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03.09.07Kommentieren

Unternehmensfinanzierung

Externes Rating und innovative Finanzierungsformen im Mittelstand

Um in nationalen und internationalen Märkten Geschäftskontakte und Investoren zu gewinnen, ist es auch für mittelständische Unternehmen notwendig, umfassende Informationen über ihre Leistungsfähigkeit bereitzustellen. Auch für eine Kreditvergabe sind qualitative Faktoren ausschlaggebend, die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit beurteilen. Rating ist ein Weg, mit dem Unternehmen neutral, zukunftsorientiert und umfassend hinsichtlich ihrer Erfolgs- und Risikofaktoren bewertet werden. 

Ein Beitag von Stephan Hoffmann, SchmidtColleg

Was bedeutet externes Rating?

Grundsätzlich lassen sich zwei Arten von Ratings unterscheiden: Externe Ratings und interne Ratings. Während auf jeden Fall für jedes Kredit aufnehmende Unternehmen aufgrund der Vorschriften des Kreditwesengesetzes von der Kredit gebenden Bank ein internes Rating erstellt werden muss, werden sich in aller Regel zusätzlich einige Unternehmen dem externen Ratingprozess einer Ratingagentur wie z.B. Standard & Poor´s, Fitch, Moody´s etc. unterziehen. Neben geplanten Finanzmittelbeschaffungen am Kapitalmarkt kann vor allem die Publizitätswirkung von einer außenstehenden, unabhängigen Agentur die Bonitätseinschätzung aus Marketinggesichtspunkten dabei interessant sein.

Häufig lesen wir in den Wirtschaftszeitungen Symbole wie "BB+" oder "Ba1", aber kaum einer weiß, was sie bedeuten. Die nebenstehende Übersicht zeigt die am häufigsten in der Wirtschaftspresse verwendeten Bonitätseinstufungen der internationalen Rating-Agenturen und sie erläutert, was sich vor allem inhaltlich hinter dem jeweiligen Symbol verbirgt-

Sind Innovative oder auch Alternative Finanzierungsformen wirklich eine "Alternative" zum Kredit?

Häufig werden "Alternative Finanzierungsformen" wie

  • Private Equity (Beteiligungskapital)
  • Mezzaninfinanzierungen (Finanzierungsform zwischen Eigen- und Fremdkapital)
  • Leasing (mietweise Überlassung von Investitionsgütern)
  • Factoring (Verkauf von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen) 
  • Mittelstandsanleihen etc.

als die neuen "Wunderwaffen" des Mittelstandes zur Lösung des Finanzierungsproblems angesehen. Dabei wird völlig übersehen, dass diese Instrumente meist nicht nur die Existenz interner Ratings voraussetzen, sondern teilweise sogar externe Ratings sowie einen detaillierten Geschäftsplan des Unternehmens bedingen. Anders ausgedrückt: "alternativ" oder "innovativ" heißt in diesem Zusammenhang nicht, dass ich als Unternehmer bei fehlender Kreditfähigkeit oder Bonität den klassischen Firmenkredit durch neue Produkte ersetzen kann. Die Qualitätsansprüche an die Unternehmen sind mindestens genauso hoch einzustufen wie beim klassischen Kredit.

Produkte wie

  • IPO (Initial Public Offering = Börseneinführungen), 
  • Unternehmensanleihen (Finanzierung des Unternehmens durch Begebung einer Anleihe über den Kapitalmarkt), 
  • Schuldscheine (häufig verbriefte Form eines Darlehens, welches an große institutionelle Investoren wie Versicherungen platziert und meist mit Grundschulden besichert wird) 
  • und ABS (Asset Backed Securities = der wiederholte Ankauf ganzer Forderungsbestände über speziell dafür gegründete Einzweckgesellschaften)

sind meist aufgrund ihrer Anforderungen hinsichtlich der Emissionsvolumina, der notwendigen Unternehmensgrößen und Unternehmensbewertungen nur für größere und bereits erfolgreiche Mittelständler mit mehr als hundert Millionen Euro Jahresumsatz und langjährig positiven Jahresergebnissen geeignet.

Die wenigen wirklichen Alternativen, die für alle Mittelständler bei Erfüllung der individuellen Produkt- und Bonitätsanforderungen als kurzfristiges, liquiditätsschöpfendes Instrument in Frage kommen, sind:  Das bekannte Mobilien- und Immobilienleasing mit seinen steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Vorteilen wie z. B. die Reduzierung der Gewerbesteuerlast sowie das Factoring, bei dem einzelne Forderungen gegen Zahlung eines abgezinsten Barwertes vom Factoringunternehmen angekauft werden.

###BILD_2### Private Equity gibt es in unterschiedlichsten Formen, es steht aber aufgrund der sehr einschränkenden Voraussetzungen nur einer sehr kleinen Anzahl von Unternehmen zur Verfügung. Als klassisches Beteiligungskapital kann es von expansiven Mittelständlern ab 10 - 20 Mio. Euro Umsatz und positiven Jahresergebnissen oder zur Finanzierung von Management-Buy-Outs (MBO = Übernahme durch geschäftsführende Manager), z.B. um Nachfolgeprobleme zu lösen. Als Venture Capital (Risikokapital) dient es jungen und stark Wachstum versprechenden Hightech-Unternehmen als Eigenkapitalquelle.

Daneben besteht die Möglichkeit von Mezzaninfinanzierungen, die sowohl von institutionellen Eigenkapitalgebern wie auch von Banken als hybride Zwischenform zwischen Eigenkapital und Fremdkapital eingesetzt werden. In den letzten Jahren haben sich zudem einige Fonds auf Sanierungs- und Restrukturierungssituationen spezialisiert. Diese begleiten in aller Regel aber nur Mittelständler ab ca. 30 Mio. Euro Umsatz p.a. und verlangen meist die unternehmerische Führung und damit eindeutige Mehrheitspositionen als Gesellschafter. 

Die schon oft in der Presse zitierte Mittelstandsanleihe soll den Finanzierungsbedarf von jeweils mindestens 20 - 30 Unternehmen einer Branche mit weitgehend identischem Bonitätsrating der einzelnen Unternehmen in einem Finanzierungsportfolio bündeln, am Kapitalmarkt als Anleihe platzieren und den Emissionserlös dann entsprechend dem Finanzierungsbedarf der Unternehmen in einer Größenordnung von jeweils 2 - 5 Mio. Euro an die Unternehmen auszahlen. Angesichts des hohen Arbeitsaufwandes für eine derartige Portfoliostrukturierung hat aber bisher kein Kreditinstitut ein solches Produkt auf den Markt gebracht.

Am Ende verbleibt damit eine gewisse "Ernüchterung" oder aber die Erkenntnis, dass jeder Mittelständler sein Schicksal durch das Schreiben seines Geschäftsplans und der professionellen Vorbereitung von Bankengesprächen wieder stärker selbst bestimmen sollte.

Autor: Stephan Hoffmann

Bereichsleiter Investitionsbank Berlin, freiberuflicher Seminarleiter
Website des Autors
Stephan Hoffmann

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