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15.04.09Kommentieren

Interview mit Felix Schrader, webinale 2009

"Viele Start-ups, die kein Konzept zur Monetarisierung in der Tasche hatten, geraten jetzt ins Schlingern"

Zur Person: Felix Schrader ist Chefredakteur von CREATE OR DIE, einem Portal für Webdesigner und Webdeveloper, und gemeinsam mit der Redaktion verantwortlich für das Programm der webinale. Die Webkonferenz betrachtet das Web holistisch und richtet sich an Designer, Developer und Manager gleichermaßen.

Felix Schrader ist Chefredakteur von CREATE OR DIE und gemeinsam mit der Redaktion verantwortlich für das Programm der webinale.Felix Schrader ist Chefredakteur von CREATE OR DIE und gemeinsam mit der Redaktion verantwortlich für das Programm der webinale.

förderland: Herr Schrader, was erwartet die Teilnehmer in diesem Jahr auf der webinale, welche Trends stehen im Vordergrund?

Felix Schrader: Die webinale bietet wieder eine ganze Reihe interessanter und zukunftsträchtiger Themen, sei es im Bereich E-Business und Advertising, im Bereich Social Networks oder Mobile Web. Ebenso stehen RIAs und Widgets auf dem Themenplan sowie Design und Usability. Die Teilnehmer erhalten umfassenden Einblick in aktuelle Entwicklungen im Web und einen Ausblick auf kommende Trends, zum Beispiel wie sich das Social Web entwickeln wird, wie man mit Widgets und Gadgets neue Nutzer erreicht oder sogar wie das Netz im Jahr 2019 aussehen könnte. Zudem bieten wir zwei spezielle Themen-Tracks. Der eine widmet sich dem Thema Onlinewerbung, der andere dem Thema E-Commerce.

Wer die webinale noch nicht kennt, kann sich ausgewählte Sessions, die Keynotes und die Expo kostenlos anschauen. Dazu genügt es einfach, sich auf webinale.de zu registrieren. Das entsprechende Programm geht in den nächsten Tagen online.
 
Zum zweiten Mal findet im Rahmen der webinale der Start-up Day statt. Was erwartet die Gründer an diesem Tag?

Schrader: Wir wollen mit dem Start-up Day keine weitere Pitchrunde anbieten. Vielmehr geht es darum, Gründern und solchen, die es werden wollen, handfestes Wissen zu vermitteln. Erfolgreiche Gründer, Investoren und Rechtsanwälte teilen hier ihr Wissen mit den Teilnehmern. Beispielsweise erklärt Kolja Hebenstreit von Team Europe Ventures wie Onlinemarketing für Start-ups funktioniert, und Felix Haas von amiando klärt die wichtige Frage des Teambuildings.

Weil aber Gründer um eines nie herumkommen, nämlich das liebe Kapital, stellen sich beim Start-up Day neben Förderprogrammen auch Investoren vor: bei unserem Investorenpitch. Wir drehen den Spieß einfach mal um. Die Nachwuchsmanager können sich in Ruhe anhören, was die zehn eingeladenen Investoren zu sagen haben, wer sie sind, was sie suchen und erwarten. Beim anschließenden Get2Gether kann man sich dann in entspannter Atmosphäre u.a. mit Lukasz Gadowski, Nico Lumma und Jan Bomholt austauschen und vernetzen.

Auf welchen Redner freuen Sie sich auf der diesjährigen Konferenz besonders?

Schrader: Eine gemeine Frage, alle Speaker sind hervorragend. Es gibt aber tatsächlich mehrere Speaker, auf die ich mich sehr freue. Da wären die beiden Artists Akinori Oishi und Fons Schiedon, die mit ihren Vorträgen für Inspiration sorgen und für mehr Kreativität eintreten. Ebenso gespannt bin ich auf Chad Nicholson von Improv Everywhere, der erklärt, wie die Comedy-Truppe Social Networks für ihre Aktionen nutzt. Und ich freue mich auf Christian Etter, der einen Ausblick auf künftige Webtechnologien gibt, Jens Meiert von Google und Gunnar Menzel von Scholz & Volkmer.

Wie ist es Ihrer Ansicht nach derzeit um die Webbranche bestellt?

Schrader: Einige Unternehmen leiden unter der aktuellen Entwicklung, andere stehen relativ gut da; wie in der Realwirtschaft auch. Vornehmlich von den großen Unternehmen erfährt man, dass Umsätze stagnieren, Projekte auf Eis gelegt und Personal abgebaut wird. Google und Microsoft beispielsweise haben bereits entsprechende Maßnahmen eingeleitet und einen Sparkurs angekündigt. Wer nicht auf schlanke Strukturen setzt, hat in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten schnell ein Problem. Hier sind nun viele kleine Unternehmen im Vorteil, auch Start-ups. Dennoch werden sicherlich einige Unternehmen Insolvenz anmelden. Vor allem, wenn es an vernünftigen Strategien fehlt. Ich vermute aber, dass die Auswirkungen in der Webbranche insgesamt nicht so gravierend ausfallen werden. Dem Web gehört zweifelsfrei die Zukunft, alles wird künftig in irgendeiner Art und Weise mit dem Netz verbunden, verwoben sein.

Viele Web-Start-ups sind ohne klare Monetarisierungsstrategie an den Start gegangen – wie lässt sich denn mit dem Internet Geld verdienen?

