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14.02.11Leser-Kommentare

Interview mit Christian Atz, Bioddicted UG

"Den Carrotshop sehen wir als soziale und non-profitable Marketingaktion"

Eine Shopsuchmaschine mit Klimaschutzfunktion - hört sich interessant an, und ist es auch! Denn wer sich über den Carrotshop auf einen anderen Online-Shop vermitteln lässt und dort einkauft, der tut etwas für den Klimaschutz. Wie das genau funktioniert und wie die Idee dazu entstanden ist, erzählt Christian Atz, Mitgründer des Carrotshops, heute im Interview mit förderland.

Christian Atz, Geschäftsführer der Bioddicted UGChristian Atz, Geschäftsführer der Bioddicted UG

förderland: Hallo Christian, stell dich doch bitte kurz unseren Lesern vor …

Christian Atz: Hallo. Ich heiße Christian Atz, bin 26 Jahre alt und stehe vor dem ersten juristischen Staatsexamen. Zu Beginn der Examensvorbereitung wurde mir jedoch klar, dass ich anschließend lieber selbstständig arbeiten und insbesondere eigene Projekte umsetzen möchte. Aus diesem Grund habe ich im Frühjahr 2010 mit Sebastian Hallmann die Bioddicted UG gegründet.

Du bist Betreiber des Carrotshops, einer "Onlineshopsuchmaschine mit Klimaschutzfunktion". Was genau steckt dahinter?

Atz: Der Carrotshop wurde zusammen mit Daniel Heitz von der Internetagentur www.gebruederheitz.de und Mario Villavecchia ins Leben gerufen. Hierzu haben wir mit ca. 350 Onlineshops Affiliate-Verträge abgeschlossen und diese Shops auf der Carrotshopseite eingebunden. Die durch einen erfolgreichen Vertragsschluss zwischen dem Onlineshop und dem Carrotshopbenutzer erzielte Affiliate-Provision leiten wir zu 100 Prozent in einen Provisionstopf. Sind 1000 Euro erreicht, geht die gesamte Summe an eines von drei zur Auswahl stehenden Klimaschutzprojekte. Der Benutzer kann dabei durch Klick eine Stimme für sein favorisiertes Projekt abgeben. Anschließend beginnt eine neue Runde mit verschiedenen Projekten.

Mit dem Carrotshop möchten wir Internetkäufern die Möglichkeit geben, mit 2-3 Klicks und ca. 20 Sekunden Mehrwaufwand einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Dabei wollen wir nicht zu unnötigem Konsum auffordern, sondern in erster Linie die Möglichkeiten des Affiliatemarketings zugunsten des Klimaschutzes ausnutzen. Mit der "Empfohlen-Liste" stellen wir Onlineshops mit nachhaltigen Produkten vor.

Der Carrotshop ist also ein Non-Profit-Projekt. Alle Gewinne fließen in Umweltschutzprojekte. Das soll aber mittelfristig nicht so bleiben – ein kommerzielles Folgeprodukt ist in Planung. Was hat es damit auf sich?

Atz: Für 2011 planen wir den Launch der Bioddicted-Webseite. Bioddicted ist dabei ein Neologismus und soll den aktuellen Trend der Lohas-Bewegung aufgreifen. Auf der Webseite bieten wir unseren Kunden die Möglichkeit, bei konventionellen und nachhaltigen Onlinepartnershops einzukaufen und eine Rückvergütung in Form einer CO2-Kompensation zu erhalten. Kunden können demnach durch ihre Interneteinkäufe über die Bioddicted-Webseite einen Teil ihres CO2 Ausstoßes kompensieren. Mittels eines CO2-Kontos wird der komplette oder der an eine bestimmte Verhaltensweise (z. B. das Fliegen) geknüpfte CO2-Ausstoß berechnet, dargestellt und die erzielte Menge an neutralisiertem CO2 "gutgeschrieben". Der durschnittliche Internetkäufer kann so mindestens 1 Tonne CO2 jährlich kompensieren, was knapp 10 Prozent seiner Gesamtemission entspricht. Wird z.B. ein Handyvertrag über die Seite abgeschlossen, können dafür bis zu 3 Tonnen kompensiert werden.

Durch die Einbindung von Onlineshops mit nachhaltigen Produkten und einer lukrativeren Rückvergütung möchten wir die Benutzer motivieren, nachhaltige Produkte zu erwerben um den eigenen CO2 Ausstoß bereits so gering wie möglich zu halten und auf die Kompensation nur sekundär zurückzugreifen.

Wie finanziert ihr die Non-Profit-Phase eures Unternehmens?

Atz: Den Carrotshop sehen wir als soziale und non-profitable Marketingaktion, der Sebastian und ich Bioddicted und Daniel und Mario möglicherweise einen Onlineshop folgen lassen. Wir haben daher in erster Linie eigene Arbeitsleistungen für die Webseitenerstellung und nur geringe finanzielle Mittel für Flyer, Aufkleber und Serverkosten aufgebracht. Bioddicted wird bislang aus eigenen Mitteln finanziert.

