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07.05.08Kommentieren

Interview mit promotionbasis.de

"Identität und Philosophie unseres Unternehmens müssen gewahrt bleiben"

Zum Unternehmen: promotionbasis.de wurde Ende 2002 von Daniela Hinz und Arne Neuthor gestartet. Hinz kümmert sich vor allem um Backoffice und Buchhaltung, Neuthor leitet Programmierung und Marketing. Ihr Web-Service bietet volljährigen Schülern und Studenten aktuelle Jobs aus den Bereichen Promotion, Messe und Event. Agenturen aus der Branche schalten hier ihre Anzeigen. Ihnen stehen Filter wie Alter, Größe oder Geschlecht bei der Kandidatenwahl zur Verfügung. Zurzeit verfügt promotionbasis.de über einen Pool von 85.000 Kontakten.

neuthorArne Neuthor, Mit-Gründer von promotionbasis.de

förderland: Wie kommt man auf die Idee, ein Job-Portal für Hostessen und Promotion-Aktionen zu gründen?

Neuthor: Wir haben damals festgestellt, dass es ein komfortables Internet-Angebot für diesen Bereich noch nicht gab. Wie so vieles im Leben haben wir diese Idee aus dem Selbstzweck geboren.

förderland: Haben Sie selbst auch im Promotionbereich gearbeitet?

Neuthor: Wir haben beide etwa sechs Jahre als Promoter gearbeitet. Konkret waren wir im Verkaufsbereich als Sales Promoter tätig, zum Beispiel lange Zeit für die T-Com oder für Philips. Aber wir haben auch viele kleinere Aktionen gemacht, die eher in den Event-Bereich gingen. Mein absolutes Highlight war übrigens die Expo 2000, die hat sehr viel Spaß gemacht.

förderland: Was war der Grund für Ihren Schwenk vom freischaffenden Promoter zum Unternehmensgründer?

Neuthor: Ich bin damals auf die 30 zugegangen und habe mir gedacht: Man wird ja mit 40 oder 50 Jahren nicht mehr so begehrt sein auf dem Markt wie mit jungen Jahren. Natürlich werden in diesem Bereich zu 80 Prozent junge Bewerber gesucht, weil es auch die Marken und die Werbungtreibenden am besten widerspiegelt – vermeintlich, wohlgemerkt. Ich wusste, dass für mich die Aufträge irgendwann knapp werden würden; zumal wir in unserem Wohnort Kiel in der "Promotion-Randzone" lebten und mit Aufträgen nicht unbedingt gesegnet waren.

förderland: In welchem Stadium befinden Sie sich zurzeit mit Ihrem Unternehmen?

Neuthor: Nach drei aufregenden Jahren, in denen wir uns ein eifriges Rennen mit einem Mitbewerber geliefert haben, sehen wir uns seit etwa zwei Jahren so fest etabliert, dass wir weit vor allen anderen deutschen Portalen dieser Art stehen. Das zeigen die Besucherzahlen, aber auch die Zahl der Inseratschaltungen, Job-Ausschreibungen und Nutzerzugriffe. Wir stehen jetzt an dem Punkt, dass wir uns überlegen, ob wir mit unserer Idee noch international rausgehen oder nicht. Vorher müssen wir aber noch eine Menge Details klären. Keiner konnte uns bisher genau sagen, wie ein Promotion-Job in Polen oder Tschechien aussieht. Aber auch China oder die USA wären für uns interessante Märkte.

förderland: Planen Sie, künftig Investoren ins Unternehmen zu holen?

Neuthor: Da sind wir zurzeit noch in der Entscheidungsphase. Wir wissen es noch nicht genau, wir können es uns aber durchaus vorstellen. Klar, zum Thema Investoren gibt es viele konträre Meinungen, und wir sind stolz darauf, dass wir es bis jetzt ohne große fremde Unterstützung geschafft haben. Aber uns ist auch bewusst: Wenn wir uns zu dem Schritt der Internationalisierung oder zu einem weiteren Ausbau des Portals entscheiden sollten, dann werden wir fremde Hilfe brauchen. Und da ermitteln wir gerade die passende Konstellation.

förderland: Worauf würden Sie bei der Wahl des Investors achten?

Neuthor: Uns ist wichtig, dass die Identität und die Philosophie unseres Unternehmens gewahrt bleiben. Wir sind ein junges Team und bedienen eine junge Zielgruppe. Auch die Mitarbeiter in den Agenturen sind recht jung. Und da wäre uns wenig mit einem Investor gedient, der alles komplett anders machen will.

förderland: Wie verdienen Sie mit Ihrem Unternehmen Geld?

