Franchise, Franchising wie funktioniert es?

Eine gängige Gründungsvariante stellt das Franchising dar. Beim Franchise-System "vermietet" ein Franchise-Geber seine Geschäftsidee inklusive Firmenname, Marke, Know-how und Marketing.

Definition - Was ist Franchise?

Franchising Quelle: Fotolia.de © tashatuvango

Der Deutsche Franchise-Verband e.V. definiert Franchise wie folgt:

"Franchising ist ein vertikal-kooperativ organisiertes Absatzsystem rechtlich selbstständiger Unternehmer auf der Basis eines vertraglichen Dauerschuldverhältnisses. Dieses System tritt auf dem Markt einheitlich auf und wird geprägt durch das arbeitsteilige Leistungsprogramm der Systempartner sowie durch ein Weisungs- und Kontrollsystem zur Sicherstellung eines systemkonformen Verhaltens. Das Leistungsprogramm des Franchise-Gebers besteht aus einem Beschaffungs-, Absatz- und Organisationskonzept, dem Nutzungsrecht an Schutzrechten, der Ausbildung des Franchise-Nehmers und der Verpflichtung des Franchise-Gebers, den Franchise-Nehmer laufend und aktiv zu unterstützen und das Konzept ständig weiterzuentwickeln. Der Franchise-Nehmer ist im eigenen Namen und auf eigene Rechnung tätig; er hat das Recht und die Pflicht, das Franchise-Paket gegen Entgelt zu nutzen. Als Leistungsbeitrag liefert er Arbeit, Kapital und Information."

Varianten des Franchisings

Franchise bietet drei Varianten, sich selbstständig zu machen: als Franchise-Nehmer, als Franchise-Geber und die Form des Master-Franchise. 

Franchise-Nehmer
Als Franchise-Nehmer sind die unternehmerischen Gestaltungsmöglichkeiten eingeschränkt, man übernimmt die Geschäftsidee eines Franchise-Gebers. Des Weiteren lässt man sich schulen und regelmäßig betreuen.   

Franchise-Geber
Als Franchise-Geber entwickelt man unter eigener Regie ein Franchise-System. In der Regel ist die Grundlage eine in der Praxis bewährte Geschäftsidee. Diese kann nun mit Hilfe des Franchise-Systems ausgebreitet werden.

Master-Franchise
Beim sogenannten Master-Franchise bekommt beziehungsweise kauft man die Lizenz eines ausländischen Franchise-Unternehmens, das sich auf dem deutschen Markt etablieren will. Man tritt nun als Franchise-Geber in einer bestimmten Region beziehungsweise in einem bestimmten Land auf.

Entstehung und Entwicklung des Franchise-Konzeptes

Der Begriff Franchise hat seinen Ursprung im französischen und bezeichnete im Mittelalter die Befreiung von Abgaben wie Steuern, Zöllen und Dienstleistungen.


So wurde unter anderem in Frankreich Kaufleuten das Recht zur Abhaltung von Messen auf dem Boden der Feudalherren übertragen.

Im Verlaufe der Jahrhunderte änderte sich seine Bedeutung zur Beschreibung von Privilegien, die der Staat an Einzelpersonen vergab. Die entsprechenden Personen bekamen das Recht zugesprochen, gegen Entgelt die Produktion oder den Handel mit bestimmten Produkten zu betreiben.

Mitte des 19. Jahrhunderts beschrieb schließlich der Begriff Franchise die Erlaubnis zur kommerziellen Nutzung von Rechten Dritter. Insbesondere Händler, die auf eigenen Namen und eigene Rechnung Waren vertrieben, nutzten das Franchising.

Erste Vorläufer zum heutigen Franchise entwickelten sich Mitte des 19. Jahrhunderts. Die US-amerikanische "Singer Sewing Machine Company" führte 1863 ein Vertriebssystem für seine Nähmaschinen ein: Selbstständige Lizenznehmer erhielten die Exklusivrechte zum Verkauf des Markenprodukts. Das erste Franchise-System war entstanden.

Der Ursprung des modernen Franchise ist eng mit einem Namen verbunden: Ray Kroc. Am 2. März 1955 gründete er eine eigene Firma, deren Eintrag im Handelsregister McDonald`s System, Inc. lautete.

