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26.11.08Kommentieren

Interview mit Rolf J. Heiler, Heiler Software AG

"Der Zeitpunkt für eine Unternehmensgründung ist nie der falsche, solange das Konzept stimmt"

Zur Person: Rolf J. Heiler ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der Heiler Software AG. Das 1987 gegründete Unternehmen mit Sitz in Stuttgart und Detroit (USA) ist ein führender Anbieter von Product Communication-Software für Print-Kataloge, E-Kataloge und Online-Shops. Heiler ist in diesem Jahr zum ersten Mal als Jury-Mitglied beim Hightech Award CyberOne dabei, an dem er selbst 1999 mit seinem Unternehmen teilgenommen hatte.

Rolf J. Heiler ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der Heiler Software AG.Rolf J. Heiler ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der Heiler Software AG.

förderland: Herr Heiler, Sie haben 1999 an der allerersten CyberOne-Runde teilgenommen und wurden mit dem dritten Preis ausgezeichnet. Was hat Ihnen die Teilnahme gebracht?

Rolf J. Heiler: Der CyberOne Award 1999 war definitiv der Wegbereiter für unseren Börsengang im Jahr 2000 am Neuen Markt in Frankfurt. Ohne CyberOne hätten wir die Kontakte zu den Venture Capital-Firmen niemals so schnell und intensiv knüpfen können. Der Wettbewerb hat außerdem erheblich dazu beigetragen, uns ein Netzwerk aus Führungskräften der IT-Branche zu erschließen, was sich für uns bis zum heutigen Tag als besonders wertvoll darstellt.

förderland: An wie vielen Wettbewerben haben Sie damals teilgenommen?

Heiler: Wir haben ausschließlich am CyberOne-Wettbewerb teilgenommen.

förderland: Mittlerweile unterstützen Sie den CyberOne als Sponsor und Juror. Aus welchen Gründen engagieren Sie sich für den Wettbewerb?

Heiler: Zunächst ist ein solches System von Förderern und Geförderten nur dann funktionsfähig, wenn auch der Generationswechsel über die Jahre hinweg funktioniert. Ich meine damit, dass die einst Geförderten ab einem bestimmten Zeitpunkt bereit sind, die Rolle der Förderer zu übernehmen. Ich sehe es als Verpflichtung, aber auch als Vorteil für unser Unternehmen an, wenn wir uns für Firmengründer interessieren und ihnen helfen, sie in Ihrer ersten großen Wachstumsphase mit Rat und Tat zu unterstützen.

förderland: Sie sind in diesem Jahr das erste Mal als Juror mit an Bord. Was können Sie den Teilnehmern und angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Heiler: Es lohnt sich in jedem Fall, bei diesem Wettbewerb mitzumachen. Alleine der Lerneffekt bei der Ausarbeitung eines Businessplanes, sowie die individuelle Kritik und Beratung der Juroren ist eine gute Gelegenheit, sich als junges Unternehmen weiterzuentwickeln. Für die wirklich guten Ideen gibt es neben den Preisgeldern wertvolle Beratungsleistungen von den Profis, den Zugang zu einem großen Netzwerk und im besten Fall die Finanzierung durch einen Kapitalgeber.

förderland: Was erwarten Sie im Gegenzug von den Teilnehmern?

Heiler: Viele gute Ideen sind oft aus vier Gründen bedroht:

1. Ihre Umsetzung scheitert an der teilweise mangelnden Teamfähigkeit der Gründer. Ein Einzelner kann niemals so stark sein wie ein Team. Ein gutes Führungsteam zu finden und zu führen ist eine der wichtigsten Aufgaben des Entrepreneurs.

2. Innovation ist noch immer der Schlüssel für echten Erfolg. Oft sehen wir sogenannte „me-too“-Firmen, deren Ideen bereits schon erfunden und realisiert sind. Gründer sollten sehr sorgfältig prüfen, ob ihre Geschäftsidee oder das Geschäftsmodell wirklich neu ist und über Alleinstellungsmerkmale verfügt.

3. Der Wille zu gewinnen sollte bei den Gründern und dem Team stark ausgeprägt sein. Auch hier unterscheidet sich eine Vielzahl von Menschen, die ich in den vergangenen Jahren kennengelernt habe, sehr voneinander. Nur wer nachhaltig hart arbeiten und auch kämpfen kann, hat eine echte Chance wirklich nach vorne zu kommen.

4. Der Aufbau einer Vertriebsorganisation ist essenziell. Techniker, aber auch andere Führungskräfte bewerten diesen Bereich oft zu schwach in ihrer Planung. Dieser Faktor kann schnell über Erfolg und Misserfolg entscheiden.


förderland: Die Teilnahme an einem Wettbewerb ist oft sehr zeitintensiv. Warum sollten sich angehende Gründer trotzdem Platz dafür in ihrem Terminkalender schaffen?

Heiler: In Deutschland gibt es aus meiner Perspektive keinen zweiten Wettbewerb, der so direkt und unmittelbar den Firmen die genannten Vorteile bieten kann. Die Vernetzung mit erstklassigen Investoren und Unternehmensführern ist einzigartig.

förderland: Was macht einen guten Gründer oder Unternehmer aus? Welche Eigenschaften sollten Gründer auf jeden Fall mitbringen?

