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06.04.17

Gastbeitrag

Lokalisierung im eCommerce: Diese Sprachen sorgen für mehr Reichweite

Ljubica Negovec


(Bild: Pixabay)

Jeder Betreiber eines Onlineshops hofft natürlich auf eine möglichst große Reichweite. Denn, eine maximale Reichweite zu generieren, geht meist mit höheren Umsätzen einher. Im heimischen Markt können die Grenzen schnell erreicht und das Potential ausgeschöpft sein.

Deshalb sollte man sich rechtzeitig damit auseinandersetzen, welche weiteren Länder für eine Expansion interessant sind. Insbesondere schnell wachsende Startups im Bereich eCommerce sollten frühzeitig überlegen, wohin eine Expansion lohnenswert ist und dementsprechend eine Strategie entwickeln, wie sich diese ausländischen Märkte erschließen lassen. 

Bestandsaufnahme vor der Expansion 

Viele potenzielle Kunden leben außerhalb der deutschen Grenzen. Um diese zu erreichen, sollten einige Dinge unbedingt berücksichtigt werden. Denn die Sprache, die in den heimischen Gefilden gesprochen wird, wird woanders oft nicht verstanden. Das betrifft zum einen die gesprochene und geschriebene Sprache, aber ebenso auch die Bildsprache und die Produktauswahl, die man in seinem Shop anbietet.

Viele eCommerce-Unternehmen unterschätzen die Wirkung eines mehrsprachigen Angebots. Sie bieten ihre Produkte dann in ihrer heimischen Sprache und vielleicht maximal noch in Englisch an. Damit verpassen sie jedoch die Chance auf den Erfolg in anderen Märkten, die ein großes Potential bergen. Insbesondere in asiatischen Ländern nimmt der Konsum immer mehr zu und besitzen deshalb für viele Händler in Westeuropa ein attraktives Zielpublikum.

Für ein erfolgreiches Wachstum sollte jedes eCommerce-Bestreben eine Bestandsaufnahme machen, wie gut es aktuell aufgestellt ist, um sich international am Markt behaupten zu können:

  • Welche Produkte biete ich an?
  • Welche Produkte sind auf dem Zielmarkt aktuell beliebt?
  •  Wie sieht meine Zielgruppenansprache aktuell aus?
  • Welche Länder befinden sich wirtschaftlich im Aufschwung?
  • Welche Länder haben ihr Potential bereits voll ausgeschöpft?
  • Welches sind meine Zielländer?
  • Was fehlt mir noch, um diese zu erreichen?

7 wichtige Fakten zum eCommerce

Ist sich ein eCommerce-Unternehmen noch nicht sicher, welche Länder ein gutes Wachstumspotential für sich birgt, können folgende 7 Fakten eine Entscheidungshilfe sein:

Fakt 1: der Anteil der europäischen Internetnutzer liegt lediglich bei 17 Prozent.

Fakt 2: Jeder zweite Internetnutzer lebt im asiatisch/pazifischen Raum.

Fakt 3: Der Umsatz im E-Commerce ist stark gestiegen und wächst mit hohem Tempo weiter. Statista Digital Market Outlook prognostiziert bis 2020 weltweit rund 2 Milliarden eCommerce-Nutzer.

Fakt 4: Das Wachstum wird dabei vor allem den Ländern vorausgesagt, in denen die Anzahl der Online-Käufe aktuell noch vergleichsweise niedrig ist. Ein großes Potential birgt insbesondere der asiatisch-pazifische Raum.

Fakt 5: Beispielsweise ist in China die Zahl der Online-Käufer innerhalb der letzten zehn Jahre um mehr als das Zwölffache gestiegen. Inzwischen sind es 400 Millionen Menschen, die ihre Einkäufe online tätigen.

Fakt 6: Mit Blick auf das Marktvolumen im Online-Handel liegt China inzwischen auf Augenhöhe mit den USA. Tendenz: steigend.

