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17.07.08Leser-Kommentare

Ungewöhnliche Idee

Steuerverrat als Geschäftsmodell

"Sie haben Kenntnis über einen Fall der Steuerhinterziehung? Sie besitzen vielleicht sogar Beweise? Sie möchten ganz leicht viel Geld aus diesem Wissen schlagen? Dann sind Sie hier richtig." So lauten die ersten Sätze auf der Startseite von steuerverrat.de, einem neuen Unternehmen von drei Gründern aus Hagen.

Hinter der GbR steckt eine einfache Geschäftsidee: Menschen mit Kenntnis von Steuervergehen übermitteln die Beweise dafür an die Firma. Diese kümmert sich dann um die Weiterleitung der Informationen an die zuständigen Behörden und das Aushandeln von Belohnungen. Kommt eine Vereinbarung zustande, behält steuerverrat.de 15 Prozent davon als Provision ein.

Wer die restlichen 85 Prozent kassieren will, muss einen großen Vertrauensvorschuss mitbringen. So dürfen sich die Informanten laut den FAQs des Unternehmens ausschließlich "anonym an uns wenden. Wenn Sie uns anrufen, so unterdrücken Sie bitte Ihre Rufnummer. Wenn Sie uns eine email schreiben, dann verwenden Sie bitte eine anonyme email-Adresse." Die Firma versucht dann mit der Behörde eine Belohnung auszuhandeln. Ein Vertrag mit dem "Kunden" ist bis dahin überhaupt noch nicht zustande gekommen. Denn: "Wir wollen und dürfen Ihren Namen und Ihre Identität aus Sicherheitsgründen erst wissen, wenn eine Einigung mit den Behörden vorliegt. Erst dann wird auch ein schriftlicher Vertrag geschlossen", besagen die firmeneigenen FAQs.

Wer sein Wissen möglichst schnell weitertragen möchte, kann gleich nach Ansteuern des Web-Angebots loslegen. Hier gibt es die Möglichkeit einer "Schnellmeldung". Immerhin: Mehrere Staatsanwaltschaften haben sich gegenüber dem neuen Angebot bereits aufgeschlossen gezeigt. Über das Ob und Wie von Belohnungen hüllten sie sich aber noch in Schweigen.

förderland meint: Nahe liegende Geschäftsideen gelten gemeinhin als die besten. In diesem Fall stellt sich jedoch die Frage nach der Qualität einer Geschäftsidee, die auf dem Denunzieren anderer beruht. Dabei entsteht in diesem Fall – bei allem Gründergeist und aller Kreativität – eine gewisse Anrüchigkeit. Schließlich versucht die Firma die Informanten mit Millionensummen zu ködern. Dass die – wenn überhaupt – nur in den wenigsten Fällen gezahlt werden, entspricht geltender Praxis. Außerdem könnte sich das Unternehmen mit der Zeit zu einer riesigen Datenbank von mutmaßlichen Steuerhinterziehern entwickeln. Und das kann trotz Daten- und Informantenschutz nicht im Sinne des Gemeinwesens sein.

Wie lautet Ihre Meinung zu dieser Geschäftsidee? Diskutieren Sie in unserem Forum oder kommentieren Sie diesen Beitrag gleich hier.

Kommentare

  • Johann Hero

    17.07.08 (17:32:07)

    Die Anr?chigkeit der Gesch?ftsidee liegt auf der Hand. Allerdings ist auch die Liechtenstein-Aff?re anr?chiger Natur, es fragt sich, ob die B?chse der Pandora jetzt unwiderruflich ge?ffnet ist. Bitte nicht!

    Eine "Datenbank" kann das Unternehmen aber nicht aufbauen. Denn die konkreten Informationen und Namen gibt es erst nach Vertragsabschluss mit den Beh?rden, vorher bleiben diese Daten wohl exklusiv beim Informanten.

    Der Hintergrund liegt auf der Hand: Wenn die Firma schon vor Vertragsabschluss Details w?sste, k?nnte der Staatsanwalt notfalls per Beugehaft kostenfrei an alle Informationen kommen. Das wollen die Unternehmer anscheinend vermeiden.

    Insgesamt werden die Beh?rden jetzt wohl bald Farbe bekennen m?ssen. Will man Denunzianten nun belohnen oder nicht?

  • Rudi Voller

    23.07.08 (15:35:28)

    dazu f?llt mir nur eins ein:
    Schwachsinn hoch zehn.

  • Richard Korte

    24.07.08 (00:25:28)

    Auf den zweiten Blick - ? Nun - die Jungs haben eine Gesch?ftsidee, die vom Staat unterst?tzt und mit kr?ftigen Provisionen gef?rdert wird! Sollte daran etwas falsch sein?
    Qualit?t hin - Qualit?t her, - und ob die Summen ?berhaupt ausgezahlt werden? Vom wem?
    Vom Finanzamt? Und nun mal Klartext!

    Welche geltende Praxis denn nun? Kennen Sie, liebe Redaktion, schon solche F?lle?
    Warum Denunziantentum? - Es wird doch vom Staat unterst?tzt!

    Oder bin ich auf dem Holzweg???
    Ja nat?rlich!! Ich wollte hier zun?chst etwas provozierend an das Thema herangehen!

    In meinen Augen, und da stimme ich mit vielen anderen Mitmenschen ?berein,- ist das ganze eine Perversion der Demokratie!!
    Das schockierende ist nicht die Gr?ndung dieses Unternehmens, sondern das Verhalten
    der Beh?rden und somit des Staates und somit unserer gew?hlten Volksvertreter!

    Steuern m?ssen sein! Klare Sache! Aber das bewusste oder versehentliche Vers?umnis der Zahlung von Steuern darf niemals als Straftat geahndet werden! Dann noch Spitzel gegen Provisionzahlung auszuschicken, und jetzt auch noch Existenzgr?ndungen als Finanzamtsspitzel und Denunziantenberatung.

    Geht es noch perverser?
    Steuren geh?ren nicht der Regierung!!!
    Steuern sind Gelder der B?rger, welches der Allgemeinheit zu Verf?gung gesellt
    werden und von der Regierung verwaltet und Verantwortungsvoll eingesetzt werden soll!
    Das Wort Steuerhinterziehung sollte noch heute aus unserem Wortschatz gestrichen werden!
    Die Nachweispflicht der zu zahlenden Steuern muss bei den Beh?rden liegen, nicht beim B?rger!
    Gerechtigkeit muss nat?rlich sein!
    F?r Verschleierung von Gewinnen kann es ein saftiges Bu?geld geben, aber mehr nicht! - Meinetwegen die Verdoppelung der Summe

    Denn, im Bereich Steuern wird in unserer Demokratie mit zwei v?llig verschiedenen Ma?en operiert! Und die Ma?e wurden nicht vom Volk ersonnen!
    500 Millionen ? p.a. Steuerhinterzeihung beim B?rger als Straftat, - gegen?ber-
    30 Milliarden ? p.a. Steuergeldverschwendung bei der Regierung als unab?nderliches Jahresereignis, f?r das sich niemand verantwortlich f?hlt und das in jedem Jahr in der Presse nur mit einer kleinen Notiz zur Kenntnis genommen
    wird!

    Das ist die Situation! Da muss man sich nicht wundern, wenn jemand auf diese Gesch?ftsidee kommt! Und Politikverdrossenheit um sich greift!


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