Wie ist die Idee entstanden Online-Shopping mit Umweltschutz zu verbinden?

Atz: Daniel wirkte im Frühjahr letzten Jahres hauptverantwortlich beim ersten Freiburger Carrotmob mit. Dabei handelt es sich um eine besondere Form eines Smart-Mobs, die aus den USA stammt und als Möglichkeit der Verbraucher-Einflussnahme praktiziert wird: Über Online-Netzwerke werden potentielle Kunden mobilisiert, an einem bestimmten Tag in einem bestimmten Geschäft einzukaufen– unter der Bedingung, dass die Inhaber anschließend einen zuvor abgesprochenen Prozentsatz des gesteigerten Tagesumsatzes in der eigenen Nachhaltigkeit dienende Maßnahmen investiert.

Zu etwa der gleichen Zeit erarbeitete ich die ersten Ansätze für das Bioddicted-Projekt. Dem zuvorgegangen war die Idee eines CO2 neutralen Cafés in Tübingen, meiner Uni-Stadt, in der ein nachhaltiger Lebensstil überdurchschnittlich gepflegt wird. Da die Investitionskosten zu hoch und meine Motivation zu gering waren, ließ ich schnell wieder davon ab und konzentrierte mich auf das vorgestellte Internetprojekt, für das spannendere Marketingaktionen denkbar sind und das bei Gefallen einen weitaus höheren Anteil zum Klimaschutz beiragen kann.

Diese Projektidee speckten Daniel und ich ab, sodass die Onlinevariante eines Carrotmobs, der Carrotshop herauskam.

Fühlt sich die Bioddicted UG dem Social Business-Konzept verpflichtet? Wie setzt ihr die Werte des Social Business über den Umweltschutz hinaus um?

Atz: Nein, wir fühlen uns weder dem Social Business, noch anderen Konzepten gegenüber verpflichtet. Wir handeln vielmehr aus eigenen Überzeugungen und Wertvorstellungen. Das bedeutet mit Begeisterung an den Projekten zu arbeiten, authentisch aufzutreten, rücksichtsvoll mit sich selbst und anderen umzugehen und den Webseitenbesucher als Partner für das Erreichen eines gemeinsamen Ziels, in diesem Falle einer Beitragsleistung zum Klimaschutz zu sehen. Selbstverständlich möchten wir mit den kommerziellen Projekten aber auch Geld verdienen.

Denkst du, dass das Social Business Konzept DER Weg für das gesamte Wirtschaftssystem ist?

Atz: Hmm. Ich habe mich im Studium mit Wirtschaft nur oberflächlich beschäftigt und ich bin auch noch nicht lange genug im Entrepreneurumfeld dabei, um diese Frage entschieden zu beantworten. Zum einen finde ich, dass Unternehmen eine soziale Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern und Kunden haben. Mitarbeiter und Kunden jedoch im Gegenzug auch gegenüber den Unternehmen, sodass man vielmehr von einem Social Society Konzept sprechen kann, bei der eine Rücksichtsnahme aller Parteien zueinander für das Wirtschaftssystem förderlich ist.

Auf der anderen Seite ist ein starkes Streben nach einer eigenen Vermögensvermehrung auch menschlich und möglicherweise ein wichtiger Katalysator für Innovation.

Welche Pläne/ Ziele/ Wünsche hast du für 2011?

Atz: Aus privater Sicht wünsche ich mir gesund zu bleiben, aus beruflicher, dass Examen zu bestehen und für Bioddicted & andere Projekte viele Kunden und einen Business Angel begeistern zu können.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg!

Kommentare

  • Johannes M?ller

    15.02.11 (12:50:09)

    Mich w?rde mal interessieren, wie die Shops dazu stehen. F?r mich sieht es so aus, dass es keinen individuellen Vereinbarungen gibt, sondern einfach bestehende Affiliateprogramme genutzt werden.

    K?nnte mir vorstellen, dass der eine oder andere Shopbesitzer da vielleicht bedenken hat. Ansonsten nat?rlich ne super Sache. Auch die Carrotmob Geschichte kannte ich noch nicht. Danke f?r den Hinweis :)

  • Christian

    15.02.11 (21:52:03)

    Hi Johannes,

    wir haben die meisten Shops ?ber die g?ngigen Netzwerke ohne individuelle Vereinbarungen eingebunden. Die gro?en Shops haben jedoch Affiliate-Manager, die sich die Seiten anschauen und erst anschlie?end die Einbindung genehmigen. Ca. 5% der gefragten Shops hatten Bedenken und daher abgesagt, andere haben uns wiederum gleich in die h?chste Provisionsstufe aufgenommen. Mittlerweile schreiben uns auch Shops (meist mit Bezug zu nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen) an. Mit diesen k?nnen wir dann individuell verhandeln.

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