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12.09.11Kommentieren

Interview mit Marc P. Bernegger

"In Zukunft werden die Grenzen zwischen reinen IT-Unternehmen und Banken zum größten Teil verschwinden"

Marc P. Bernegger ist Serial Entrepreneur, Business Angel wurde vom Schweizer IT-Verband als "Newcomer of the Year 2010" ausgezeichnet. Seit April 2011 ist er Partner bei der Beteiligungsgesellschaft Next Generation Finance Invest. Im Interview mit förderland gewährt uns Bernegger spannende Einblicke in das Themenfeld Finance & Banking 2.0.

Marc P. Bernegger ist unter anderem Mitgründer von amiandoMarc P. Bernegger ist unter anderem Mitgründer von amiando

förderland: Hallo Herr Bernegger, Sie sind Serial Entrepreneur und Business Angel, wurden vom Schweizer IT-Verband als "Newcomer of the Year 2010" ausgezeichnet und sind Vorstand beim Pioneers’ Club PCU. Geben Sie uns doch einen kurzen Überblick über Ihre bisherigen Stationen?

Marc P. Bernegger: Ich hatte schon früh das Bedürfnis, eigene Projekte und Ideen umzusetzen. So betrieb ich zum Beispiel mit sieben Jahren an meiner damaligen Schule einen kleinen Kiosk und während des Gymnasiums veröffentlichte ich zusammen mit Freunden ein Sportmagazin. Mit 20 startete ich zusammen mit einem Schulfreund und neben meinem Jura-Studium mein erstes richtiges Internet-Projekt und damit meine Laufbahn als Internet-Unternehmer. Aus dem ursprünglich rein als Hobby gedachten Zeitvertreib entwickelte sich sehr schnell ein richtiges Unternehmen, das bis heute existiert und sehr erfolgreich arbeitet (usgang.ch wurde 2008 von Axel Springer gekauft). Danach war ich Mitgründer von amiando und durfte dort nochmals erleben und mitgestalten, wie man eine Firma aufbaut und mit einer innovativen Idee und einem guten Team wirtschaftlich Erfolg haben kann (amiando wurde im Dezember 2010 von Xing gekauft und beschäftigt heute über 100 Mitarbeiter). Seit dem Exit bei usgang.ch habe ich auch angefangen, selber in spannende Unternehmen und Gründer zu investieren und seit April bin ich nun Partner bei der an der Börse gelisteten Beteiligungsgesellschaft Next Generation Finance Invest.

Was reizt Sie am Themenfeld Finance 2.0 & Banking 2.0? Und welche Strategie verfolgt die Next Generation Finance Invest AG?

Bernegger: Wir sind bei Next Generation Finance Invest davon überzeugt, dass sich die Finanzbranche fundamental verändern wird. Durch die digitale Revolution hat sich in den letzten Jahren der Alltag und auch die Geschäftswelt sehr stark gewandelt und dieser Umbruch hat im Finanzbereich bisher nur teilweise stattgefunden. Dadurch ergeben sich enorme Chancen und diese möchten wir mit unserer Beteiligungsgesellschaft nutzen.

Persönlich hat mich die Finanzbranche schon immer fasziniert (was natürlich auch daran liegen kann, dass ich in Zürich lebe und die meisten Freunde von mir in diesem Umfeld arbeiten).

Ich finde es sehr spannend, mit meinen Erfahrungen als Internet-Unternehmer in diese "alte Welt" vorzustossen und die enormen Möglichkeiten auszuschöpfen. Meine beiden Partner bei Next Generation Finance Invest, Thomas Winkler und Robert Lempka, bringen zusammen über 50 Jahre Erfahrung aus der Finanzbranche mit, d.h. wir sind von unserem Background her sehr komplementär und bringen alle Fähigkeiten mit, um im Bereich Internet und Finance erfolgreich zu sein.

Welche Veränderungen wird die Finanzkrise nach sich ziehen? Welche Trends lassen sich erkennen? Und wo sehen Sie hier Chancen für neue Geschäftskonzepte?

Bernegger: Durch die Finanzkrise hat die Finanzbranche (zu Recht) viel Vertrauen verloren und man kann davon ausgehen, dass diese ihren Zenith nun definitiv hinter sich hat. Gleichzeitig ergeben sich daraus viele interessante Möglichkeiten, insbesondere für neue und innovative Player ohne Altlasten aus der Finanzkrise.

Wie in anderen Branchen bereits geschehen, sorgt das Internet nun auch im Finanzbereich für eine Demokratisierung, wovon am Ende alle profitieren (z. B. werden durch gesteigerte Transparenz und Effizienz viele Finanzdienstleistungen in Zukunft massiv günstiger).

Was für Unternehmen sind denn in Ihrem Portfolio?

Bernegger: Aktuell sind wir mit Next Generation Finance Invest bei vier Unternehmen beteiligt, welche alle sehr interessante Ansätze verfolgen: Mit ayondo decken wir das Themenfeld Social Investing ab, das enormes Potential mit sich bringt. 2iQ Research aggregiert und veredelt Daten von Insider- und Directors-Dealings und ist in Europa führend auf diesem Gebiet. Mit Gekko Global Markets sind wir als Hauptaktionär bei einem innovativen CFD-Broker beteiligt. Gekko sitzt in London und wird in Kürze nach Deutschland expandieren. Oanda ist bereits eine etablierte Unternehmung, welche global im FOREX-Markt tätig ist. Da wir uns bei Next Generation Finance Invest in einer absoluten Nische bewegen, bestehen zwischen unseren Portfolio-Unternehmen sehr grosse Synergien und wir möchten diese in Zukunft vermehrt nutzen.

Wie finden Sie interessante junge Unternehmen für Ihr Portfolio? Andersrum: Was muss ein kapitalsuchendes Unternehmen mitbringen, um Sie von einem Investment zu überzeugen?

Bernegger: Für uns ist es wichtig, dass die Unternehmen disruptive Geschäftsmodelle mit sich bringen, welche schnell skalierbar und international ausrollbar sind. Desweiteren muss das Unternehmen ein potentieller "Game Changer" sein, d. h. wir suchen Ideen, welche fundamentale Veränderungen in der Finanzbranche auslösen oder zumindest davon profitieren. Nicht umsonst spricht man in Anlehnung zum Begriff "Web 2.0" bei solchen Ansätzen auch von "Finance 2.0" oder "Banking 2.0" und mit Next Generation Finance Invest konzentrieren wir uns genau auf diese Nische. Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass wir uns in einem sehr anspruchsvollen und hoch regulierten Umfeld bewegen, d. h. neben einer tollen Idee muss diese auch konkret umsetzbar und nachhaltig erfolgreich sein.

Es wird ja vermehrt diskutiert, ob beispielsweise Amazon, Apple, Facebook oder Google in Zukunft ins Bankgeschäft einsteigen werden. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Bernegger: Aus meiner Sicht werden in Zukunft die Grenzen zwischen reinen IT-Unternehmen und Banken zum größten Teil verschwinden und viele Banken haben bereits heute stark durch IT-Prozesse dominierte Strukturen. Innovative Player wie Google und Apple haben den Vorteil, dass diese viel dynamischer agieren können als traditionelle Banken, weshalb es mich nicht überraschen würde, wenn sich IT- und Internet-Unternehmen in Zukunft vermehrt ins Bankengeschäft hineinbewegen, um ihre bestehende Wertschöpfungskette zu erweitern.

Vielen Dank für das Interview!

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