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16.09.11Kommentieren

Interview mit Benjamin Esser, urbanara.de

"30% Sourcing, 40% Operations und Supply Chain, 20% Online/Offline Marketing, 10% Admin"

Das E-Commerce-Start-up urbanara will Neuland betreten und eine internationale Marke aufbauen. Bei Bio-Limonaden hat das auch schon gut geklappt, doch das ist urbanas Ding nicht, denn das Unternehmen widmet sich dem schwierigen Segment Heimtextilien. Wie das Team nun der Mercedes Benz unter den Tischdecken werden soll, das erzählt uns heute Mitgründer Benjamin Esser.

Benjamin Esser, urbanara.deBenjamin Esser, urbanara.de

Herr Esser - Sie haben sich dazu entschieden, mit Ihrem Start-up urbanara ins E-Commerce-Geschäft einzusteigen. Um es kurz zu machen - Sie verkaufen Textilien. Keine innovativen - sondern alltägliche Produkte für Zuhause. Dennoch wollen Sie sich von der Konkurrenz abheben: Wie schaffen Sie das und wer ist die Konkurrenz?

Benjamin Esser: URBANARA gibt Menschen die Möglichkeit, direkt bei Herstellern und Manufakturen höchster Qualität weltweit einzukaufen. Durch den rigorosen Fokus auf Qualität sowie das Ausklammern herkömmlicher Handelsstufen sind wir in der Lage, schöne Produkte für ihr Zuhause zu einem bisher nicht dagewesenen Preis-Qualitäts-Verhältnis anzubieten.

Ihre Handels-Methode heißt "Made-to-order" - seien Sie doch so gut und erläutern Sie unseren Lesern kurz, was Sie darunter verstehen!

Esser: Made-to-Order heißt nichts anderes, als dass wir, soweit die Produktionszeiten es zulassen, tatsächlich erst auf Bestellung produzieren lassen. Die daraus resultierenden Kosteneinsparungen geben wir direkt an die Kunden weiter.

Sie haben das Geschäft von der Pike auf gegründet - geben Sie uns doch einen kleinen Einblick in die einzelnen Schritte: Geschäftsidee - Konzept - Fokussierung - Finanzierung – Umsetzung? Wo lagen die Herausforderungen und welche Lösung hat sich als Praktikabel herausgestellt?

Esser: Eigentlich ging es bei uns ganz schnell. Durch meine Tätigkeit bei Myfab kannte ich das Geschäftsmodell samt seiner Vorteile und Herausforderungen natürlich ziemlich gut. Zwischen Idee und Seed-Finanzierung lagen eigentlich nur 8 Wochen, die erste Seite stand 2-3 Monate später. Größte Herausforderung ist natürlich immer die Finanzierung – hier zählen vor allem Team, Enthusiasmus und ein sauberer Business Plan.

Wo haben Sie eigentlich Ihr Handwerk gelernt - und welche Kenntnisse haben Sie für urbanara tatsächlich nutzen können?

Esser: Social Sourcing und das Made-to-Order Model habe ich natürlich bei Myfab gelernt. Beides sind auch bei URBANARA zentrale Elemente. Aus meiner Zeit als Berater habe ich vor allem Strukturieren, Priorisieren, und Projektleitung mitgenommen.

Das "Made-to-order"-Geschäft, wie Sie es praktizieren, erfordert einen reibungslosen Ablauf an allen Stationen, sowie die richtigen Verbindungen. Wie haben Sie Ihre Verbindungen zu den Produzenten aufgebaut? Wie garantieren Sie eine flüssige Abwicklung der Bestellungen?

Esser: Das ist richtig – unser Geschäftsmodel ist ein sehr operatives und wird auf der Supply-Chain-Ebene gewonnen. Hinsichtlich des Sourcing nehmen wir unsere Zulieferer sehr genau unter die Lupe, bevor wir mit Ihnen zusammenarbeiten - so lassen wir uns sämtliche Produktionslinien, Zertifikate und Referenzen zeigen. Bei den ersten Lieferungen prüfen wir darüber hinaus 100% unserer Produkte. Intern ist das Herzstück natürlich die IT – hier müssen Front und Back-End integriert und auf das Geschäftsmodel abgestimmt sein.

