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19.09.08Kommentieren

Interview mit Simon Baldauf und Christoph Heuschen

"Wir waren überrascht, wie schnell das Gründungsprozedere vonstatten ging"

Zum Unternehmen: Simon Baldauf, Christoph Heuschen und Thomas Viegener haben zusammen die petit GmbH gegründet. Während Baldauf sich um das Management kümmert, ist Heuschen für die Produktentwicklung verantwortlich. Viegener betreut die Bereiche Strategie und Finanzen. Das junge Unternehmen mit Sitz in Köln entwickelt und produziert multifunktionale Designermöbel für Mensch und Tier. Mit ihrer Idee gewannen die drei Studenten den Preis für das innovativste Produkt bei Herausforderung Unternehmertum 2008 – einem Projekt der Heinz Nixdorf Stiftung und der Stiftung der Deutschen Wirtschaft.

v.l.n.r.: Simon Baldauf, Thomas Viegener und Christoph Heuschenv.l.n.r.: Simon Baldauf, Thomas Viegener und Christoph Heuschen

förderland: Herr Baldauf, Herr Heuschen, Sie studieren Regionalwissenschaft Lateinamerika. Wie kommt man bei einem solchen Studium auf die Idee, Möbel für Menschen und Tiere zu entwerfen?

Simon Baldauf: Ehrlich gesagt, mit dem Studium hat das wirklich nicht allzu viel zu tun. Die Idee entstand auch eher durch die Verkettung glücklicher Umstände. Den Wunsch, etwas Eigenes zu kreieren und selbständig zu arbeiten, hatten wir schon seit sehr langer Zeit. Der Zünder der Idee war dann letzten Endes ein geselliger Abend bei einer guten Flasche Rotwein. Inspiriert durch Tierreportagen im Fernsehen und witzige Erinnerungen an die eigenen Hunde im familiären Umfeld kam dann irgendwie eins zum andern. Ziemlich schnell wurde so aus ein paar interessanten Gedanken eine – wie wir finden –  pfiffige Idee.

förderland: Wann kam der Punkt, an dem Sie gesagt haben: "Die Idee ist so gut, die setzen wir in die Tat um"?

Baldauf: Den Ausschlag gab am Ende tatsächlich die Bewerbung und der Gewinn bei "Herausforderung Unternehmertum 2008" – dem gemeinsamen Ideenwettbewerb der Heinz Nixdorf Stiftung und der Stiftung der Deutschen Wirtschaft. Als wir wussten, dass die Idee auch von externen Experten für gut befunden wird, war uns klar: Es lohnt sich, die Sache weiterzuentwickeln!

förderland: Wie aufwendig waren die Behördengänge bei der Gründung Ihres Unternehmens? Wo lagen hier für Sie die größten Hürden bei der Gründung?

Baldauf: Eigentlich waren wir recht überrascht, wie schnell das ganze Gründungsprozedere vonstatten ging. Die Kölner Ämter haben unsere Anfragen doch einigermaßen zügig bearbeitet. Die Hürden waren also gar nicht so groß, wie man meinen könnte. In Zeiten des Internets kann man sich leicht über die erforderlichen Formalitäten und Behördengänge informieren. Einzig die Wartezeit auf die Steuernummer hat uns Nerven gekostet. Am Ende hat es aber auch hier keine ernsthaften Schwierigkeiten gegeben.

förderland: Gab es Momente, in denen Sie aufgeben wollten?

Christoph Heuschen: Aufgeben nicht direkt. Aber klar, es gibt Momente, in denen man sich schon fragt: "Wird sich die ganze Arbeit wohl in irgendeiner Weise lohnen?" Zum Beispiel unmittelbar nach Gründung, wenn man vor lauter Spannung den Eingang erster Aufträge kaum erwarten kann. Da braucht man Geduld und den Ehrgeiz, einfach weiter zu machen. Die nächsten Erfolgserlebnisse kommen bestimmt und bringen neue Motivation mit sich. Da ist an Aufgeben eigentlich nicht zu denken!

förderland: Wie finanzieren Sie Ihr Unternehmen? Haben Sie einen Kapitalgeber oder finanzieren Sie Ihr Projekt aus eigener Tasche?

Baldauf: Durch den Gewinn bei "Herausforderung Unternehmertum" war es uns möglich, die lange und aufwendige Forschungs- und Entwicklungsphase zu finanzieren. Und mit Gründung der petit GmbH haben wir natürlich auch unser eigenes Geld sowie weitere Kapitalgeber mit ins Spiel gebracht.

förderland: Wo lassen Sie die Möbel produzieren?

