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16.08.10Leser-Kommentare

Fünf Mythen über Zeitmanagement

In einigen Kommentaren hier auf imgriff.com sind mir immer wieder Ansichten über Zeitmanagement aufgefallen, die dazu führen können, dass man weniger produktiv wird oder einfach nur frustriert vor all den Methoden sitzt. Ich nehme darum hier die fünf gängigsten dieser «Mythen» unter die Lupe.

Mythos 1: Ich muss nur das perfekte System finden, dann geht es von alleine.

Ein wunderbarer Gedanke: Ich lagere sozusagen meine Organisation und Motivation aus, und das System erledigt alles - mit mir als «Instrument». Leider nur ein Traum, denn es ist genau umgekehrt: Das System ist mein Instrument und mein Job ist es, dieses Instrument anzuwenden. Eine Säge kann noch so schön aussehen, aus den modernsten Materialien hergestellt sein und scharf sein wie nur etwas - sie in die Hand nehmen und sägen, das muss ich immer noch selber tun.

Mit dem richtigen System fürs Zeitmanagement läuft alles von alleine? Leider nicht. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

Mythos 2: Mit einem guten Zeitmanagement ist alles schon gewonnen.

Ein gutes Zeitmanagement ist einzig und allein ein Hilfsmittel, das helfen soll, die Dinge richtig zu tun. Doch viel wichtiger ist es, überhaupt die richtigen Dinge zu tun. Diese Frage ist entscheidender, als die Frage danach, wie man produktiver arbeiten kann.

Mythos 3: Erst wenn ich alles perfekt eingerichtet habe, kann ich loslegen.

Ein gutes Zeitmanagement besteht aus einer Reihe von Gewohnheiten. Es ergibt wenig Sinn, viele Gewohnheiten auf einmal verändern zu wollen. Sie müssen Schritt für Schritt eingeübt werden. Nach und nach arbeitet man so immer produktiver.

Mythos 4: Ich habe keine Zeit, mich um mein Zeitmanagement zu kümmern.

Da muss ich nochmals die Säge bemühen. Es gibt nämlich eine Geschichte von einem Holzfäller, der wie verrückt sägt. Ein Spaziergänger macht ihn darauf aufmerksam, dass seine Säge doch stumpf sei und er sie schärfen solle. Die Antwort des Holzfällers: «Ich habe keine Zeit, ich muss doch hier den Baum fällen.» Zeitmanagement ist nicht alles und schon gar nicht das Wichtigste. Es hilft aber dabei, die anstehenden Aufgaben zu erledigen, ohne gleich an seinen Reserven zu zerren. Die Zeit, die man hier investiert, macht sich also bald mehrfach bezahlt.

Mythos 5: Ich muss ein gutes Zeitmanagement haben, um noch mehr erledigen zu können.

Das ist der falsche Ansatz. Vielmehr hat man mit einem guten Zeitmanagement genügend Zeit, sich um die wirklich wichtigen Dingen zu kümmern. Entscheidend ist also nicht das Immer-Mehr. Im Gegenteil: Das führt nur früher oder später dazu, dass die Batterien völlig leer sind. Entscheidend ist zu lernen, was die wirklich wichtigen Dinge sind, um dann all die weniger wichtigen so schnell wie möglich aus dem Weg schaffen zu können.

Anmerkung: Ivan schreibt seit einiger Zeit nicht mehr für imgriff.com, sondern konzentriert sich auf sein eigenes Produktivitätsblog und Beratungsgeschäft bei blatternet.ch. Dieser Artikel stammt sozusagen noch aus dem «Nachlass» seiner Zeit bei uns.

Kommentare

  • Ralf Grabowski

    16.08.10 (17:01:17)

    Sehr schön. Diese fünf Punkte sind wohl bekannt, man kann sie aber nicht oft genug wiederholen. Übrigens bin ich dem Mythos 3 auch eine Zeit lang erlegen. Und meiner Erfahrung nach tun das nach wie vor vielen Menschen. Doch das perfekte System gibt es nicht. Gutes Zeitmanagement, gute Produktivitäts-Tools zeichnen sich dadurch aus, dass man sie immer mal wieder ändern und anpassen muss.

  • Steffen

    18.08.10 (22:33:25)

    Zu Mythos 5: Wer sich dank seines guten Zeitmanagement immer mehr und mehr auflädt, schuftet für die anderen mit, die kein gutes Zeitmanagement haben. Eines Tages klappt man - trotz seines guten Zeitmanagements - zusammen.

  • Sonja

    19.08.10 (18:04:36)

    Mythos 3 ist mir auch bekannt. Allerdings habe ich auch schon erlebt, dass er dazu benutzt wird, erst gar nicht mit einer Aufgabe anfangen zu müssen. Mythos 5 kann leicht der Beginn eines Burnouts werden.

  • Michael

    18.06.11 (10:53:40)

    Ich finde, Mythos 4 am interessantesten. Denn das ist das Hauptproblem unserer heutigen Gesellschaft. Wir müssen fertig werden, ohne vorher genau zu überlegen, ob das überhaupt der beste Weg ist.

  • Markus

    01.11.11 (10:39:29)

    Dem kann ich mich nur anschliessen. War bei mir genauso, habe immer mehr gemacht und auch noch für die anderen mitgearbeitet. Auch mit gutem Zeitmanagment heisst es dann zum Teil Überstunden. Als ich was ändern wollte wurde ich vom Chef rausgemobbt. Was wieder auf Mythos 3 zeigt, es gibt nichts pefektes, man muss sich immer wieder verändern.

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