Woraus besteht das Tagesgeschäft Ihres Teams?

Esser: Wenn man alle Bereiche und Resourcen zusammen nimmt, ist es wahrscheinlich 30% Sourcing, 40% Operations und Supply Chain, 20% Online/Offline Marketing, 10% Admin/other.

Ab wann rechnen Sie mit einem profitablen Geschäft?

Esser: Wir hoffen Ende 2012 auf Monatsbasis die erste schwarze Null zu schreiben.

Vor welchen aktuellen Herausforderungen stehen Sie?

Esser: Die größte Herausforderung ist es natürlich den deutschen Kunden noch mehr fuer das Thema Qualität bei Heimtextilien zu sensibilisieren. Im Gegensatz zu unseren Europaeischen Nachbarn ist Deutschland in dieser Hinsicht noch Entwicklungsland. Dies möchten wir mit URBANARA aendern.  Darüber hinaus wird es spannend auch bei starker Skalierung des Geschäfts den höchsten Qualitätsanspruch zu halten – dies macht uns allerdings auch am meisten Spass. Je mehr Zulieferer wir haben, desto besser müssen die Prozesse laufen.

Wie wollen Sie die Marke 'urbanara' auf dem Markt unterbringen? Wie wollen Sie beim Konsumenten eine Bekanntheit erreichen? Immerhin stehen Sie da ja vor einer ziemlichen Herausforderung, denn bisher gibt es eigentlich noch keine etablierten Marken beim Thema Heimtextilien (ausgenommen Gardinen). Und woher rührt das? Warum konnte man bisher keine Markenwertigkeit für diese Produktsparte einführen?

Esser: Weil, wie eben schon erwähnt, das Qualitätsbewusstsein im Bereichen Heimtextilien, im Gegensatz zu Autos, bei uns Deutschen einfach nicht wirklich verankert ist. Dies ist allerdings völlig unverständlich – schließlich verbringen wir die ca. die Hälfte unseres Lebens zu Hause und ein Drittel im Bett. URBANARA möchte dies mehr ins Bewusstsein rücken – allerdings zählt fuer uns Qualität viel mehr als Marke.

Bei Ihrem Produktangebot - würde es sich da nicht anbieten auf den Nachhaltigkeitszug aufzuspringen? Oder gerät Ihr Konzept dann aus dem Fokus?

Esser: Eigentlich machen wir das ja schon. Viele unserer Produkte werden z.B. aus Biobaumwolle hergestellt. Nachhaltigkeit und ein hoher Qualitaetsanspruch sind in der heutigen Zeit gar nicht mehr so richtig zu trennen.

Die wohl größte Herausforderung der Zukunft liegt wohl für Sie darin, ein massives Suchmaschinenmarketing zu betreiben. Oder haben Sie auch noch andere Vertriebswege angepeilt - etwa Großabnehmer? Und wie schaut es da mit dem Thema Marke aus - da werden doch bestimmt auch "Whitelabel"-Lösungen erwartet?

Esser: B2B ist für uns ein großes Thema und schon jetzt beliefern wir kleine Boutique Hotels und Gasthäuser. Kerngeschäft bleibt allerdings das B2C Segment – hier sind wir auch näher an unserer Ideologie dem Kunden Transparenz zu verschaffen und ihn aufzuklären. Hinsichtlich Marketingkanälen sind wir natürlich in allen Bereichen des Online Marketing unterwegs. Allerdings betreiben wir auch viel PR und bald sogar Aussenwerbung.

Zum Abschluss: Welche wichtigen Entscheidungen müssen in den nächsten drei Monaten von Ihnen getroffen werden?

Esser: Die wichtigsten Entscheidungen werden im Bereich Internationalisierung (wann möchten wir wo an den Start gehen?) und global Sourcing (wann möchten wir wo sourcen?) fallen.

Vielen Dank für die interessanten Einblicke in Ihr Segment des E-Commerce und viel Erfolg!

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