Heiler: Ein Unternehmer ist ein – erlauben Sie mir den Begriff – "Getriebener", der seine Vision unbedingt umsetzen will und sein Ziel allen anderen beruflichen Aktivitäten unterordnet. Die innere Überzeugung und der alles dominierende Wille, ein Unternehmen auf die Beine zu stellen, siegt bei einem echten Unternehmer stets über die Bedenken und Skepsis, auch wenn seine Entscheidungen oft nicht für alle Außenstehenden ohne weiteres nachvollziehbar sind. Wir suchen bei CyberOne genau diesen Typ, der selbstverständlich auch noch über weitere wichtigen Eigenschaften verfügt, die seinem Projekt eine gute Erfolgsprognose verleihen.

förderland: Sie haben Ihr Unternehmen vor über 20 Jahren gegründet. Haben es heutige Gründer leichter oder schwer als Sie damals?

Heiler: Jede Zeit hat ihre Chancen. Gerade heute, in einem schwierigeren wirtschaftlichen Umfeld, sind neue Ideen und alternative Geschäftsmodelle besonders gefragt. Meine Antwort auf diese Frage ist seit vielen Jahren immer dieselbe: Der Zeitpunkt für eine Unternehmensgründung ist nie der falsche, solange das Konzept stimmt. Jede Idee lässt sich zerreden und die erfolgreichsten Unternehmenskonzepte entstehen sehr häufig in Krisen. Denken Sie nur einmal an die Chancen, die in den vergangenen Jahren von jungen Unternehmen bei der Gewinnung von alternativen Energien genutzt werden konnten.

förderland: Werden Gründer und Jungunternehmer in Deutschland ausreichend gefördert?

Heiler: Unsere Kultur ist nicht so unternehmerorientiert wie in anderen Ländern. Fehlstarts von Unternehmen werden beispielsweise in Deutschland häufig als Todsünde des Unternehmers betrachtet. Oft bekommt ein gescheiterter Jungunternehmer keine zweite Chance mehr. In den USA werden solche Erfahrungen von Unternehmern generell als vorteilhafte Erfahrung bewertet. An diesem Beispiel erkennt man, wie unterschiedlich die Risiken eingeschätzt werden. Ohne Risikobereitschaft gibt es auch keine ausgeprägte "trial-and-error"-Kultur, diese ist jedoch entscheidend für die Bereitschaft, junge Gründer zu fördern.

förderland: Wie ist es um die Gründerlandschaft in Deutschland bestellt?

Heiler: Die Situation hat sich in den letzten zehn Jahren dennoch deutlich verbessert. Viele Führungskräfte, Unternehmer und Finanzdienstleiter interessieren und engagieren sich für dieses Thema sehr. Die Menschen erkennen immer stärker, welche Chancen in der Kraft junger Unternehmen liegen. Diese Fortschritte kann man auch am Erfolg von CyberOne gut erkennen.

förderland: Gab es einen Gründer oder eine Gründung, die Sie in den letzten Jahren besonders beeindruckt hat?

Heiler: Nicht nur ein Unternehmen hat mich tief beeindruckt, sondern eine ganze Reihe von Firmen mit hervorragenden Konzepten und faszinierenden Persönlichkeiten. Apple, das Unternehmen von Steve Jobs, hat sich in den letzten Jahren vollkommen neu erfunden und ist heute eine der besten IT-Firmen der Welt. Aber auch die vielleicht weniger bekannte Firma RED DIGITAL CAMERAS mit ihrem Gründer Jim Jannard ist ein Paradebeispiel für eine Vision, die eine ganze Industrie auf den Kopf stellt und dabei wirtschaftlich extrem erfolgreich ist. Aber auch in Deutschland gibt es viele gute Beispiele für nachhaltigen unternehmerischen Erfolg. Denken Sie an Lars Hinrichs (XING) oder Dennis Bemmann (studiVZ), um nur zwei Beispiele aus der Internetbranche zu nennen.

förderland: Sie sind heute ein erfolgreicher Unternehmer. Gab es trotzdem in den Anfangszeiten Situationen, in denen Sie lieber einen 40-Stunden-Job als Angestellter gehabt hätten?

Heiler: Ich hatte nie ein Problem mit Arbeitszeiten. Jeder weiß, wie schnell man die Zeit vergisst, wenn die Freude und Motivation an der Aufgabe hoch ist. Mein Glück war, dass ich stets eine große Leidenschaft mit meinen beruflichen Aktivitäten verbinden konnte. Meistens hatte ich das Problem, dass mir die Zeit zu knapp war und ich mir gerne noch mehr Aufgaben vorgenommen hätte. Allerdings gibt es in jedem Beruf auch schwierige Zeiten, in denen man für sich selbst schon auch mal Alternativen reflektiert. Aber realistisch betrachtet, gibt und gab es für mich nie eine Alternative zu meinem Job als Unternehmer.

förderland: Könnten Sie sich vorstellen, noch einmal ein neues Unternehmen aufzubauen?

Heiler: Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, dass man immer wieder Aufbauarbeit leisten muss. Neue Produkte und neue Geschäftsmodelle sind die Dauerthemen, über die ich bei Heiler Software genauso häufig und intensiv nachdenke, wie ein Gründer, der sein erstes Unternehmen startet und es behütet wie die Mutter ihr Baby. Darüber hinaus kann ich mir gut vorstellen, mit jungen Menschen ein ganz neues Projekt zu starten, allerdings würde ich dies nur machen, wenn Heiler Software nicht darunter zu leiden hätte. Das Unternehmen ist jetzt zwar kein Baby mehr, aber auch Jugendliche in der Pubertät benötigen die volle Zuwendung ihrer Schutzbefohlenen.

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