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28.07.11Kommentieren

Interview mit Sascha Konietzke, StorageRoom App

"Viele Agenturen haben uns bereits Anfragen für eine White-Label-Lösung von StorageRoom gestellt"

Anwendungen für Smartphones, so genannte "Apps" sorgen für Goldgräberstimmung unter vielen digitalen Start-ups. Doch immer wieder stoßen die Entwickler solcher Apps auf Probleme mit dem Daten-Management. Hilfe für den riesigen Markt bietet ein winziges Start-up aus Baden-Württemberg. Und Gründer Sascha Konietzke erzählt uns heute, was er und sein Mobile-CMS "StorageRoom" alles auf dem Kasten haben.

Sascha Konietzke, StorageRoom AppSascha Konietzke, StorageRoom App

förderland: Servus, Sascha, wir wollen heute mehr über das Mobile-CMS StorageRoom wissen, aber auch über Dich selbst. Also stell Dich doch einmal kurz vor. Was ist Dein Hintergrund, was begeistert Dich?

Sascha Konietzke: Hallo Chris. Nach meinem dualen Wirtschaftsinformatik-Studium bei Hewlett-Packard merkte ich schnell, dass es für mich sinnvoller ist, die Konzernwelt zu verlassen, weshalb ich ein Jahr nach dem Studium gekündigt habe um ein Internet-Start-up namens Tagcrumbs mitzugründen.

Tagcrumbs war ein Dienst zum Speichern, Entdecken und Empfehlen von Plätzen im Web und auf mobilen Endgeräten: Social Bookmarking für Orte im echten Leben. Mein Hauptaufgabenbereich bei Tagcrumbs war die Entwicklung der zugrundeliegenden Plattform und der iOS Anwendung. Unser Ziel war es, mit ortsbasierter Werbung Geld zu verdienen. Doch die nötigen Massen an Nutzern blieben aus und es war zur damaligen Zeit zu schwierig, für solch ein werbefinanziertes Model Investoren in Europa zu finden. Wir überlegten uns alternative Monetarisierungsmöglichkeiten, fanden aber keine aussichtsreiche Strategie, von der alle Gründer überzeugt waren. So haben wir uns 2010 dazu entschlossen, Tagcrumbs einzustellen.

Von Start-ups wollte ich mich anschließend etwas distanzieren, weshalb ich kurzzeitig mit dem Gedanken gespielt habe, zurück an eine Uni zu gehen, um weiter zu studieren. Da ich durch ausprobieren immer mehr gelernt habe als in Vorlesungen, habe ich mich dazu entschlossen, erst einmal freiberuflich Webanwendungen und mobile Apps zu entwickeln. Während der Zeit als Freiberufler, aber auch schon damals bei Tagcrumbs, bin ich dann immer wieder über das gleiche Problem gestolpert: es ist zu schwierig und aufwändig Inhalte in mobilen Anwendungen einzubinden.

Da meine Begeisterung und bisherige Erfahrung bei Webanwendungen, mobilen Apps, APIs und Cloud-Diensten liegt, entschloss ich mich 2011 dazu, Thriventures zu gründen und mit StorageRoom eine Lösung für eben dieses Problem anzubieten.

StorageRoom ist ein CMS für mobile Anwendungen. Was macht Dein Produkt anders? Was kann es, was andere CMS nicht oder nur begrenzt können?

Konietzke: Bisherige Content Management Systeme sind für den Betrieb von Webseiten gebaut. Sie bieten daher viele Funktionen zur Suchmaschinenoptimierung oder zum Generieren von HTML-Seiten, wie z.B. das Verwalten von Themes, Templates und Designs.

Funktionen für die Verwaltung von Inhalten für mobile Anwendungen, wie eine API, über die App-Entwickler Inhalte aus dem CMS in ihre Apps laden können, sind oft aber gar nicht oder nur in sehr schlechter Form vorhanden. Die meisten CMS müssen außerdem auf einem eigenen Server betrieben werden, was Zeit und Geld kostet und oftmals nicht zu den Kernkompetenzen von App-Entwicklern zählt.

StorageRoom haben wir von Grund auf als plattformunabhängiges cloud-basiertes CMS für mobile Anwendungen konzipiert. Editoren bearbeiten die Inhalte in einer einfachen Oberfläche zentral auf unserer Webseite und Entwickler laden die Inhalte über unsere API in ihre Apps. Bibliotheken für eine noch einfachere Integration in Anwendungen werden wir bald vorstellen.

StorageRoom ist das fehlende Stück von Apples iCloud. Mit iCloud werden Daten wie Kalendereinträge, Musik und Dokumente zwischen den Geräten eines Nutzers synchronisiert. Apps enthalten oft aber nicht nur vom Nutzer generierte Daten, sondern - je nach App - auch Inhalte wie beispielsweise Neuigkeiten, Bilder, die Adressen von Filialen eines Unternehmens, Rezepte in einer Kochbuch-App, oder Fragen in einem Fragespiel. StorageRoom ist die Cloud für Inhalte dieser Art und ermöglicht die Übertragung von Inhalten zu mobilen Apps.

Wie wollt Ihr StorageRoom unters Volk bringen?

Konietzke: Unser bisheriges Angebot richtet sich vor allem an selbstständige App-Entwickler, die ihre eigenen Apps betreiben. Mit einigen dieser Entwickler arbeiten wir momentan eng zusammen, um unseren Dienst weiter zu verbessern. Wir halten uns momentan, bis wir Product/Market Fit erreicht haben, mit Marketing-Aktionen zurück. Was natürlich nicht heißt, dass wir uns hierüber keine Gedanken machen.

