02.12.11 05:38

, von Thomas Mauch

Information Overload: 5 Schritte zur Informationsdiät

Es gibt keinen Information Overload. Wir haben bloss unseren Konsum nicht im Griff, meint Buchautor Clay Johnson. Und empfiehlt deshalb eine Informationsdiät.

Lucky Strike: That's the easiest way I know to keep from getting fatClay Johnson ist Entwickler, hat Barack Obamas Online-Kampagne 2008 betreut und jetzt ein Buch geschrieben: The Information Diet. Sein Startpunkt: Ausdrücke wie «Information Overload» oder «Informationsflut» führen zu einer irrigen Sichtweise - sie gibt der Information die Schuld. Das macht keinen Sinn, weil Information einfach «da« ist, aber nicht selbst über die Verwendung entscheidet.

Neuer Kühlschrank statt Diät

Clay sieht das Problem vielmehr in den Konsumgewohnheiten, wenn es um Information geht. Wir würden uns mit Informationen überessen - ein ähnliches Problem wie bei schlechtem Essverhalten. In den vergangenen Jahren hat diese gefühlte Informationsflut zu einer Menge an kleinen Apps und Tools geführt. Sie sollen uns helfen, Informationen besser zu managen. Für Clay passt das nicht: «Das ist wie wenn man eine Diät zur Gewichtsreduktion beginnen würde, indem man einen neuen Kühlschrank kauft.«

Bessere Essgewohnheiten

Wir müssten also Informationen nicht besser managen, sondern uns bessere «Essgewohnheiten» angewöhnen. Dieses gesunde Informationsverhalten ist Thema seines neuen, ab Januar auf englisch erhältlichen Buch. Darin führt er fünf Schritte auf, um die eigene Informationsdiät zu starten:

  1. Messen. Wieviel Zeit verbringen wir überhaupt damit, Informationen aufzunehmen, auf Papier oder auf Bildschirmen?
  2. Fernsehstopp. Dadurch gewinnt man viel Zeit und verhindert die vermutlich schlimmste Art von Information: Fernsehwerbung.
  3. Gewohnheiten ändern. Medienkonsum mit Privatem beginnen (Familie, Freunde), dann sich um die Stadt kümmern, in der man lebt, dann nationale Fragen und so weiter. Vielleicht ist das Programm des Schultheaters unserer Tochter wichtiger als die Nachricht zur Euro-Krise.
  4. Computer reparieren. Alle Programme, die aufpoppen oder ein kleines rotes Schild mit einer Zahl drin anzeigen, löschen.
  5. Möglichst unverarbeitete Information geniessen. Also Informationen möglichst nahe der ursprünglichen Quelle - weniger wiederverwertetes, ausgedünntes, gestrecktes.

Zuviel Informationen - mehr Ignoranz

Für Clay ist es eminent wichtig: Er glaubt, dass zuviel Information genau so zu Ignoranz führen kann wie zu wenig Information. Zuviele Details und einzelne Fakten, die wir mit einem Mausklick oder Fingertipp ergooglen können - aber die gleichzeitig den Blick auf das grosse Ganze verstellen. Und uns zuwenig Zeit zum Nachdenken lassen.

» informationdiet.com Mehr Infos zu Clay und seinem Buch

(Artikelbild: Don O'Brien bei flickr.com, CC-BY 2.0)

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Kommentare: Information Overload: 5 Schritte zur Informationsdiät

Lieber Thomas, danke für die Buchempfehlung. Ohne Deinen Tipp wäre ich nicht auf das Buch gestoßen. Die Ideen des Autors gehen für mich in die richtige Richtung. Wir sollten unsere Gewohnheiten ändern. Die Idee, lokale Informationen zu erst zu verarbeiten halte ich ebenfalls für richtig. Habe vor Jahren auch schon eine ähnliche Empfehlung in Jeremy Rifkins Buch "Access" gelesen. Wenn wir uns nicht für die Kultur (im weitesten Sinne) vor Ort einsetzen, haben wir bald keine mehr. BG, Jan (Das Buch von Rifkin gibt es z. B. bei Amazon: www.amazon.de/Access-Verschwinden-Eigentums-besitzen-ausgeben/dp/3593365413/)

Diese Nachricht wurde von Jan Fischbach am 02.12.11 (07:59:00) kommentiert.

Ich hatte schon länger infovegan.com abonniert, nun http://www.informationdiet.com/ geworden und damit Werbeplattform für das hier verlinkte Buch. Der Weg ist ja eigtl. ganz einfach: Reduzieren, wo es geht. Meinen Fernseher etwa hatte ich schon seit vier Jahren nicht mehr an, geschadet hat es wahrscheinlich nicht.

Diese Nachricht wurde von anonym am 02.12.11 (08:06:28) kommentiert.

Interessante und relativ einfach umsetzbare Tipps. Vielleicht aber zu einfach. Was mir hier fehlt, ist das Zeug, was wir sozusagen "im Vorbeigehen" wahrnehmen. Gerade überfrachtete Website-Layouts, Pop-Up-Mist und Werbespots auf Blogs lassen visuell orientierten Menschen das Gehirn immer schön mit Watte auffüllen. Diese Kleinigkeiten werden auch vom Hirn aufgesogen, ob man will oder nicht. Und ich finde es mittlerweile ziemlich lahm, das Fernsehen zu verteufeln, wenn man dann die ganze Zeit in Sozialen Netzwerken rumhängt. Das ist zwar alles richtig und toll was er erzählt, aber irgendwie reicht mir das nicht. Wenn allerdings im Anhang steht, man solle täglich für 15 Minuten eine weiße Wand anstarren und sonst nichts, dann würde ich das Buch auch lesen :D

Diese Nachricht wurde von Frau DingDong am 02.12.11 (21:06:09) kommentiert.
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