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03.09.14Leser-Kommentare

Verabredungen im Smartphone-Zeitalter: Die neue Unzuverlässigkeit und was man dagegen tun kann

Ein kurzes Video erläutert, wieso die Vereinbarung von Terminen und Verabredungen in der Smartphone-Ära schwierig geworden ist. Ob im privaten oder geschäftlichen Bereich – ein paar Regeln helfen, keine Zeit zu verschwenden.

Ein interessantes Video macht gerade die Runde im Netz: Es geht darin darum, wie Smartphones Terminvereinbarungen verkompliziert und Unverbindlichkeit sowie Unzuverlässigkeit gefördert haben.

Nachdem ich den Clip in der vergangenen Woche erstmals betrachtet hatte und ihn zum Anlass nahm, um über meine eigenen Erlebnisse zu reflektieren, kam ich zu dem Schluss, dass das beschriebene Phänomen sicherlich nicht aus der Luft gegriffen sei, mich aber nur selten tangiere. Lustigerweise erhielt ich seitdem von zwei Personen, mit denen ich mich zum semi-professionellen Kaffeeplausch verabredet hatte, per Facebook die kurze Rückfrage, ob es bei unserem Termin bliebe. Genau dies wird in dem Video unter der Bezeichnung »Reconfirmation« (zu Deutsch etwa »Wiederbestätigung« oder »Rückversicherung«) als ein Charakteristikum der neumodischen Schwammigkeit bei Verabredungen aufgeführt.

Verbindlichkeit schaffen

Betrachtet man Verabredungen unter dem Gesichtspunkt der Produktivitätssteigerung, so geht es vor allem darum, mit möglichst wenig Zeit- und Koordinationsaufwand zu dem gewünschten Termin zu kommen, der dann auch tatsächlich in dem vorgegebenen Rahmen, mit den anvisierten Teilnehmern, zum festgelegten Zeitpunkt stattfindet.

Zwar können Bedingungen, Motive und Zielstellungen des Zusammentreffens von Menschen sehr unterschiedlich sein. Dennoch empfiehlt es sich, gewissen persönlichen Grundregeln zu folgen, von denen man nur in Not- und Ausnahmefällen abweicht. Egal, ob man sich mit Freunden, Kollegen, Geschäftspartnern oder losen beruflichen beziehungsweise privaten Kontakten trifft.

Folgendermaßen sehen meine Regeln zum Umgang mit Verabredungen aus – privat sowie geschäftlich:

  • 1. Klare Bestimmung von Zeit- und Treffpunkt.
  • 2. Absagen möglichst vermeiden, und prinzipiell keine Absagen in letzter Minute (außer bei echten Notfällen, aber das versteht sich von selbst).
  • 3. Eine Rückfrage am Tag des Termins, ob dieser nach wie vor steht, ist nicht notwendig, aber auch kein Problem.
  • 4. Pünktliches Erscheinen sicherstellen, idealerweise 5 bis 10 Minuten vor der vereinbarten Zeit.
  • 5. Erreichbarkeit sicherstellen (E-Mail, SMS, Facebook, Anruf etc), um vor Ort auftretende Unklarheiten, etwa Nicht-Auffinden des Treffpunkts, unkompliziert lösen zu können.
  • 6. Zu Beginn des Termins idealerweise deutlich machen, bis wann man Zeit hat (gilt in erster Linie für Termine mit mindestens partiellem geschäftlichen Charakter). Das definiert, wieviel Raum für Smalltalk und Abschweifen besteht.
  • 7. Umgang mit Absagen: Derjenige, der absagt, trägt die Verantwortung, einen neuen Termin vorzuschlagen. Ausnahme: Termine, bei denen ein ausgeprägtes Machtgefälle zwischen den Protagonisten beziehungsweise ein einseitiges Interesse existiert. Diese Situationen erfordern individuelle, fallbezogene Handhabung.

Mit diesem Regelkonstrukt, welches ich seit Jahren unbewusst praktiziere und nun erstmalig in Textform gegossen habe, erspare ich mir gewöhnlich Situationen, wie sie in dem Video beschrieben werden. Wie geht es euch? Erkennt ihr euch in dem Clip wieder?

Kommentare

  • Roman Redl

    03.09.14 (11:37:09)

    Super Video, typisch für die aktuelle Lage. Ich behaupte allerdings, dass es seit der Verbreitung des Mobiltelefones sogeworden ist. Leider reagieen heute schon die wenigsten Menschen auf ein Uawg. Ich empfinde es schon als zutiefst unhöflich, auf eine Einladung mit vielleicht (im Video die auslotenden) zu reagieren.

  • Frank Hamm

    06.09.14 (08:39:30)

    > 6. Zu Beginn des Termins idealerweise deutlich machen, bis wann man Zeit hat (gilt in erster Linie für Termine mit mindestens partiellem geschäftlichen Charakter). Mal im Ernst: Wieso sollte ich zu einem Termin erscheinen, wenn die Dauer nicht klar ist? Wenn ich für 2 Stunden zusage, dann kann der Terminpartner auch nur von 2 Stunden Verfügbarkeit ausgehen. Wenn er mehr Zeit haben will, dann ist es "sein Problem". Dann muss er mich infomieren und fragen, ob ich mehr Zeit habe. Siehst Du das ähnlich, oder sehe ich das zu eng?

  • Marco

    17.10.14 (10:02:17)

    Finde ich sehr interessant und zutreffend... Habe mich selber schon häufig dabei erwischt

  • Felix Nunn

    08.11.14 (09:36:57)

    So true! Früher hat man sich verabredet und da man noch kein Handy hatte (oder eine SMS 19 Cent kostete), war die Schwelle, dem anderen abzusagen allein dadurch schon etwas höher. Heute hat man WhatsApp, Facebook Messenger, Skype und wie sie alle heißen. Man ist in etlichen Gruppen und bekommt - sorry - oft einfach nur noch Datenmüll auf sein Handy. Als Selbstständige kann ich ein Lied davon singen. Deswegen schalte ich bei meinem Handy das Internet so gut wie die meisten Zeit auch aus. Wenn es wirklich wichtig ist, wird die andere Person schon die Energie haben, das Telefon in die Hand zu nehmen und mich - ganz odlschool - anzurufen! ;)

  • Michael Kieweg

    26.11.14 (08:21:11)

    Für mich hat das nichts mit Smartphones zu tun und glaube nicht, daß sich mein eigener Umgang mit Verabredungen geändert hat, seit ich eines besitze. Ich empfinde Telefonanrufe als extrem übergriffig, weil der Anrufe versucht, mir sein Zeitmanagement über zu stülpen. Wer mich anruft, erwartet, trotz Voicemail, daß ich genau dann für ihn Zeit habe und meine Tätigkeit unterbreche. Das empfinde ich als unverschämt. Kommunikationsmittel der Wahl ist für die Email, wegen ihrer Asynchronität. Das schließt natürlich nicht aus, daß man sich per Mail auf einen Termin für ein Telefonat einigt. Unzuverlässig bei Verabredungen bin ich meistens, wenn ich eigentlich sowieso keine Lust darauf habe und nur zugesagt habe, um zum Zeitpunkt der Verabredung Streit zu vermeiden. Das war aber immer schon so.

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