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12.05.11

Vorstellungsrunde

Washabich.de - Arzt - Deutsch, Deutsch -Arzt

An zwei Enden der Republik - Trier im Westen und Dresden im Osten - entstand ein uneigennütziges Start-up-Projekt, das Patienten dabei hilft, zu erfahren, was hinter den kryptischen Ausdrücken und Abkürzungen auf ihrem Arztbefund steckt. Im selben Atemzug unterstützt es junge Mediziner dabei, bessere Ärzte zu werden. Wie sie das angepackt haben - erfahren Sie hier. Vorhang auf für washabich.de.

washabichwashabich

Das Internet ist eine Spielwiese für medizinische Laien - zahlreiche Portale und Foren bieten einen Tummelplatz für gefährliches Halbwissen, das den Hilfesuchenden meist keine Besserung, sondern eine gehörige Portion Unsicherheit verschafft. Das hat auch ein junger Medizinstudent an der TU Dresden gemerkt, der von Bekannten immer wieder auf Befunde angesprochen wurde, die zu entschlüsseln und einzuordnen einen medizinischen Laien vor eine nahezu unlösbare Aufgabe stellen. Zum Glück erinnerte sich der Student an seine unternehmerischen Ambitionen und einen Freund in Trier, der mit Medizin zwar herzlich wenig am Hut hat, aber dafür ein talentierter Webentwickler ist und mit dem zusammen er bereits die Mensaplan-Seite schon12.de umsetzte. Für die Strecke Trier-Dresden braucht man mit dem Auto deutlich über 6 Stunden, mit dem Internet ist man in wenigen Sekunden dort und so kam binnen kürzester Zeit ein Projekt in Fahrt, das seines Gleichen sucht. Johannes Bittner, so heißt unser Student, fand nicht nur seine technische Ergänzung in Person von Ansgar Jonietz, sondern auch eine interessierte und engagierte PJ-lerin namens Anja Kersten, mit deren Hilfe aus der bloßen Idee, ein richtig rundes Ding werden sollte.

Schnell geboren - schnell gewachsen

Der Plan war folgender: An den medizinischen Fakultäten werden Kurse zur Befundauswertung gegeben, die jungen Medizinern den Umgang mit den Blättern Ihrer Kollegen und mit den Patienten selbst beibringen sollen. Warum nicht die direkt mit Patienten, die mit der Beurteilung Ihrer Befunde überfordert sind, zusammenbringen. So gewinnen beide: Die Patienten Erkenntnis und die Mediziner Erfahrung. In der sagenhaften Geschwindigkeit von nur einer Woche wurde nicht nur ein Konzept, sondern auch dessen Umsetzung auf die Beine gestellt - Eine Austauschplattform, auf der Patienten Rat finden, ihre Befunde anonym zur Beurteilung geben können und das nicht durch Laien, sondern Fachleute. Der Name: Washabich.de. Praktisch funktioniert das ganze so, dass die Hilfesuchenden sich ihre E-Mailadresse angeben und im virtuellen Wartezimmer verharren, bis ein Bearbeiter sich ihres Falles annehmen kann. Ist es dann so weit, können Scans, Fotos oder Kopien ihrer Unterlagen an die teilnehmenden Ärzte oder Medizinstudenten geschickt werden. Ebenfalls über E-Mail wird die Auswertung an die Patienten als PDF geschickt, so dass sie diese auch bequem ausdrucken können. Freitextfelder in den Formularen ermöglichen zusätzliche Angaben und Fragen und haben sich als unverzichtbar erwiesen. Man lernt und baut das Angebot en passant aus. Personenbezogenen Daten werden bei der Einreichung der Materialien abgedeckt, um ein Höchstmaß an Anonymität zu gewährleisten.

So wird's attraktiv

Rekrutiert werden die Mediziner meist über die Fachschaften, die viele Weiterbildungs- und Übungsangebote für ihre Kommilitonen organisieren und dem Thema gegenüber aufgeschlossen sind. Das Interesse der Studierenden ist so groß, dass es mittlerweile sogar Wartelisten gibt. Um der ganzen Geschichte noch einen offizielleren und wertigeren Charakter zu geben, ist sogar geplant teilnehmenden Ärzten Fortbildungspunkte und den Studenten Punkte auf dem Bildungskonto angedeihen zu lassen, so steigert sich obendrein auch noch die Attraktivität.

Auch die Finanzen müssen stimmen

Das Ganze läuft bisher als gemeinnütziges Projekt, doch auch ein solches muss finanziert werden. Zwar sponsorn bereits einige Kliniken und Krankenkassen das Projekt, doch damit ist washabich noch nicht rentabel Aus diesem Grunde erhalten die Beratenen am Ende der Prozedur die Möglichkeit, eine Spende abzugeben. Der Großteil, nämlich 80 Prozent der Summe fließt den Medizinern zu, die restlichen 20 Prozent werden für die Betriebskosten des Portals abgezogen. Die drei Macher würden sich natürlich darüber freuen, wenn die Seite auch noch zusätzlich etwas abwirft, quasi als kleine Belohnung für die Mühen und als Basis für Weiterentwicklungen der Dienstleistung. Aus diesem Grunde suchen sie augenblicklich nach Werbepartnern (ja, melden Sie sich bei den Dreien), die gern themenrelevante Produkte oder Dienstleistungen bewerben möchten.

So geht's weiter

Für Werbung haben die drei Gründer bisher noch keinen Cent ausgegeben, die einzige Kommunikation besteht aus einer engagierten Pressearbeit, die sie nebenbei auch noch erledigen. Mittlerweile wächst dem Team die Arbeit aber bereits über den Kopf, so dass man überlegt noch jemanden einzustellen, der bei den Administrationsaufgaben zur Hand geht. Mittelfristiges Ziel ist es für die Betreiber aber, den Betrieb der Plattform soweit zu automatisieren, dass sie sich selbst kaum noch um washabich kümmern müssen.

Bis es soweit ist, steht natürlich noch einiges an Arbeit an - doch mit washabich haben die Gründer eine entwicklungsfähige und nutzbringende Plattform geschaffen, ein Projekt, was Respekt und Lob verdient. Wünschen wir den Dreien also viel Glück und sagen danke!

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