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21.10.14Kommentieren

Interview mit Lutz Küderli, Gründer von Expertiger

"Ein Marktplatzmodell wie Expertiger kann nur funktionieren, wenn auf beiden Seiten eine kritische Masse vorhanden ist"

Expertiger hilft seit Februar 2014 Privatpersonen oder auch Kleinunternehmern bei Computer-Problemen. Finanziert ist das Münchner Start-up von mehreren namhaften Business Angels sowie dem Samwer-Siegel-Fond Global Founders Capital. Im Interview erklärt Gründer Lutz Küderli wie die Idee entstanden ist, wie das Konzept funktioniert und er gibt anderen Gründern Tipps für die Investorensuche.

Lutz Küderli, Gründer von Expertiger

förderland: Hallo Herr Küderli, Ihr Start-up Expertiger bietet PC-Hilfe für Privatkunden und Kleinunternehmer bei Themen rund um den Computer. Nehmen wir an, ein Virus hat sich in mein System eingeschlichen und es geht buchstäblich nichts mehr. Wie kann Expertiger helfen? Wie funktioniert das konkret für Ihre Kunden?

Lutz Küderli: Die genaue Lösung ist natürlich von Fall zu Fall unterschiedlich, aber Virus-Infektionen gehören grundsätzlich zu den von uns am häufigsten gelösten Problemen. Ein Kunde mit einem Virenbefall wird dazu über unsere Website direkt mit einem Experten verbunden, der auf dieses Thema spezialisiert ist.

Der Kunde kann nun unverbindlich und kostenlos sein Problem schildern. Erst nach einer Einschätzung der Ursache und der Kosten, die voraussichtlich anfallen werden, beginnt der kostenpflichtige Teil unseres Service. Dazu schaltet sich der Experte direkt auf den infizierten Rechner auf, steuert diesen per Fernwartung über das Internet, und entfernt alle Viren vom Rechner des Kunden, während dieser dabei zusehen kann.

Wie ist die Idee zu Expertiger entstanden?

Küderli:
Mein Mitgründer Stefan Gersmann und ich sind beide studierte  Informatiker. Daher waren wir beide im Familien- und Freundeskreis die Ansprechpartner bei Computerproblemen aller Art. Als wir dann beide in der Unternehmensberatung tätig waren, konnten und wollten wir diesen Hilferufen nicht mehr ständig nachkommen. Auf der Suche nach einem Dienstleister, der schnelle und einfache IT-Hilfe bieten kann, stießen wir auf eine Marktlücke.

Schnell wurde uns klar, dass hier ein großes Potenzial für einen wirklich guten Service bestand. Der Grund hierfür war allerdings kein Mangel an kompetenten IT-Spezialisten, sondern die starke Zersplitterung und Intransparenz des Markts. Expertiger ist heute die zentrale Anlaufstelle für Computerprobleme, die wir damals vergeblich suchten. Die Kompetenz verschiedenster IT-Experten aus ganz Deutschland nutzen wir über ein crowdbasiertes Modell – mehr als 100 Supporter lösen mittlerweile Probleme über unsere Plattform.

Einige Business Angels wie Florian Heinemann, Robert M. Maier und Christian Vollmann sowie der Samwer-Siegel-Fond Global Founders Capital haben Anfang 2014 in Expertiger investiert. Wofür wurde das Kapital benötigt? Welche nächsten Schritte sehen die Wachstumspläne vor?

Küderli: Ein Marktplatzmodell wie Expertiger kann nur funktionieren, wenn auf beiden Seiten eine kritische Masse vorhanden ist. Mit unserem neuartigen Produkt war es relativ kapitalintensiv, diese aufzubauen. Eine große Menge erfolgreich bearbeiteter Anfragen schafft Vertrauen in den Service, nicht zuletzt auf Seiten von Firmenkunden, die ihren Kundensupport über unsere Plattform erweitern möchten. Diese Form des Partnergeschäfts spielt bei uns eine immer größere Rolle und wird in der nahen Zukunft noch stärker im Fokus stehen.

Mittelfristig streben wir eine Internationalisierung über den deutschsprachigen Raum hinaus an. Die Plattform ist bereit dafür und das crowdbasierte Konzept lässt sich hervorragend auf andere Sprachräume übertragen. Auch eine Erweiterung unserer Produktpalette ist angedacht.

All das verfolgt natürlich auch den Zweck, unseren Service noch präsenter und bekannter zu machen. Wenn jemand ein Problem mit seinem Rechner hat, müssen wir dort sichtbar sein, wo er nach einer Lösung sucht. Daher investieren wir neben den Ergänzungen an der Plattform auch weiterhin in unsere Marke.

Können Sie unseren Lesern Tipps für die Investorensuche mit auf den Weg geben? Wie überzeugt man Geldgeber von seinem Konzept?

Küderli: Planung ist wichtig, aber man kann nicht früh genug anfangen, einen Prototyp zu bauen und diesen konkret unter Praxisbedingungen zu testen. Im E-Commerce bietet sich zum Beispiel ein Markttest mit Google AdWords an. Nachdem der Nachweis erbracht wurde, dass Kunden das Produkt nutzen und zahlungsbereit sind, fällt es deutlich leichter, Investoren zu überzeugen.

Die Gründerszene diskutiert ja gerade angeregt über die TV-Pitches in der „Höhle der Löwen“. Was ist Ihre Meinung zu dem Format? Freuen Sie sich auf die zweite Staffel?

Küderli: Ich sehe ehrlich gesagt nicht so viel fern und habe nur im Nachhinein in der Start-up-Presse darüber gelesen, aber da waren schon ein paar spannende Ideen dabei. Generell sehe ich es positiv, dass die deutsche Startup-Szene durch die Sendung stärker in den öffentlichen Fokus gerückt wird.

Kürzlich wurde Expertiger von der Telekom als innovatives Geschäftsmodell beim Telekom Cloud Champions Award ausgezeichnet. Der fand im Rahmen der Mittelstandsinitiative der Telekom statt, die das Ziel hat dem Mittelstand das Thema „Digitalisierung“ näher zu bringen. Wie sehen Sie das Thema? Hinkt der deutsche Mittelstand hinterher?

Küderli: Ich denke, dass auch im Mittelstand sehr viel unternommen wird, um die Digitalisierung weiter voranzutreiben. Dies ist in einigen Branchen sicher deutlich einfacher umzusetzen als in anderen.

So wird es beispielsweise immer wichtiger, dem Kunden nach dem Kauf eines Produkts einen digitalen Rundum-Service zu bieten, der über Garantiefälle hinausgeht. Der Kunde möchte schnell im Internet den passenden Service zu verschiedenen Produkten finden. Dies ist für viele Firmen aber nicht Teil ihres Kerngeschäfts, deswegen haben wir uns zum Ziel gesetzt, hier als Partner zu agieren und diese Fälle abzuwickeln.

Vielen Dank für das Interview!

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