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28.08.13

e-Plunder: Warum das Aufbewahren nur ganz selten schlau ist

Peinlich: Keinen halben Meter neben der Kiste mit dem «Elektronik-Sammelsurium» steht in meinem Büroregal das Buch «Simplify your Life» mit dem Kapitel «Entrümpeln Sie Ihre Umgebung», das ich - wie das ganze Buch - schon vor Jahren gelesen habe. Aber wenn ich das weiss: Wieso mache ich's nicht? Ein Versuch, aus logischen und psychologischen Aspekten eine praktikable Lösung zu finden.

Ich gebe zu: Ich werfe meiner Frau immer wieder vor, sie bewahre sinnlos alten Plunder auf. Dinge, die mittlerweile völlig unnütz sind. Schuhe, die seit Jahrzehnten nicht mehr «in» sind. Oder ein (grosszügig geschätzt) 50cm hoher Turm aus Plastiktellern, aus denen unsere Tochter vor mehr als zehn Jahren zum letzten Mal gegessen hat. Oder die Flugtickets und Einsteigekarten der Sommerferien der vergangenen 200 Jahre.Aber - unter uns gesagt - ich bin genauso. Nicht bei Schuhen; da bin ich ganz Mann. Aber bei elektronischem Zeugs. Da bin ganz besonders Mann! Da bin ich schlimmer als meine Frau mit ihrer Schuh-Teller-Tickets-Sammlung.

Wo liegt das Problem?

Ich spreche nicht von jenen e-Preziosen, die ich, als Informatiker der frühen 1980er Jahre und Technikinteressierter, zur Erinnerung an damals behalten will. Damals, als der «Apple Newton» das hipste Gadget war (sagten wir schon «Gadget» oder noch «Gerät»?). Damals, als ein «anständiger» Walkman noch mindestens 500 Schweizer Franken und damit knapp einen Wochenlohn kostete. Damals vor über 10 Jahren, als ich mir zu Beginn meiner Selbstständigkeit als Coach mein erstes Business-Notebook kaufte. Diese Dinge sind, wenn bewusst ausgewählt, keine Belastung und nicht das Problem.

Das Problem ist der ganze Plunder, der sich im Laufe der Jahre ansammelt und mir jedes Mal, wenn ich das Zeug sehe, ein schlechtes Gewissen macht: «Das hättest Du viel früher verkaufen müssen, jetzt will's sowieso keiner mehr. Gegen Bezahlung schon gar nicht!» Mein Plunder:

  • ein iPod der vierten Generation von 2004 (der erste mit ClickWheel und noch mit einer richtigen Festplatte)
  • ein Dutzend LAN-Kabel (in allen Längen und Farben)
  • ein Funktelefon mit Ladestation, das ich längst durch eines mit Funk-Freisprechgarnitur ersetzt habe (ich tigere rum beim Telefonieren)
  • ein Palm PDA, mit dem man in den 1990er Jahren als moderne Führungskraft das kiloschwere Zeitplanbuch ersetzte
  • eine digitale Kompaktkamera der ersten Jahre mit einem 1.5-Zoll-Display und einer schweineteuren 256-MB-CompactFlash-Card
  • mein erstes Smartphone, das Sony Ericsson P900; gemäss Testbericht von 2003 zwar ein «grosser Brocken», aber eine «lohnende Investition»
  • rund 10 Ladegeräte, bei denen ich «eigentlich schon lange mal» überprüfen sollte, ob's die dazu gehörenden Geräte überhaupt noch gibt
  • eine irgendwann aus irgendeinem Notebook ausgebaute Festplatte, die einer grösseren Platz machen musste
  • usw., usf.

Meine Gadget-Gerümpelbox. Um genau zu sein: eine von drei Gerümpelboxen; eine weitere steht unter dem Pult und die grösste ist irgendwo im Keller.

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Wieso ist das Entrümpeln gar nicht so einfach?

Woran liegt's, dass sich über Jahre hinweg solche vermeintlichen Schätze anhäufen, man sich daran stört, aber die regelmässige Entrümpelung nicht gelingen will?

Am Loswerden kann's nicht liegen: Annahmestellen gibt's fast überall, und die Entsorgung ist - zumindest in der Schweiz - bei Elektro- und Elektronikteilen kostenlos. Oder sind es nostalgische Gefühle gegenüber der guten, alten Zeit, als wir jung waren und mit dem Walkman hinauszogen in die grosse, weite Welt? Oder steckt dahinter vielleicht eine völlig absurde Idee, das ausgegebene Geld käme irgendwann zurück, wenn man den Gegenstand nur lang genug behielte?

Werner Tiki Küstenmacher schreibt in seinem Bestseller «simplify your life», die Wohnung eines Menschen sei der Spiegel seiner Seele, und jeder Wohnungsteil habe ein Pendant in seinem Körper bzw. in seiner Persönlichkeit: Das Badezimmer sei die innere Mitte, der Keller die Vergangenheit und das Unbewusste, die Küche der Bauch usw. Eine gewagte, aber nicht uninteressante These.

Die Lösung

Am Wochenende gibt's hier Action: Ich werde mich vom Grossteil meines alten Elektronikzeugs trennen. Und so gehe ich vor:

  1. Zuerst werde ich die Sachen aus allen e-Gerümpel-Kisten zusammentragen und in weiteren heimtückischen Verstecken wie Schreibtischschubladen oder Fotoschrank nach weiteren Dingen suchen, die ich entweder bewusst aufbewahren oder als Ballast loswerden will.
  2. Anschliessend mache ich eine Auslegeordnung und sortiere die Dinge (ich hoffe, der Tisch reicht, sonst auf dem Fussboden).
  3. Dann wähle ich ganz bewusst jene Stücke aus, die ein Symbol für eine frühere Zeit sind und an die ich mich immer wieder gerne erinnern möchte. «Maximal 10 Erinnerungsstücke» - das ist mein Ziel.
  4. Im nächsten Schritt lege ich jene Dinge zur Seite, bei denen ich ziemlich sicher bin, dass sie sich noch verkaufen lassen. Wenn die Zeit noch reicht, stelle ich die Dinge gleichentags auf Ebay oder Ricardo.
  5. Schliesslich suche ich jene Dinge heraus, die ich verschenken kann: das noch funktionstüchtige Notebook, das Funktelefon und andere Dinge, die Menschen gerne hätten, sich aber vielleicht nicht leisten können.
  6. Und der ganze Rest? Der ist Müll, den ich in der Garage bereit legen werde, um ihn bei nächster Gelegenheit auf dem Werkhof der Gemeinde zu entsorgen.

Und dann? Dann frage ich - mit breitem, stolzem Grinsen - mal wieder bei meiner Frau nach. Wie's denn so gehe mit dem Entsorgen von Plastiktellern, Flugtickets und Schuhen, die längst out sind.

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