Heuschen: Bei uns ist wirklich das gesamte Produkt sowie auch das Konzept "made in Germany". Wir fertigen gemeinsam mit einer Kölner Schreinerei, und die weiteren Standorte für die Produktion befinden sich ebenfalls im Kölner Raum.

förderland: Wer sind Ihre Wettbewerber: eher Ikea, eher das klassische Möbelhaus oder eher das hochpreisige Designer-Segment?

Heuschen: Da wir Premium-Qualität und exklusives Design miteinander verbinden, findet der Wettbewerb eher im hochpreisigen Designer-Segment statt. 

förderland: Wie lange dauert es ungefähr vom Auftrag bis zur Lieferung?

Heuschen: Das ist je nach Kundenwunsch unterschiedlich. Jedes Stück von petit ist ein Unikat. Es kam schon vor, dass ein Kunde eine etwas ausgefallenere Maßanfertigung bestellt hat. Dann dauert es etwas länger, aber natürlich setzen wir auch derartig spannende Sonderaufträge gerne um. Bisher liegen wir mit den Lieferzeiten sehr gut in der Zeit, was natürlich auch so bleiben soll. Mit ca. 4 bis 6 Wochen liegen wir in der Regel sogar weit unter dem Branchendurchschnitt. 

förderland: Wer entwirft eigentlich Ihre Kollektionen?

Baldauf: Am Entwurf sind viele Parteien beteiligt. Dazu gehören professionelle Produktdesigner und Tierfreunde wie natürlich auch wir selbst. Schließlich ist gerade der Entwurf hochinteressant, da man hier seine Kreativität ausleben kann. Da möchten wir natürlich auch weiterhin dabei sein. So kommt eine Reihe von verschiedenen Vorschlägen zusammen. Die Tierpsychologen geben uns dann noch den Hinweis, dass der Hund aber an jener Stelle lieber noch eine Wand zum Anlehnen hätte, und der Schreiner sorgt letztlich dafür, dass alle Wünsche auch handwerklich umgesetzt werden können. So entstehen die Ergebnisse für einen Entwurf am Ende immer in Teamarbeit.

förderland: Was tun Sie, um Ihre Produkte bekannt zu machen? Welche Maßnahmen sind geplant?

Heuschen: Pressearbeit macht derzeit einen Großteil unserer Arbeitszeit aus. Über redaktionelle Beiträge sind wir laufend dabei, unseren Bekanntheitsgrad zu steigern. Das Thema "Luxus für Hunde" erfreut sich zunehmender Beliebtheit in den Medien. Das kommt uns natürlich zu Gute. Wir nutzen außerdem diverse Plattformen für Tierfreunde und Möbelfans im Internet. Auf Hundeshows und Messen sowie über Werbung möchten wir zusätzlich auf uns aufmerksam machen. Hierzu bedarf es natürlich immer eines gewissen Budgets. Als Existenzgründer hat man dann finanziell meist nicht ganz die Möglichkeiten, die man sich wünschen würde. Aber wir sind ein starkes Team und kommen immer einige gute Schritte voran.

förderland. Sie haben vor kurzem einen Online-Shop eröffnet – wie sind die ersten Wochen gelaufen?

Heuschen: Wir müssten lügen, wenn wir sagen würden, der Online-Shop könnte nicht besser laufen. Aber das war uns von vornherein klar, dass es eines gewissen Kundenvertrauens und Bekanntheitsgrades der Marke bedarf, bis sich über das Internet gute Verkaufszahlen einstellen. Hier brauchen wir noch ein wenig Geduld. Glücklicherweise läuft die Nachfrage über den Einzelhandel außergewöhnlich gut an, sodass wir durchaus optimistisch sind. Wir müssen den Punkt erst noch erreichen, an dem die Zielgruppe unsere Produkte kennt und weiß: "Aha, dieses Produkt ist von petit. Dann ist es auch besonders gut!"

Das ist die ganze Herausforderung, und wenn wir das jetzt schon erreicht hätten, würde uns möglicherweise noch langweilig. Bis dahin haben wir aber noch genug zu tun.

förderland. Was steht als nächstes auf Ihrer To-Do-Liste?

Baldauf: Wie gesagt: Wir haben noch sehr viel zu tun. Entsprechend lang sind auch unsere To-Do-Listen. Im Ganzen kann man aber sagen, dass es für uns sehr wichtig ist, uns als Firma mit unseren Produkten am Markt zu behaupten. Nur so kann die Marke "petit" wachsen und weitere Hunde und Halter mit neuen Wohnwelten begeistern. Dementsprechend entwickeln wir auch ständig neue Produktvarianten, um schon bald weitere Wohnoptionen von petit für Mensch und Tier anbieten zu können.

förderland: Vielen Dank für das Gespräch.

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