Das moderne Franchise geht im Gegensatz zu ihrer traditionellen Form über die Abtretung von Markenrechten und die Weitergabe von Wissen hinaus. Ein umfangreiches Paket an erprobten Leistungen des Franchise-Gebers ermöglicht eine exakte Vervielfachung eines erfolgreichen Systems.

Deutsche Firmen, die mit dem Franchise-System arbeiten, sind unter anderem Obi-Heimwerkermärkte, TUI Reise-Center, Photo Porst und Sunpoint.

Franchise-Typen

Grundtypen

In den vergangenen Jahren haben sich mehrere Franchise-Typen herauskristallisiert, die sich folgend untergliedern lassen:

Vertriebsfranchising
In einem Geschäft, das den Namen des Franchise-Gebers trägt, verkauft der Franchise-Nehmer bestimmte Waren (zum Beispiel ein Baumarkt).

Produktfranchising
Der Franchise-Nehmer stellt nach Anweisung des Franchise-Gebers eine bestimmte Ware selbst her und verkauft diese unter dessen Warenzeichen (zum Beispiel ein Getränkeabfüllbetrieb).

Dienstleistungsfranchising
Der Franchise-Nehmer bietet Dienstleistungen unter den Geschäftsbeziehungen des Franchise-Gebers an und verpflichtet sich, bestimmte Richtlinien und Vorgaben einzuhalten (zum Beispiel Restaurantkette).

Spezielle Franchise-Typen

Master-Franchise
Beim sogenannten Master-Franchise bekommt beziehungsweise kauft man die Lizenz eines ausländischen Franchise-Unternehmens, das sich auf dem deutschen Markt etablieren will. Man tritt nun als Franchise-Geber in einer bestimmten Region beziehungsweise in einem bestimmten Land auf und vergibt Lizenzen an Franchise-Nehmer. 

Mehrfach-Franchise
Beim Mehrfach-Franchise werden mehrere Franchisen an einen Franchise-Nehmer vergeben. Diese Form des Franchise birgt die Gefahr, dass es regional zu einer Machtkonzentration bei einem regionalen Franchise-Nehmer kommt.

Franchise-Nehmer in mehreren Franchise-Systemen
Bei dieser Form ist ein Franchise-Nehmer in mehreren Franchise-Systemen Franchise-Nehmer. Diese Form gibt es vor allem in Frankreich, aber auch dort ist sie selten anzutreffen.

Area Development Agreements (Gebietsentwicklungsverträge)
Mit dem Abschluss eines Gebietsentwicklungsvertrages wird ein selbstständiger Unternehmer (Developer) mit der Entwicklung eines festgelegten Gebietes betraut. Der Developer kann in dieser Region eine festgelegte Anzahl eigener Betriebe aufbauen, für die dann jeweils ein Franchisevertrag mit dem Franchise-Geber abgeschlossen wird. Diese Form der Gebietsentwicklung kommt aus den USA und ist in Deutschland noch relativ unbekannt.

Besondere Franchise-Formen

Voll-Franchise

Das "normale" Franchise wird oftmals auch als Voll-Franchise bezeichnet.

Abteilungs-Franchise (Mini-Franchise)

Hier gliedert ein Franchise-Nehmer seinem eigenen unabhängigen Betrieb eine Abteilung an. Nur für diese Abteilung wird dann einen Franchise-Vertrag abgeschlossen. Diese Form des Franchising wird auch als Mini-Franchise bezeichnet.

Shop-in-Shops

In Einzelhandelsbetrieben, hier vor allem in großen Kaufhäusern, findet man oftmals kleine Shops mit einem bestimmten Sortiment.

Der Inhaber des Shops kann dann sowohl Franchise-Nehmer des Einzelhandelsunternehmens als auch eines außenstehenden Franchise-Gebers sein.

Investitions-Franchise (Groß-Franchise)

Das Investitions-Franchise zeichnet sich durch die Höhe des zu investierenden Kapitals aus. Dieses ist hier deutlich höher als beim "normalen" Franchise und beträgt in der Regel mehr als 500.000 Euro. Zu den Investitions-Franchisen gehrt zum Beispiel OBI oder Holiday-Inn. Das Investitions-Franchise wird auch als Groß-Franchise bezeichnet, als Gegensatz zum Mini-Franchise.

