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27.11.14Leser-Kommentare

Test

Erfahrungsbericht nach anderthalb Jahren mit Duolingo: In Mini-Minischritten zur Fremdsprache

Martin Weigert

Die Fremdsprachen-App Duolingo paketiert Aufgaben und Vokabeltraining optimiert für das Smartphone in viele kleine Häppchen, die ideal für kurze Pausen des Alltags sind. Aber kommt man damit wirklich voran? Unser Erfahrungsbericht nach anderthalb Jahren im Praxiseinsatz liefert die Antwort.

Duolingo im Test

Im Frühjahr 2013 entschloss ich mich, Spanisch zu lernen. Und zwar nebenbei, in kurzen Pausen des Alltags, und ohne die typische demotivierende Mühe, die das Lernen von Fremdsprachen gewöhnlicherweise mitbringt. Meine Hoffnung nannte sich Duolingo, eine 2011 erstmals lancierte App des Captcha-Erfinders Luis van Ahn.

Die Besonderheit des Dienstes ist abgesehen davon, dass er im Gegensatz zu den meisten anderen Fremdsprachen-Tools nichts kostet, seine Häppchen-Philosophie. Anstatt auf komplexe Aufgaben, lange Vokabellisten und trockene Grammatikübungen setzt Duolingo auf Mini-Lektionen zu bestimmten Themenschwerpunkten. Diese werden direkt dem Smartphone oder in der Browser-Version erledigt und dauern jeweils kaum mehr als ein paar Minuten.

Genau dieses Konzept sprach mich an. Mir fehlt die Lust, mich nach einem anstrengenden Tag noch eine Stunde hinzusetzen und Vokabeln und Grammatik-Regeln zu büffeln. Ich wollte stattdessen gelegentlich auftauchende Warte-Momente des Alltags in Produktivzeit verwandeln, um mir in Eigenregie und auf Basis eines spielerischen Konzepts eine Sprache beizubringen. Duolingo verspricht genau dies.

Man braucht Geduld

Duolingo

Heute, anderthalb Jahre später, kann ich konstatieren: Das Prinzip funktioniert, aber es zieht sich hin. Zumindest in dem Takt, auf den ich mich eingepegelt habe: Ungefähr eine Lektion à circa drei Minuten pro Tag. Dass man auf diese Weise weder das praktische Sprechen lernt noch mit der Intensität an eine Sprache herangeführt wird, die etwa ein mehrwöchiger Intensivkurs garantiert, sollte klar sein. Man muss also geduldig sein und die notwendige Selbstdisziplin mitbringen, um auch wirklich jeden Tag einmal wenigstens einige kleine Duolingo-Sätze zu formen und zu übersetzen.

Ist man aber nicht in Eile hat und träumt davon, eine Fremdsprache zu lernen, ohne sich dafür gefühlt zu verausgaben, dann ist Duolingo eine gute Wahl. Mittlerweile bin ich an dem Punkt angekommen, an dem ich in Nachrichtentexten auf Spanisch 20 bis 40 Prozent des Inhalts entziffern kann. Wer mehrere Fremdsprachen gelernt hat, wird die diesem Augenblick innewohnende Magie kennen - wenn sich plötzlich eine neue Welt zu öffnen scheint, die einem bisher verborgen war.

Lesen funktioniert, Sprechen nicht

In Alltagskonversationen allerdings bleiben die größeren Erfolgserlebnisse noch aus. Ich bin gerade in Mexiko und muss das täglich neu erleben. Was das Sprechen angeht, kann eine App einfach nicht mit Konversationen zwischen Menschen konkurrieren und - zumindest aktuell - auch keine konstruktiven Grundlagen schaffen.

Zurückzuführen ist dies auch auf die Tatsache, dass Duolingos Beispielsätze nicht immer Sinn ergeben oder von Lernenden in realen Szenarien eingesetzt werden können. Das erklärt sich dadurch, dass das Unternehmen das Textmaterial aus Dokumenten bezieht, zu denen es Geschäftskunden wie Buzzfeed (von Usern während des Erledigens von Aufgaben nebenbei angefertigte) Übersetzungen anbietet.

Die scheinbare Willkür und Sinnlosigkeit des Textmaterials ist auch einer der entscheidenden Kritikpunkte von Markus Witte, CEO des Berliner Duolingo-Wettbewerbers Babbel. Nach meinem Gespräch mit ihm hatte ich kurzzeitig auch die App der Hauptstädter ausprobiert. Dort aber dauert die Erledigung einzelner Übungen meist zehn Minuten. Der Zwischendurch-Effekt, den ich bei Duolingo schätze, geht so verloren. Außerdem ist mir Babbel mit zehn Euro pro Monat bei monatlicher Kündbarkeit oder 20 Euro pro Quartal in Anbetracht der Gratis-Alternative zu teuer. Wer innerhalb eines kürzeren Zeitrahmens eine neue Sprache lernen will oder gar muss, wird das sicher anders sehen.

