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04.06.13Kommentieren

Interview mit Lucas Pulkert, stilfaser GmbH

"Falke, das war die Strumpfhosenmarke meiner Oma"

Lucas Pulkert macht in Socken. Als Gründer und Geschäftsführer der stilfaser GmbH will er zusammen mit seiner Mitgründerin Maria Pentschev den angestaubten Sockenmarkt revolutionieren. Im Interview mit förderland spricht er über die Qualitäten der Marke "von Jungfeld" und ideenreiches Marketing.

Lucas Pulkert und Maria Pentschev, Gründer der stilfaser GmbH, bauen die Marke "von Jungfeld" auf

förderland: Hallo Lucas, du bist Geschäftsführer der stilfaser GmbH – und Ihr habt mit "von Jungfeld" ein Mode-Label für farbige Herrensocken an den Start gebracht. Wie ist die Idee entstanden? Warum Socken?

Lucas Pulkert: Als vor ca. einem Jahr der Trend zur bunten Socke auch Deutschland erreichte, war ich davon sofort begeistert. Als ich mich also zum ersten Mal in meinem Leben ein bisschen intensiver mit dem Produkt Socke beschäftigt hatte, habe ich schnell festgestellt, dass es eigentlich nur zwei Alternativen gab Herrensocken in Deutschland zu kaufen und beide haben mir nicht zugesagt: billige Socken bei H&M und Co mit dick genähten Nähten, schlechter Qualität und einer unsozialen Herstellung, die ich nicht unterstützen wollte – oder hochwertigere Socken von beispielsweise Falke oder Hilfiger.

Zum einen konnte ich mir auch hier nicht sicher sein, dass die Firmen ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden – selbst Falke produziert nur noch zu 50 Prozent in Deutschland – und zum anderen konnte ich mich einfach in keiner Weise mit dem Markenimage identifizieren. Falke, das war die Strumpfhosenmarke meiner Oma. Maria und ich kreierten also ein Label, dass Qualität, Stil und soziale Verantwortung zusammenbringt und mit dem sich jeder Mann identifizieren kann.

Den Namen Jungfeld dachten wir uns bei einem Spaziergang am Neckarstrand aus; Abends im Büro wollten wir unser Sushi gleich mit dem "neuen" Namen bestellen. Der Lieferservice hatte einen kleinen Tippfehler gemacht: auf dem Lieferschein stand "Bestellung von von Jungfeld", da war uns klar das wir 'von Jungfeld' heißen.

Ebenfalls zum Team gehört deine Mitgründerin Maria. Wie habt Ihr euch als Team gefunden? Und: Wer macht was?

Pulkert: Maria und ich haben uns im Mannheimer Kiez "Jungbusch" kennengelernt, ein alternatives Viertel mit viel Kunst, Musik und den besten Bars Mannheims. Sie studiert dort an der Popakademie Mannheim und ich habe neben meinem Studium an der Universität Mannheim in einer Bar gejobbt. Schnell haben wir festgestellt, dass wir einen gewissen Gründergeist teilen. Zusammen haben wir einige Kulturevents im Kiez organisiert und dabei perfekt als Team funktioniert.

Für uns war klar, dass wir auch das Sockenthema zusammen angehen. Gerade in der Konzeptionierungsphase haben wir das meiste zusammen erarbeitet mit vielen Diskussionen und noch mehr Kaffee. Langsam verteilen wir aber die Kompetenzen: Maria macht viel Vertrieb und hält die Zahlen des Unternehmens in Excel zusammen, die mir die Freudentränen in die Augen treiben. Ich kümmere mich momentan vor allem um Presse und Logistik.

Was zeichnet Socken "von Jungfeld" aus?

Pulkert: Von Anfang an haben wir das Label so aufgebaut, dass wir es auf drei einfache Punkte reduzieren können: Stil, Qualität und soziale Verantwortung. Der Träger einer von Jungfeld Socke soll sich zu 100 Prozent mit unserer Marke identifizieren können. Es soll die Socke sein, die er immer zuerst aus dem Sockenschrank zieht und er soll voller Stolz von der Marke erzählen können, wenn er auf die coolen Farben angesprochen wird.

Unser Produzent orientiert sich an den höchsten Qualitätsstandards: Unsere Socken haben eine handgekettelte Spitze, sind also komplett frei von einer drückenden Naht. Das ist ein Qualitätsmerkmal, dass nicht einmal das Vergleichsprodukt von Falke aufweist. Des Weiteren haben wir Verstärkungen in Ferse und Spitze und eine unvergleichliches Farbenspiel von Sockenfarbe und Innenbund.

Wir sind der festen Überzeugung, dass ein Produkt nur dann gut ist, wenn auch die Herstellung gut ist und das gilt für alle Beteiligten. Wir haben uns entschlossen, von der Socke bis zur Designverpackung alles in Deutschland produzieren zu lassen. Und das nicht aus einem nationalen Protektionismus heraus – wie es vielleicht Trigema macht – sondern einfach nur weil das die einzige Möglichkeit ist, unsere sozialen Ansprüche zu garantieren. Zu unserem Produzenten, einer familienbetriebenen Sockenmanufaktur in der Nähe von Chemnitz, können wir in drei Stunden hinfahren und uns den gesamten Prozess vom Faden bis zur gebügelten Socke anschauen. Das ist uns sehr wichtig.

Um eine neue Marke groß zu machen, brauch man Geld. Wie finanziert Ihr das Ganze? Fertigung, Marketing etc. ...

Pulkert: Wir haben von Anfang an mit zwei Mannheimer Investoren zusammengearbeitet, die uns neben Geld auch mit reichlich Erfahrung und Kontakten unterstützt haben. Momentan sind wir dabei eine erste Finanzierungsrunde zu realisieren, die wir bis Mitte Juli abgeschlossen haben wollen.

Ihr setzt laut eigener Aussage auf unkonventionelles Marketing. Habt Ihr ein paar Beispiele?

Pulkert: Unser Ideen-Portfolio ist reich gefüllt! Das beginnt bei Sockenautomaten in Fußgängerzonen, Flughäfen und Bahnhöfen. Auch finden wir es unfair, dass Waschmaschinen grundsätzlich jede zweite Socke auffressen und die Hersteller damit ungeschoren davonkommen. Gerne würden wir eine Sockenversicherung zusammen mit Miele und Co. entwickeln. Momentan stehen unsere Socken schon in verschiedenen Shops in Mannheim, die ein oder andere Bar soll in Kürze folgen. Auch würden wir gerne junge Musiker mit Video-Projekten und Merchandise unterstützen, die Musik ist ja schon auch noch eine unserer Kernkompetenzen.

Etablierten aber angestaubten Marken soll es damit an den Kragen gehen? Seid Ihr auf einem guten Weg? Und was sind die nächsten Schritte?

Pulkert: Wir sehen uns auf einem sehr guten Weg! Ohne Werbung haben wir seit unserem Launch Ende April schon Socken im 4-stelligen Bereich verkauft. Das stellt uns vor das ein oder andere logistische Problem, da wir die Logistik ja noch komplett selbst übernehmen. Wir sind weitaus flexibler als das Establishment und haben kein Traditionsimage zu verteidigen. Momentan rollen wir das Marketing aus und sind in ersten Gesprächen mit möglichen Partnern im EU-Ausland. Sobald wir die Finanzierungsrunde abgeschlossen haben greifen wir richtig an und gehen auf FALKEnjagd!

Vielen Dank für das Interview!

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