Schrader: Viele Start-ups, die kein Konzept zur Monetarisierung in der Tasche hatten, geraten jetzt ins Schlingern. Und künftig wird es wohl deutlich schwerer werden, an Kapital zu kommen. Das Internet macht es einem leicht und verleitet dazu, schnell ein eigenes Projekt zu starten. Doch darüber sollte man nicht die grundlegenden betriebwirtschaftlichen Aspekte vergessen. Start-ups wie Twitter oder Facebook bilden die Ausnahme. Beide haben mit ihrem Angebot das Netz verändert und genießen derart viel Aufmerksamkeit, dass sie Monetarisierungskonzepte hinten anstellen können. Erst Reichweite aufbauen und sich im Anschluss Gedanken um Einnahmewege machen – sicherlich ein Traum, den viele träumen, aber es ist eben nur ein Traum. Eine eigene, neue Idee, kein Klon, ein klares Konzept, auch im Hinblick auf die Monetarisierung und das Wissen, wie das Internet funktioniert und wie man seine Möglichkeiten für sich nutzt, darauf kommt es an. Ein Patentrezept, wie man seine Idee in bare Münze wandeln kann, gibt es leider nicht.

Welches Start-up hat Sie in letzter Zeit überzeugt?

Schrader: Da gibt es einige. Ich bin von txtr und den Möglichkeiten begeistert, die ihr E-Reader bieten soll. Diese Geräte sind ein weiterer Meilenstein im Umgang mit dem Web und seinen Inhalten. Ich hoffe, Verlage erkennen die Möglichkeiten, die in diesen Geräten stecken und nutzen sie. In den letzten Jahren haben viele Verlage nicht gerade mit Innovationen im Web geglänzt.

Ebenso fasziniert bin ich von der Multitouch-Technologie, die Sensory Minds anbietet. Das Start-up hat bereits den einen oder anderen Multitouch-Tisch ausgeliefert und arbeitet gerade an einer Mediawand für den Nürburgring. In den nächsten Jahren wird diese Technologie Einzug in unser Alltagsleben halten und die Art und Weise verändern, wie wir arbeiten und mit dem Computer umgehen.

Und gespannt bin ich auf SnipClip. Die sind zwar noch nicht live, werden aber für ihre Idee, Sammelalben im Web anzubieten, bereits mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht.

Wie sehen Sie die Internet-Gründerszene in Deutschland im internationalen Vergleich?

Schrader: Klein, aber fein. Traditionell geht der Deutsche seine Vorhaben bis ins Detail geplant an. In den USA sieht man dagegen vieles lockerer: erst machen und dann schauen, ob es funktioniert, könnte ein Credo sein. Ich will das gar nicht be- noch verurteilen, beide Herangehensweisen haben ihre Berechtigung. Ob man am Ende Erfolg hat, ist sicherlich immer auch eine Frage des Glücks und der richtigen Umstände zum richtigen Zeitpunkt.

Web 2.0 – was kommt danach?

Schrader: Web 2.0 war und ist ein Marketingbegriff. Aber ein sehr guter. Von Web 3.0 mag allerdings keiner sprechen. Zu viele Möglichkeiten eröffnen sich. Sicher ist: Das Web wird weiter wachsen, wird in immer mehr Arbeits- und Lebensbereiche eindringen und in den Alltag integriert – ganz schnell können wir uns gar nicht mehr vorstellen, wie es ohne das Web gewesen ist.

Wir werden künftig keine U-Bahn-Karte mehr kaufen müssen, sondern einfach einsteigen und fahren, wohin wir wollen. Das Handy merkt sich die gefahrenen Strecken, abgerechnet wird am Computer. Mit dem Handy bezahle ich meinen Einkauf im Supermarkt, verwalte meine "Plattensammlung" und lasse mir in Paris die Sehenswürdigkeiten anzeigen. Das Web wird mobil. In Deutschland leider erst auf 3G-Niveau, andere sind da schon weiter. Künftig sind wir immer und überall online und haben ständig Zugriff auf unsere Daten.

Das Thema Social Media steht ebenso erst am Anfang. Schon in naher Zukunft werden wir umfassender vernetzt sein als heute – mit Freunden, mit Kollegen, mit Behörden, und zwar so weit, dass die Grenzen zwischen Privat- und Arbeitsleben immer mehr verwischen. 

Und das Semantic Web kommt, früher oder später. Statt mehr oder weniger passende Links zu unseren Suchbegriffen bei Google zu finden, könnten wir künftig direkt konkrete Antworten auf komplexe Fragen erhalten.

Und das Web macht auch vor Gegenständen nicht halt: Eine spannende Anwendung der Zukunft sind RFID-Tags in Gebrauchsgegenständen, die Interaktionen zwischen Gegenstand und Mensch ermöglichen. Wer seine morgendlichen Pillen vergisst, wird beim kontrollierenden Blick in den Spiegel vor dem Verlassen des Hauses daran erinnert. Autos können künftig miteinander kommunizieren und Staus ausweichen, Elektroautos sind ständig mit dem Web verbunden und tauschen Informationen über freie Ladestationen und Parkplätze aus. Vielleicht werden die Akkus sogar als ein riesiges, sich selbst organisierendes Stromlager genutzt.

Was auch kommen mag, unser Leben wird sich in vielen Dingen grundlegend ändern – positiv.

Vielen Dank für das Interview.

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