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30.05.11Kommentieren

Interview mit Dr. Stephan Irsen

"Der erste Platz wäre natürlich das Sahnehäubchen"

KonTEM wurde in der zweiten Stufe des 14. NUK-Businessplan-Wettbewerbs neben zwei weiteren Start-up-Teams mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. Das Unternehmen hat ein Phasenkontrastsystem für Elektronenmikroskope entwickelt, das verborgene Details sichtbar macht und bessere Einsichten über Zellaufbau und Zellfunktion ermöglicht. Im Interview mit förderland erklärt uns Gründer Dr. Stephan Irsen weitere Details und spricht über die Ziele des Teams in der dritten Runde des NUK-Wettbewerbs.

Das Team von KonTem: v.l. Steffen Pattai, Joerg Wamser, Patrick Kurth, Dr. Stephan IrsenDas Team von KonTem: v.l. Steffen Pattai, Joerg Wamser, Patrick Kurth, Dr. Stephan Irsen

Hallo Herr Dr. Irsen, bitte stellen Sie sich doch kurz unseren Lesern vor…

Dr. Stephan Irsen: Ich bin Leiter der Forschungsgruppe Elektronenmikroskopie & Analytik am Forschungszentrum caesar in Bonn und betreue KonTEM als Projektmentor. Im Rahmen der Unternehmensgründung übernehme ich die Rolle des Bindeglieds zwischen der wissenschaftlichen Grundlagenforschung, die in meiner Arbeitsgruppe bei caesar stattfindet, und der anwendungsorientierten Technologieumsetzung, die später in der KonTEM GmbH erfolgen soll.

Mit Ihrem Start-up KonTEM haben Sie ein Phasenkontrastsystem für Elektronenmikroskope entwickelt, das verborgene Details sichtbar macht und bessere Einsichten über Zellaufbau und Zellfunktion ermöglicht. Können Sie uns das näher erklären?

Irsen: Bei elektronenmikroskopischen Untersuchungen wird ein sehr dünnes Untersuchungsobjekt mit Elektronen durchstrahlt und auf einem Leuchtschirm oder einer Kamera vergrößert abgebildet. Biologische Proben sind aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung bei der Wechselwirkung mit dem Elektronenstrahl sehr transparent. Die entstehenden Bilder besitzen nur sehr geringen Kontrast und zeigen wenige Details.

Das von KonTEM entwickelte Phasenkontrastsystem verbessert den Bildkontrast auf physikalischem Weg. Dazu wird ein zusätzliches Element in den Strahlengang des Mikroskops eingebaut. Dieses beeinflusst die sogenannte Phase des Elektronenstrahls und erzeugt dadurch ein kontrastverbessertes Bild.

Gibt es konkurrierende Unternehmen auf diesem Gebiet? Oder haben Sie da eine waschechte Innovation entwickelt?

Irsen: Derzeit bietet nur einer der drei OEM-Hersteller von Transmissionselektronenmikroskopen (TEM) ein Phasenkontrastsystem kommerziell an. Dieses ist allerdings ausschließlich für ein spezielles Neugerät erhältlich. KonTEM ist derzeit der einzige Anbieter eines Systems, das in Neu- und Altgeräte integriert werden kann. Das modulare Konzept des von KonTEM entwickelten Positionierungsmechanismus ermöglicht dabei eine OEM-übergreifende Adaption der Technologie für die meisten verfügbaren TEM-Modelle. Die Phasenplatte selbst wurde in wesentlichen Teilen neu entwickelt und verspricht im Vergleich zu bestehenden Systemen eine deutlich verbesserte Haltbarkeit.

Wie ist die Idee entstanden?

Irsen: In der Lichtmikroskopie wird Phasenkontrast bereits seit Jahrzehnten durch die Verwendung von sogenannten Phasenringen genutzt. Eine Anwendung im TEM-Routinebetrieb war bisher jedoch nicht möglich, da eine Reihe technischer Herausforderungen nicht zufriedenstellend gelöst waren. Die Vorarbeiten für unsere Idee wurden hauptsächlich am Max-Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt durchgeführt und schließlich bei caesar mit hohem Aufwand und Einsatz fortgesetzt.

Wie weit haben Sie die Idee bereits entwickelt?

Irsen: Das Produkt ist bereits nahe an der Serienreife. Es liegt eine Kaufabsicht für zwei Systeme vor, die nach erfolgreicher Firmengründung über die KonTEM GmbH abgewickelt werden können. Für drei weitere Systeme wurden Orientierungsangebote erstellt; diese sind bei den Interessenten in Prüfung.

Sie sind kürzlich in der zweiten Stufe des 14. NUK-Businessplan-Wettbewerbs neben zwei weiteren Start-up-Teams mit dem Hauptpreis ausgezeichnet worden. Wie, denken Sie, haben Sie die Juroren überzeugt?

Irsen: Wir entwickeln ein sehr innovatives Produkt, dessen Wettbewerbsfähigkeit durch eine Kombination von verschiedenen Schutzmechanismen nachhaltig gesichert ist. Zusätzlich, denke ich, konnte die Gesamtheit der Kompetenzen unseres Teams die Jury überzeugen.

Warum lohnt sich die Teilnahme am NUK-Businessplan-Wettbewerb?

Irsen: NUK hat das notwendige Erstellen des Businessplans mit viel Spaß und Lernen ergänzt. Die "häppchenweise" Erstellung über drei Phasen erleichtert den Einstieg. Die Gutachten waren wertvolle Inspiration und Motivation, die Veranstaltungen durchweg gelungen. Wir haben tolle andere Geschäftsideen und die Menschen dahinter kennengelernt. Ein großes Lob und herzlichen Dank an alle Beteiligten!

Was haben Sie sich für die nächste Stufe vorgenommen?

Irsen: Wir wollen uns definitiv wieder in den Top 3 platzieren. Der erste Platz wäre natürlich das Sahnehäubchen.

Warum wird KonTEM ein Erfolg?

Irsen: Die Zeit für einen Markteintritt ist optimal. TEM-Phasenkontrast ist gerade "in", der biologische Sektor wächst sehr stark und die OEMs verdienen gut. Unser Team verfügt über herausragende Kenntnisse, die Technologie erfolgreich zu einem marktfähigen Produkt zu entwickeln.

Die bestens ausgestattete Infrastruktur des Forschungszentrums caesar bietet uns dabei ideale Startbedingungen. Durch die Max-Planck-Gesellschaft als Mit-Gesellschafter erhält KonTEM Zugang zum Netzwerk einer der weltweit erfolgreichsten Forschungsorganisationen. Dies ist ein großer Vorteil bei der Kundenakquise. Und schließlich haben wir – wie oben erwähnt – über die letzten Monate rechtliche Schutzmechanismen aufgebaut, um die Technologie gegenüber Wettbewerbern abzugrenzen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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