Südzucker AG

Das Leben versüßen

Was wäre das Leben wohl ohne Zucker? Ziemlich ernüchternd - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Zucker sorgt nicht nur für die nötige Süße in unseren Speisen, sondern ist auch für den Alkohol im Wein und Bier verantwortlich. Das große Potential von Zucker war den Verantwortlichen der fünf Zuckerfabriken 1926 sicher bewusst, als sie mit der Gründung der Südzucker AG  in Mannheim den Grundstein für den größten Zuckererzeuger Europas legten.

Bild: Thomas Kauffelt

Die Erfolgsgeschichte der heutigen Südzucker AG begann streng genommen mit der außerordentlichen Generalversammlung der Zuckerfabrik Frankenthal, die am 24. April 1926 stattfand. An diesem denkwürdigen Tag vor fast 80 Jahren, fiel die endgültige Entscheidung für den Zusammenschluss der fünf Zuckerfabriken Waghäusel, Frankenthal, Offstein, Heilbronn und Stuttgart zur Süddeutschen Zucker Aktiengesellschaft. Alle fünf Unternehmen konnten bis dato auf eine traditionsreiche Vergangenheit zurückblicken. Manche Vorgeschichte geht sogar bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück.

Bei der Wahl des zukünftigen Stammsitzes des neu gegründeten Unternehmens war man sich bald einig. Die Wahl fiel auf einen der bedeutendsten Wirtschaftsstandorte dieser Zeit – Mannheim. Als Standort der Getreidebörse und einer Vielzahl von Bankenniederlassungen bot er optimale Verwaltungs- und Organisationsmöglichkeiten für das junge Unternehmen.

Überwiegend in ausländischer Hand

Unter der Federführung des italienischen Zuckerindustriellen Ilario Montesi erstand 1930 ein Konsortium, bestehend aus der Montesi-Gruppe, der Württembergischen Melassefutterwerke und der fusionierten Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft, ein riesiges Aktienpaket der Süddeutschen Zucker Aktiengesellschaft. Diese hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits zu einem Unternehmen gemausert, das die modernsten Fabrikstätten Deutschlands sein Eigen nennen konnte. Nach diesem Aktienaufkauf befand sich das Unternehmen für einige Jahre in überwiegend ausländischer Hand.

Beteiligungen im Osten

Die Marktbedingungen für Zuckerproduzenten gestalteten sich schon damals recht schwierig. Vor allem die staatlich subventionierte Konkurrenz aus Polen und der Tschechoslowakei machten den Deutschen schwer zu schaffen. Um nicht unter die Räder zu kommen, erwarb Südzucker einerseits Beteiligungen an schlesischen Zuckerfabriken und nahm andererseits eine Ausweitung seines Sortiments im Nahrungsmittelbereich vor. Diese Umstrukturierungsmaßnahmen zeigten den gewünschten Effekt: das Unternehmen war bald in der Lage zu expandieren. Bereits Mitte der dreißiger Jahre erwarb man die Mehrheitsbeteiligung an der Offenbacher Kaiser Wilhelm Quelle AG und ein enormes Aktienpaket der Ludwigshafener Walzmühle.

Zerstört oder unerreichbar

Für die Südzucker-Gruppe bauen rund 70.000 Landwirte 500.000 ha Rüben an.

Der Zweite Weltkrieg ließ das aufstrebende Unternehmen ins Wanken geraten. Alliierte Bombenangriffe zerstörten die Werke in Frankenthal und die Hauptverwaltung in Mannheim. Auch viele der anderen Werke wurden in Mitleidenschaft gezogen und brannten bis auf die Grundmauern nieder. Doch neben den zerstörten Fabrikanlagen ergab sich noch ein weiteres Problem. Eine große Anzahl der Südzucker-Werke befand sich nach dem Zweiten Weltkrieg in der sowjetischen Besatzungszone und waren damit außerhalb jeglicher Einflussnahme. Und auch nur 29 Prozent der Zuckerrübenanbaufläche lagen noch auf späterem westdeutschen Boden.

Zuckerengpass nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Versorgung der Bevölkerung mit Zucker nach Ende des Zweiten Weltkriegs erwies sich als schwierig und wurde schließlich zur Chefsache erklärt. 1950 erließ die Regierung der Bundesrepublik Deutschland Richtlinien zum Kauf, zur Verarbeitung und Lagerung von Zucker. Mit dem allmählich einsetzenden wirtschaftlichen Aufschwung erlebte auch der Zuckerrübenanbau einen gewaltigen Schub. Problematisch war allerdings, dass Südzucker nicht genügend Kapazitäten zur Weiterverarbeitung des Rohstoffes hatte.