Hinz: Durch die Inserat-Schaltungen der Job-Anbieter. Hier bieten wir verschiedene Anzeigen-Formate zu unterschiedlichen Preisen an. Außerdem besteht bei uns die Möglichkeit, Anzeigen- und Banner-Kampagnen zu schalten. Das bietet sich für Kunden an, die für große Aktionen in kurzer Zeit sehr viele Kandidaten brauchen oder einfach nur ihr Image bei den Job-Suchenden aufpolieren wollen.

Neuthor: Ein Beispiel für so eine große Aktion war Toll-Collect. Die suchten damals Personal, um den Kunden das neue Mautsystem zu vermitteln. Für diese Suche wurden damals auch Inserate bei uns geschaltet.

förderland: Wie gewährleisten Sie Ihren Anzeigen-Kunden, dass die Job-Suchenden für Promotion-Aktionen auch geeignet sind?

Neuthor: Wir führen gerade ein Bewertungssystem für unsere Nutzer ein. Das Besondere ist dabei, dass sich ausschließlich Menschen bewerten können, die zueinander in einer Geschäftsbeziehung gestanden haben. Es kann also nicht jeder jedem fünf Sterne geben. Der Qualitäts-Gesichtspunkt ist in unserer Branche extrem wichtig. Deshalb bieten wir das Bewertungssystem auch ausschließlich in unserem kostenpflichtigen Premium-Bereich an.
Natürlich kommt es ab und zu mal vor, dass Menschen ihr Alter heruntersetzen oder ein falsches Bild einsetzen. Doch die Community reguliert sich hier selbst. Schließlich fällt der Schwindel beim ersten persönlichen Kontakt sofort auf.

förderland: Ihre Meinung zum Thema "Gründerstandort Deutschland": Wo könnte man es hierzulande einem Gründer leichter machen?

Neuthor: Das fängt schon bei dem Steuersystem an. Von der angekündigten "Steuererklärung auf dem Bierdeckel" ist noch nichts zu sehen. Und die ganzen Auflagen hier in Deutschland werden immer schlimmer.
Außerdem weiß ich als Gründer zwar, dass es in Deutschland viele Stellen mit Informationen gibt. Doch gerade die jüngeren Gründer wissen vor lauter Möglichkeiten oft nicht, wohin sie sich konkret wenden sollen. Ein problematisches Kapitel ist auch das Gründerkapital. Natürlich gibt es Seiten wie förderland.de, aber es ist einfach etwas anderes, ob man persönlich mit jemandem spricht. Und dieser Kontakt zu den Menschen fehlt in dem ganzen Bereich komplett.

förderland: Haben Sie ein Vorbild als Gründer?

Neuthor: Die Google-Gründer sind für mich sicher Vorbilder. Wie man mit einem für Mathematiker einfachen Such-Algorithmus die Welt revolutionieren kann, ist für mich einfach vorbildlich. Und dass sich das Unternehmen mittlerweile zur stärksten Marke der Welt entwickelt hat, ist für mich sehr beeindruckend. Vor allem möchte ich mir gerne die Yacht bauen lassen, die sich einer der beiden Gründer gerade in Kiel herstellen lässt. :-)
Darüber hinaus sind für mich all jene ein Vorbild, die ihr Geschäft nach wie vor führen und zu ihren ethischen und moralischen Vorstellungen stehen. Stichwort: Trigema oder der Otto-Gründer.

förderland: Wie äußern sich diese ethisch-moralischen Vorstellungen bei euch?

Neuthor: Wir beschäftigen mehr Personal als unsere Mitbewerber. Außerdem arbeiten wir zwar auch mit E-Mails, um die Abläufe zu beschleunigen. Aber ich denke, wir machen das noch in einem "menschlichen" Maß. Wenn also jemand eine individuelle Frage hat, bekommt er auch eine individuelle Antwort. Wir sind auch heute noch im Forum und antworten auf Beiträge. Unser Vorteil ist dabei sicherlich auch, dass wir jede Menge Erfahrung in der Branche haben und wissen, was wie wertvoll die persönliche Ansprache ist.

förderland: Könnten Sie sich vorstellen, später wieder als Angestellte zu arbeiten?

Neuthor: Nur bei einem wirklich guten Gehalt. :-)

Hinz: Das wäre für mich sehr schwierig.

Neuthor: Wir beide haben uns für diesen Weg entschieden und wir fahren gut damit. Das ist für mich auch eine Mentalitätsfrage. Ich bin zum Beispiel ein absoluter Nachtarbeiter, und das ist mit den Bürozeiten nur schwer verträglich. Das ist ein sehr großer Luxus, den man als Angestellter sicher vermissen würde.

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