Conversion-Franchise

Unter Conversion-Franchising versteht man die Umwandlung von Filialen des Franchise-Gebers in Franchise-Nehmer-Betriebe. Zudem wird mit diesem Begriff auch die Eingliederung ehemals eigenständiger Betriebe aus der gleichen Branche in ein Franchise-System bezeichnet.

Vor- und Nachteile des Franchising

Vorteile

Der wesentliche Vorteil des Franchise-Systems für den Franchise-Nehmer ist das "Sicherheitsnetz", das der Franchise-Geber dem Franchise-Nehmer zur Verfügung stellt.

  • Dieser kann sich Know-how und Erfahrung des Franchise-Gebers zunutze machen. Dadurch verringert sich das Risiko, mit einem wenig Erfolg versprechenden Unternehmenskonzept anzutreten oder folgenschwere Fehler zu begehen.
  • Es reduziert sich die Wahrscheinlichkeit, dass Investitionen ins leere Laufen und damit Gelder, die an anderer Stelle gebraucht würden, verloren gehen.
  • Des Weiteren erhält der Franchise-Nehmer für die unternehmerische Praxis Unterstützung beziehungsweise profitiert von Synergieeffekten. Dazu zählen in der Regel unter anderem betriebswirtschaftliche und fachliche Beratungen und Schulungen, Einkaufsvorteile, Markttests und andere Service- und Dienstleistungen.
  • Die Vorteile für den Franchise-Geber sind dabei ebenfalls vielschichtig. So profitiert er in erheblichem Maße von schnelleren Expansionsmöglichkeiten. Verantwortung kann mit vergleichsweise geringem Risiko für den Franchise-Geber abgegeben werden und das so frei gewordene Potenzial für ein schnelleres Wachstum gesteigert werden.
  • Außerdem ergibt sich durch das Franchise-System eine hohe Markt-, Kunden- und Partnernähe, die dem Franchise-Geber entgegenkommt. Hinzu kommt, dass man einen Marktzugang bekommt, der an Kapitalintensität vergleichsweise niedrig ist, da die Franchise-Nehmer die Unternehmensidee kaufen müssen.
  • Faktoren, die grundsätzlich für das Franchise-System sprechen, sind unter anderem die Markt- und Einkaufsmacht, die überregionale Präsenz und der damit verbundene erhöhte Bekanntheitsgrad, das Image und der Wettbewerbsvorsprung.

Nachteile

Der wohl größte Nachteil für einen Franchise-Nehmer ist, dass der unternehmerische Gestaltungsspielraum eingeschränkt ist. So gibt der Franchise-Geber bestimmte Vorgaben an, die eingehalten werden müssen und bei denen der Franchise-Nehmer an seine gestalterischen Grenzen stößt.

  • Dadurch kann auch nur sehr bedingt auf die Geschäftspolitik Einfluss genommen werden, Entscheidungen der Unternehmensführung müssen somit auch bei negativen Auswirkungen akzeptiert werden.
  • Außerdem kann es sich als schwer erweisen, den "richtigen" Franchise-Geber zu finden. Leistungen können oft schlecht bewertet werden, es mangelt nicht selten an Transparenz, was in der Regel auf Geheimhaltungsbedürfnisse zurückzuführen ist. Angebote lassen sich des Öfteren nur sehr schlecht vergleichen.
  • Darüber hinaus kann der Franchise-Nehmer nach Vertragsende in der Regel nicht frei über seinen Betrieb verfügen. Der Franchise-Geber behält sich oft vor, Käufer oder Erben abzulehnen beziehungsweise ein eigenes Vorkaufsrecht wahrzunehmen.
  • Für den Franchise-Geber kann insbesondere die Auswahl der zukünftigen Partner zum Problem werden. Da Vertragskündigungen nicht problemlos durchgeführt werden können, kann jeder Irrtum schwerwiegende Folgen haben. Größere Franchise-Systeme haben nicht zuletzt deshalb detaillierte Auswahlverfahren entwickelt, aus denen bestimme Franchise-Nehmer-Profile entstanden sind.
  • Ein weiterer Nachteil können die vergleichsweise geringen Einnahmen des Franchise-Gebers sein. So beschränken sich diese in der Regel auf die Eintrittsgebühr und laufende Franchise-Gebühren.
  • Zusätzlich können sich Streitigkeiten mit Franchise-Nehmern (zum Beispiel bei Beendigungen von Franchiseverhältnissen) negativ auf das Unternehmensimage auswirken.

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