Deshalb taten sich die Zuckerrübenbauern zusammen und gründeten die Süddeutsche Zuckerrüberverwertungs-Genossenschaft (SZVG), die es sich zur Aufgabe machte, neue Fabriken zur Verarbeitung der Zuckerrüben zu bauen. 1951 wurde mit tatkräftiger Unterstützung der Süddeutschen Zucker-AG die Zuckerfabrik Franken GmbH in Ochsenfurt ins Leben gerufen. In den darauffolgenden Jahre schossen Zuckerfabriken wie Pilze aus dem Boden. Es entstanden Fabriken in Rain, Zeil und Plattling.

Der größte Zuckerhersteller Deutschlands entsteht

1988 war es dann soweit. Mit der Fusion der Süddeutschen Zucker AG in Mannheim und der Franken GmbH in Ochsenfurt entstand der größte Zuckerhersteller Deutschlands – die heutige Südzucker AG Mannheim/Ochsenfurt, die insgesamt elf Produktionsstätten ihr Eigen nennen konnte. Das junge Unternehmen wurde rasch größer. Bereits ein Jahr später stieß es auf den österreichischen und ungarischen Zuckermarkt vor. Im selben Jahr investierte Südzucker auch in eine belgische Raffinerie. Das Eiscreme-, Tiefkühlkost- und Backwarengeschäft der Südzucker AG wurde mit der Gründung der Schöller Holding 1995 unter einem Dach zusammengefasst. 

Die deutsch-deutsche Wiedervereinigung weckte bei den Verantwortlichen der Südzucker AG abermals den Expansionstrieb. So wurden 1991 insgesamt 13 ostdeutsche Zuckerfabriken erworben, umstrukturiert und in einer Tochtergesellschaft, der Südzucker GmbH, Zeitz, zusammengefasst. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks und den nun offenen Grenzen erweiterte das Unternehmen auch erfolgreich seine Bemühungen auf dem osteuropäischen Markt.

Schuster bleib bei Deinen Leisten?

Für Deutschland wird bis 2010 ein Anstieg des Jahresbedarfs auf bis zu 2,2 Mio. m3 Bioethanol erwartet. Bild: Südzucker

Völlig neue Wege ging die Südzucker AG mit dem Bau einer Bioethanolanlage in Zeitz, die 2005 in Betrieb genommen wurde. Pro Jahr werden hier 260.000 m3 Bioethanol für die Mineralöl und petrochemische Industrie und 260.000 t ProtiGrain, ein hochwertiges Proteinfuttermittel für die Mischfutterindustrie hergestellt. Als Rohstoff wird vor allem Weizen benutzt. Die 200 Mio. Euro teure Anlage ist nicht nur für das Unternehmen eine gute Investition, sondern leistet auch einen großen Beitrag in Sachen Umweltschutz – allein durch diese Anlage wird die Natur um CO2-Emissionen in Höhe von rund 520.000 t entlasten.

Einer der größten deutschen Nahrungsmittelhersteller

Bild: Wilhelm Dürr

Im Geschäftsjahr 2004/5 erwirtschaftete die Südzucker AG einen Umsatz von 4.827 Mio. Euro. Insgesamt wurden 31 Mio. t Zuckerrüben zu 5,1 Mio. t Zucker verarbeitet. Weltweit beschäftigt das Unternehmen derzeit rund 17.459 Mitarbeiter, davon 12.001 in der Zuckerbranche. Mit einem Anteil von 56 Prozent am Kapital sind die Rohstofflieferanten, die Rübenanbauer über die Süddeutsche Zuckerrübenverwertungs-Genossenschaft eG (SZVG), auch gleichzeitig Hauptgesellschafter der Südzucker AG.

Mit 45 Zuckerfabriken in zehn europäischen Ländern ist das Zuckergeschäft nach wie vor das am stärksten ausgeprägte Standbein der Südzucker AG. Doch im Laufe der Jahre hat sich das Unternehmen nicht nur zum größten europäischen Zuckererzeuger aufgeschwungen, sondern darf sich auch als einer der größten deutschen Nahrungsmittelhersteller bezeichnen.

© förderland 

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer