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12.07.06

Interview mit Jens-Uwe Meyer

"Ideeologen"- Gründer Jens-Uwe Meyer im Interview

Vom Polizisten über US-Korrepondenten, Kriegsreporter, Medienmanager zum Ideeologen.

Jens-Uwe MeyerJens-Uwe Meyer

Woran merkt man, dass man kreativ ist?

Wahrscheinlich daran, dass man häufiger Ideen hat, die nicht in ein bekanntes Lösungsschema passen. Den ersten Ver-dacht, ich könnte kreativ sein, hatte ich bei der Polizei. Da gibt es manchmal Aufgaben, denen mit normalen Me-thoden nicht beizukommen ist. Zum Beispiel, wenn jemand wochenlang die Polizei "terrrorisiert", weil seine Heizung angeblich mysteriöse Strahlen aussendet. Mit "Das ist nicht so." löst man das Problem nicht. "Sie haben Recht,", sagte ich dem Mann, "Ihre Heizung strahlt. Ich werde sie amtlich entstrahlen." Mit ernster Miene inszenierte ich etwas und eine halbe Stunde später klebte ich ein "amtliches" Siegel drauf: "Entstrahlt!" Ab da war ich der Mann für die besonderen Fälle.

Was bedeutet Kreativität?

Kreativität bedeutet, manchmal alle Regeln zu brechen. Für Fernsehreporter heißt es: Heute München, morgen Gorleben, übermorgen Bosnien. Naja, immer ein komplettes Kamerateam zu verfrachten ist quasi wie ein täglicher Umzug. Also lernte ich, selbst Filme zu drehen und tauschte den Kameramann gegen einen Piloten mit seiner Cessna. Unkonventionell, aber es klappte hervor-ragend. Fast zwei Jahre lang waren wir das fliegende Team von Pro Sieben.

Kreativität bedeutet, neugierig auf das zu sein, was andere nicht sehen. Als US-Korrespondent interessierte mich, wie ein Präsident "gemacht" wird, die "andere" Seite der Politik: Alles, was ein Präsident sagt und wie er es sagt, ist das Produkt einer ausgeklügelten Strategie. Michael Deaver, einer der engsten Berater von Ronald Reagan, gestand mir unverblümt: "Politik ist eine tägliche Seifenoper – sonst nichts!" Sehr kreativ – oder?

Brauchen Unternehmen kreative Spinner?

Unbedingt! Aber bitte nur in Kombination mit kluger Strategie. Zu viele unstrukturierte Ideen sind für ein Unternehmen genauso schädlich wie zu wenige! Die Mischung aus strategischem und kreativem Denken, das hat mir das MBA-Studium gezeigt, ist der einzige Weg für innovative Unternehmen.

Warum sind Sie Ideeologe?

Vor einigen Jahren wurde ich gefragt, ob ich nicht andere darin trainieren könne, kreativer zu werden. Daraus sind die ersten Workshops und mein erstes Buch entstanden. Es macht mir Spaß, Neues zu entwickeln. Und so entwickle ich auch neue Methoden für die Ideenfindung. Die TAF-Methode für Journalisten, die Brückenmethode für das Marketing, das Edison-Prinzip für die Suche nach neuen Geschäftsmodellen und creative maps für die Entwicklung von kreativen Strategien.

Mein erfolgreiches Prinzip: "Man muss die Methode dem Problem anpassen, nicht umgekehrt!"

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