige mittlere bis schwere Erkrankungen und/ oder möchten viele Kinder? Die GKV ist für Sie das sicherere Pferd.

Suchen Sie sich professionelle Hilfe und achten Sie darauf, dass Sie eine breite Auswahl von drei bis fünf Gesellschaften bekommen. Dann können Sie für sich eine Entscheidung treffen, mit der Sie in Zukunft ruhig schlafen können. Bedenken Sie nur, alles wird teurer, auch die Versicherungen, seien Sie darauf vorbereitet.

Autor: Rayk Hahne

Unternehmens- und Finanzentwickler
Rayk Hahne

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