Fazit zu Duolingo

Wer Selbstdisziplin und Kontinuität zu den eigenen Stärken zählt und kein Problem damit, die Aneignung der Grundlagen einer neuen Fremdsprache über einen Zeitraum von vielleicht zwei Jahren zu verteilen - dafür aber weitaus weniger Lern-Frust verspürt - für den eignet sich die App.

Ein Blick auf das wöchentliche Leaderboard signalisiert mir jedoch, dass nur sehr wenige meiner Kontakte bei Duolingo auf Dauer dabei bleiben. Anfang des Jahres nahm das Startup 20 Millionen Dollar frisches Kapital auf. Geldsorgen dürfte es also nicht haben.

Dennoch muss der Dienst, der seit dem Sommer auch offizielle, irgendwann vielleicht von Schulen und Bildungseinrichtungen akzeptierte Tests anbietet, noch beweisen, dass das Geschäftsmodell und die Nutzerpartizipation so miteinander in Einklang gebracht werden können, dass damit irgendwann schwarze Zahlen geschrieben werden können.

Kommentare

  • Sabine

    28.11.14 (02:55:25)

    Dies ist ein wunderbarer Artikel! Danke für dieses zeitübergreifende Experiment in Eigenregie. Er ist gut zu lesen und gibt Antwort auf die wichtigsten Fragen die wir uns stellen. Kann man mit diesen Online Apps zum kostenlos Sprachen lernen wirklich was erreichen? Ich würde auch gerne kostenlos Englisch lernen, und das am Besten in Rekordzeit. Ich schätze die ehrliche Art des Artikels, der die wundersamen Versprechen mit denen sich diese Unternehmen brüsten mal entzaubert. Klingt persönlich? Ist auch so. Als freie Englischlehrerin habe ich es leider schon ein paar Mal erleben müssen, dass Schüler sagen, der Unterricht ist zu teuer, im Internet kann man Englisch kostenlos lernen. Mir fehlen da leider manchmal die guten Argumente. Aber Sprachenlernen braucht etwas Zeit und wenn man es richtig machen möchte auch ein wenig Mühe. Ich finde, auch bei Minieinheiten, möchte ich nach 1.5 Jahren Sprachen lernen doch wenigstens mehr als 20-40% von Nachrichten Texten verstehen können. Nichts gegen den Autor, und die tollen Erfolge, herzlichen Glückwunsch, ich bin mir sicher da geht aber mehr. Das wichtigste beim Sprachen lernen ist meiner Meinung nach, die Sprach auch sprechen zu können. Das ist nicht nur was am meisten Spaß macht sondern was einem später auch am Schnellsten voran bringt. In meinem Unterricht konzentriere ich mich am Anfang nur aufs Sprechen mit den Schülern, gemäß der NLS Methode, kann man eine Sprache nur fliessend sprechen lernen, wenn man diese auch selber spricht. Ich sehe, wenn ich meine Schüler zum Sprechen animiere, wie schnell und mit wie viel Begeisterung diese lernen. Wenn man sich dann schon ein wenig verständigen kann, fang ich erst an mit Grammatik, denn erst dann macht das Sinn. Vorher ist es nicht nur langweilig sondern meiner Meinung nach auch wirklich nutzlos. Wer wirklich Englisch lernen möchte, muss viel Englisch sprechen, das ist mittlerweile meine 13 Jährige Erfahrung als Englischlehrer. Ich kann den Titel "Englisch lernen? - Einfach sprechen! empfehlen, wer sich zu dem Thema mehr informieren möchte. Lieber Autor, daher bin ich davon überzeugt, dass Sie auch jetzt in Mexico so viel schneller lernen werden, und sich an der Sprache schnell erfreuen können. Porque el Español es un idioma super bonito y tambén fácil a aprender. Los chistes y la cultura mexicana ya valen la pena, y la comida es la crema dulce encima de todo. Animo y mucha suerte

  • Martin Weigert

    28.11.14 (07:27:23)

    Danke für diese Einblicke und Gedanken, Sabine!

  • Daniel

    26.06.15 (09:05:50)

    Vielen Dank für diesen nützlichen Artikel. Ich finde es etwas schade, dass Duolingo für deutsche Muttersprachler nur Englisch und Französisch zum Lernen anbietet. Ich hoffe da kommen in Zukunft noch weitere Lernsprachen hinzu.
    Viele Grüße
    Daniel

  • Alois Brinkmann

    18.02.16 (21:57:18)

    Ich trainiere fast jeden Tag mit Duolingo um mein Englisch zu verbessern. IM Moment funktioniert meine App auf dem Smartphone nicht. Ich bekomme immer die Meldung: Verbindung mit Duolingo konnte nicht hergestellt werden.

