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30.06.15Kommentieren

Finanzierung

Warum immer mehr Start-ups bei den Banken abblitzen

Der Finanzsektor hält die deutsche Gründerszene an der kurzen Leine. Jeder dritte Gründer eines ITK-Unternehmens hat Schwierigkeiten, einen Kredit zu erhalten. Etablierte Unternehmer haben es leichter.

Quelle: Fotolia.de © Gajus

Erst im Herbst 2014 senkte die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent und startete ihr Wertpapier-Kaufprogramm, mit dem der Kreditfluss angeschoben werden sollte. Mitte März 2015 schließlich wurde der großangelegte Ankauf von Staatsanleihen auf den Weg gebracht. Die lockere Geldpolitik sollte Banken animieren, wieder mehr Kredite an Unternehmen und private Haushalte zu vergeben. Dennoch sickert das günstig geliehene Geld nur tröpfchenweise in die deutsche Start-up-Szene durch.

Gründerszene klagt über Finanzierungsschwierigkeiten

Tatsächlich ist die Kreditvergabe in der Eurozone Anfang des Jahres leicht gestiegen. Vor allem die Zielgruppe der Privatkunden wird mit maßgeschneiderten Konsumkrediten ins Visier genommen. Direktbanken wie die ING-DiBa bieten über Kreditrechner bereits die Möglichkeit, Bankdarlehen bequem online zu kalkulieren und innerhalb weniger Minuten ein persönliches Angebot anzufordern. Ganz so einfach scheint es für junge Unternehmer nicht zu funktionieren. Während etablierte Unternehmen der digitalen Wirtschaft berichten, derzeit nur geringe Probleme zu haben, sich bei ihrer Bank mit Darlehen zu versorgen, hört man aus der deutschen Gründerszene ganz andere Töne. So klagt derzeit jedes dritte IT-Start-up in Deutschland über Finanzierungsschwierigkeiten. Bei Unternehmen, die bereits älter als fünf Jahre sind, treten entsprechende Probleme nur bei 18 Prozent der Befragten auf. Diese Zahlen liefert der Digitalverband Bitkom auf Basis einer Auswertung der KfW-Unternehmensbefragung 2015 für die ITK-Branche.

Hohe Anforderungen der Banken bremsen die Gründerszene aus

"Start-ups haben es schon seit Jahren schwer, einen Kredit von ihrer Bank zu bekommen. Sie können in der Regel nicht mit den üblichen Sicherheiten aufwarten. Sie haben innovative Ideen, deren Markterfolg sich oft nur schwer voraussagen lässt", erklärt BITKOM-Geschäftsleiter Niklas Veltkamp die prekäre Situation in der deutschen Start-up-Szene. Für Frust sorgt bei den Befragten Unternehmen vor allem, dass die Banken immer mehr Kreditsicherheiten fordern. Auch die Anforderungen an die Dokumentation und Offenlegung seien gestiegen. Das gleiche gelte für die Eigenkapitalquote. Für Veltkamp sind diese Hürden auf dem Weg zum Unternehmenskredit große Hemmnisse der deutschen Gründerszene: "Wenn wir in Deutschland eine Start-up-Nation werden wollen, dann müssen wir dafür sorgen, dass die Finanzierung von Start-ups in allen Bereichen einfacher wird." Rund 1 Billion Euro will EZB-Chef Mario Draghi bis September 2016 in das europäische Bankensystem pumpen. Angesichts dieser Summe ist es nur schwer verständlich, dass die Geldinstitute innovativen Jungunternehmern weiterhin die kalte Schulter zeigen. 

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