Konsens, Konsent oder Systemisches Konsensieren: Wie Teams besser entscheiden

Unternehmensdemokratie in Zeiten von New Work: Es gibt mehrere Wege, gemeinsam zu entscheiden. Entscheidend sind klare Prozesse, Rollen und transparente Kriterien.

Überblick der Methoden

Methode Kurzdefinition Typische Einsatzfälle
Konsens Gemeinsame Lösung, auf die alle hinarbeiten; niemand ist mehr klar dagegen. Strategische Themen mit hoher Tragweite und großem Commitment-Bedarf.
Konsent Entscheidung, wenn es keinen schwerwiegenden Einwand gibt. Schnelle, praxisnahe Entscheidungen in selbstorganisierten Teams.
Systemisches Konsensieren Viele Vorschläge; der mit dem geringsten Gruppenwiderstand „gewinnt“. Wenn Widerstände sichtbar gemacht und minimiert werden sollen.

Autoritätsentscheidung (Referenz)

Eine Person mit formaler Verantwortung entscheidet. Das kann sehr schnell sein, bindet aber Wissen aus der Gruppe nur begrenzt ein.

Konsens

Definition: Die Gruppe diskutiert so lange, bis eine Lösung entsteht, der alle zustimmen oder der niemand mehr aktiv widerspricht.

  • Vorteile: Hohe Akzeptanz, breite Einbindung, gutes Commitment.
  • Nachteile: Zeitintensiv; oft „kleinster gemeinsamer Nenner“; Moderation nötig.
  • Hinweis: Ab einer bestimmten Gruppengröße Untergruppen und klare Agenda nutzen.

Konsent

Definition: Ein Vorschlag gilt als „gut genug für jetzt, sicher genug zum Ausprobieren“, sofern kein schwerwiegender Einwand vorliegt.

  • Vorteile: Schnellere Entscheidungen; Argumente zählen statt Mehrheiten.
  • Nachteile: Einwände müssen begründet werden; Kriterien für „schwerwiegend“ festlegen.
  • Praxisregel: Einwand = belegtes Risiko (z. B. Compliance, Sicherheit, Kosten).

Systemisches Konsensieren

Definition: Zu vielen Vorschlägen wird der Widerstand (0–10) gemessen; die geringste Summe setzt sich durch.

  • Vorteile: Kreativitätsfördernd; minimiert Konfliktpotenzial; macht latenten Widerstand sichtbar.
  • Nachteile: Vorbereitung nötig; bei heiklen Themen besser anonym messen.
  • Passivlösung: Vorab festlegen (z. B. „Status quo bleibt“ oder „Leitung entscheidet“).

Welche Methode wann?

  • Hohe Tragweite + viel Commitment nötig: Konsens (mit klarer Moderation und Zeitboxen).
  • Schnell handlungsfähig bleiben: Konsent (klare Einwandkriterien definieren).
  • Widerstände aktiv managen: Systemisches Konsensieren (anonyme Bewertung möglich).
  • Operative Routineentscheidungen: Delegierte Autoritätsentscheidung mit Feedbackschleife.

Schritt-für-Schritt: Entscheidungsrahmen aufsetzen

  1. Thema und Tragweite klären: Risiko, Budget, Betroffene, Zeitdruck.
  2. Methode wählen: Konsens, Konsent, Systemisches Konsensieren oder Autorität.
  3. Rollen festlegen: Moderation, Protokoll, Entscheiderkreis.
  4. Regeln definieren: Zeitboxen, Einwandkriterien, Passivlösung.
  5. Transparenz sichern: Ergebnis dokumentieren, Review-Termin setzen.

Checkliste für Meetings

  • Ziel und Entscheidungstyp vorab kommunizieren.
  • Agenda mit Zeitboxen und Entscheidungsfrage formulieren.
  • Relevante Daten und Risiken bereitstellen.
  • Einwände sammeln und gegen Kriterien prüfen.
  • Ergebnis, Verantwortliche, nächster Review-Termin festhalten.

Fazit

Es gibt nicht die eine beste Methode. Entscheidend ist die Passung zur Fragestellung, die Transparenz der Regeln und die Kultur, Einwände als Beitrag zur Qualität zu verstehen.

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