Viele Agenturen haben uns bereits Anfragen für eine White-Label-Lösung von StorageRoom gestellt. Agenturen möchten den Dienst mit ihrem eigenen Branding an ihre Kunden weiterverkaufen. Das werden wir bald ermöglichen. So können Agenturen durch unseren Dienst Geld verdienen und fördern damit gleichzeitig die Verbreitung von StorageRoom.

Wir haben viele weitere Ideen um StorageRoom zu vermarkten. Konkretere Pläne entwickeln wir aber erst, wenn die richtige Zeit gekommen ist.

Welche Probleme galt es bei der Entwicklung zu lösen? Gab es besondere Herausforderungen?

Konietzke: Die größte Herausforderung war es, ein zuverlässiges und skalierbares System zu entwickeln, das so flexibel ist, dass jede Art von Inhalten darin verwaltet werden kann. Administratoren können eigene Datentypen definieren, die Editoren dann verwalten und Entwickler in ihre Apps einbinden können.

Wir versuchen das Start-up nach der Lean Start-up-Philosophie aufzubauen. Dabei war es teilweise schwierig festzustellen, ob eine bestimmte Funktion für das Produkt essentiell ist oder ob die Entwicklung auch noch weiter nach hinten geschoben werden kann.

Bist Du ein Geek? War es schwierig, neben den fachlichen, technischen Qualifikationen auch den Willen und das Durchsetzungsvermögen zum Gründen zu finden?

Konietzke: Ich habe schon immer mit Technik experimentiert und gespielt, interessiere mich aber ebenso für die betriebswirtschaftliche Seite eines Unternehmens. Es war daher nicht schwer den Willen zum Gründen zu finden. Die Gründung des Unternehmens selbst funktionierte problemlos.

Unsere Kunden bezahlen für unseren Dienst monatlich per Kreditkarte. Das größte Problem bei der Gründung war das Aufsetzen des Systems zur Kreditkartenabrechnung. Es hat lange gedauert, bis wir einen Anbieter gefunden haben, der mit den bestehenden Recurring-Billing-Lösungen wie Chargify, CheddarGetter und Recurly zusammenspielt und der uns als Start-up einen Merchant Account zur Verfügung stellt. Deutsche Anbieter sind hier, wie bei so Vielem, sehr auf Sicherheit bedacht.

Nachdem der Merchant Account dann endlich erstellt war, hatten wir zwei weitere Monate Probleme mit dem Bezahlsystem. Die Dienste haben nicht so miteinander funktioniert, wie von den Betreibern versprochen.

Habt Ihr schon weitere Ideen in der Schublade oder arbeitet Ihr gerade schon an neuen Anwendungen im Mobile-Bereich?

Konietzke: Wir werden uns weiter auf StorageRoom fokussieren. Die Arbeit an StorageRoom macht Spaß und das Feedback von Kunden ist bisher sehr positiv. Wir haben viele Ideen, wie wir den Dienst verbessern, ausbauen und vermarkten können.

Das Thema Mobile wird in den nächsten Jahren nur noch wichtiger werden. Wir sind hier in einer guten Position.

Wie habt Ihr euer Preismodell gestaltet? Immerhin muss man ja da die Brücke zwischen Kundenakzeptanz und Gewinn schlagen …

Konietzke: Jeder kann sich kostenlos bei uns anmelden und den Dienst testen, erste Inhalte einpflegen, Apps entwickeln und die API nutzen. Pro Account können im kostenlosen Modus 1000 API Anfragen pro Tag gemacht werden. Das reicht für das Entwickeln und Testen einer App, nicht jedoch für den Betrieb.

Wir bieten vier verschiedene Lizenzen an, zwischen denen jederzeit gewechselt werden kann. Eine teurere Lizenz erlaubt das Verwalten von mehr Inhalten und enthält mehr API Anfragen pro Monat.

Sobald die von unseren Kunden entwickelten Anwendungen veröffentlicht werden, ist es nötig, auf eine der kostenpflichtigen Lizenzen zu wechseln.

Wer unseren Dienst übermäßig viel nutzt, zahlt ab einer bestimmten Grenze an API Anfragen noch einen geringen Betrag pro API Anfrage. Damit motivieren wir Kunden mit beliebten Apps auf teurere Lizenzen zu wechseln und einen fairen Preis für die Nutzung zu zahlen.

Wann kam eigentlich die Entscheidung, sich selbstständig zu machen und nicht als Angestellter unter anderen zu arbeiten? War das immer schon in Deinem Kopf oder kam das schleichend?

Konietzke: Ich habe schon mit 16 Jahren Webseiten für mich selbst und Unternehmen entwickelt, aber dabei nie so sehr an eine Selbstständigkeit gedacht. Im Jahr 2006 in meiner Studienzeit, während der Anfänge der "Web 2.0" Bewegung, war ich einige Monate in Palo Alto in Kalifornien und arbeitete im Cloud-Computing Bereich von HP. Die vielen Web-Start-ups im Valley begeisterten mich damals sehr und weder von Web-Start-ups noch von der Cloud bin ich bis heute weggekommen.

Zu guter Letzt - wo siehst Du StorageRoom in zwei Jahren?

Konietzke: In zwei Jahren sehe ich StorageRoom als etabliertes Backendsystem, das von vielen mobilen Anwendungen auf jeder erdenklichen mobilen Plattform genutzt wird. Neben Anwendungen und Spielen auf Handys kann ich mir auch vorstellen, dass Inhalte in anderen, bisher statischen Programmen eingebunden werden, wie etwa Desktopanwendungen oder Konsolenspielen. Denn warum gibt es in einem Konsolenspiel keine Cross-Promotions für andere Spiele oder einen eingeblendeten Hinweis, der mir sagt, dass es eine neue Version meines Lieblingsspieles gibt?

Vielen Dank fürs Interview und viel Erfolg!

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