  • loewe 95

    08.06.16 (15:50:02)

    Mein Kommentar zu Duolingo Ich finde es nicht o,k. dass die ganzen Antworten immer und oft verdreht werden und keine Erklärungen gemacht werden zu jeder lektion denn das gehört eigentlichn zul jeder Fremdsprache dazu.
    Denn so macht das keinen Spass mehr!!!!

  • dude

    07.07.16 (13:37:56)

    Hallo loewe 95,
    ich finde das Prinzip ganz interessant, das man sich die Grammatik selbst erschließen muss.
    Gruß

  • SCHERTZ

    28.07.16 (10:18:36)

    Ich finde die Wiederholungen nervtötend.wenn ich einen Satz zweimal richtig übersetzt habe, sollte es gut sein. den schlafenden Hund kann ich schon nicht mehr sehen.Vielleicht sollte das Programm mal aktualisiert werden?Viele Sachen gibt es so im Deutschen gar nicht.

  • Norbert

    20.12.16 (08:00:42)

    Duolingo ist vielleicht ganz nett, um in eine neue Sprache reinzuschnuppern. Wer wirklich eine Fremdsprache vernünftig sprechen will kommt an intensivem Lernen mit guten Lehrern nicht vorbei. Ich kann dieses Geschwätz von "spielend leicht ...lernen" etc. nicht mehr hören. Und das bezieht sich nicht nur auf Fremdsprachen. Sabine hat es auf den Punkt gebracht! Und ich bin kein Lehrer!

  • Thomas

    02.01.17 (19:12:04)

    Wer ein passables Fundament in Englisch mitbringt wird überrascht sein wie einfach das Lernen romanischer Sprachen sein kann, wenn man z. B. Englisch-Portugiesisch lernt.

    Die zahllosen Ähnlichkeiten der Wortstämme schaffen viele Anknüpfungspunkte, um die Sprache als bekannter zu empfinden und Sätze einfacher zu verstehen.

    Ich mache phasenweise nur eine Lektion pro Tag, habe aber auch einige Wochen 15-30 Lektionen pro Tag gemacht. Verständlicherweise macht man in diesen Zeiten unglaubliche Fortschritte. Temporär hatte ich einen brasilianischen Tandempartner, der völlig erstaunt war, wie gut ich ihn nach drei Wochen verstehen konnte.

    DuoLingo schafft ein breites Basisvokabular und sehr gute Grammatik Grundlagen. So ist man optimal vorbereitet, um mit einem Lehrer oder Gesprächspartner praktische Erfahrungen zu sammeln.

    Wie der Autor schreibt, schafft man es innerhalb von ein bis anderthalb Jahren mit wenigen Minuten täglich nebenbei eine gute Basis zu schaffen.

    Wenn man aber in Vorbereitung einer Auslandsreise jeden Tag ein paar Stunden lernt, lassen sich mit Duolingo sehr gute Erfolge in kurzer Zeit erzielen.

  • Julien

    26.04.17 (15:01:12)

    Hallo Martin,

    Danke für diesen ausführlichen Artikel. Ich kann mich sehr darin wieder kennen. Ich denke vielen Sprachprogrammen fehlt die Fähigkeit einem wirklich das Sprechen, Hörverstehen und Sprachgefühl zu vermitteln, welche so essenziell sind um eine neue Sprache zu meistern.

    Ich wollte dich fragen ob du Lust hättest noch ein weiteres Lernprogramm zu testen. Wir benutzen eine Methode, die sich besonders gut dafür eignet ohne viel Anstrengung und auch nebenbei eine Sprache zu lernen.

    So kann man während dem Lernen richtig entspannen und lernt in dem man sich einfach von der Sprache berieseln lässt. Quasi so, wie wir schon unsere Muttersprache gelernt haben. Wir nennen unsere Kurse deshalb auch Sprachduschen :-) Es ist für genauso Menschen wie dich konzipiert, die nach einem langen Arbeitstag, nicht noch irgendwelche Vokabelkärtchen ähnlichen Aufgaben lösen wollen.

    Man kann entspannen und lernen zur gleichen Zeit, auch auf dem Weg zur Arbeit etc... Wenn es dich interessiert kannst du dir mal unser Angebot anschauen.

    Unsere Webseite heißt: http://www.jicki.de

    Es wäre interessant dein Feedback zu bekommen. Gerne würden wir dir auch einen kostenlosen Premium Account zum Testen zur Verfügung stellen.

    Lass mich wissen falls du noch Fragen hast.

    Mit freundliche Grüßen,
    Julien

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