Fakt 7: In Deutschland ist das Potential der Online-Verkäufe mit 60% bereits gut ausgeschöpft. Dennoch wird ein Wachstum der E-Commerce-Nutzer um 15 Prozent bis 2020 prognostiziert.

Mit der richtigen Sprache zum Erfolg

Basierend auf diesen Fakten ist es nicht verwunderlich, dass Chinesisch (25%) mit Englisch (22%) und Spanisch (9%) die drei Top-Sprachen anführt, wenn es um die Abdeckung des größten Teils (80%) der Online-User geht.

Wenn es um das Erreichen der Online-Wirtschaft geht, landet die deutsche Sprache jedoch auf einem der vorderen Plätze. Mit Spanisch teilt sie sich dort den vierten Platz (8%). Auf Platz 1 steht, Englisch mit 37%, gefolgt von Japanisch mit 11%.

In welche Sprachen ein Online-Shop übersetzt werden sollte, oder ob eine englische Übersetzung ausreicht, hängt also immer von den Produkten und der jeweiligen Zielgruppe eines Shops ab. Allgemeinhin gilt Englisch international immer noch als Standard-Sprache für die Ansprache einer breiten Zielgruppe.

Auch wenn China ein großes Potential für Online-Shops besitzt, muss natürlich keine Anpassung des Webshops stattfinden, wenn keine Handelsbeziehungen angestrebt werden. Anders sieht es jedoch mit den Ländern aus, die auf der Unternehmensseite mit Produktionsstandorten und Vertriebspartnern angeführt sind. Für diese Länder sollte eine Übersetzung und Lokalisierung des Shops vorgenommen werden.

Viele Unternehmen unterschätzen die Diversität von Sprache und Kultur innerhalb der EU und greifen deshalb oft nur auf die eigene Landessprache und bestenfalls noch auf eine englische Übersetzung zurück. Dadurch verpassen sie jedoch eine gute Chance auf den Ausbau ihrer Reichweite.

Online-Shops mit einer französischen Übersetzung beispielsweise, nutzen ihr Potential nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb der EU. Denn, vor allem im arabischen Raum, in dem Französisch weit verbreitet ist, gewinnt eCommerce immer mehr an Bedeutung. Das erklärt auch, weshalb Französisch (32%) gleich nach Englisch (54%) und dicht gefolgt von Arabisch (25%) zu den wichtigsten Sprachen zählt, mit denen ein großer Teil der Weltbevölkerung erreicht werden kann. 

Lokalisierung ist mehr als Übersetzung

Ganz gleich, ob man sich für eine Übersetzung in die jeweilige Landessprache entscheidet, oder bei einer englischen Übersetzung bleibt - wenn ein Business über Ländergrenzen hinausgeht, ist es automatisch auch mit kulturellen Unterschieden konfrontiert. Sprich: neben möglichen Sprachbarriere kommen außerdem kulturelle Besonderheiten hinzu, die das Konzept eines Online-Shops stark beeinflussen können.

Es kommt also nicht nur auf die Wahl der richtigen Sprache an, sondern auch darauf, dass man seine potentiellen Kunden auch kulturell „abholt“. Vor allem bei der Expansion in asiatische Märkte, ist besonderes Feingefühl geboten, da im Vergleich zu Europa ganz andere Aspekte bei der Zielgruppenansprache im Vordergrund stehen.

Steht in Europa und den USA eine persönliche Ansprache der Kunden im Fokus, liegt bei Japanern und Chinesen das Produkt selbst im Vordergrund. Hinzu kommt, dass Vorlieben für Navigation und Design in westlichen und asiatischen Ländern stark voneinander abweichen. Deshalb bietet es sich an, einen länderspezifischen Internetauftritt zu gestalten. Um von den Suchmaschinen in den verschiedenen Ländern gut gefunden zu werden, sollte außerdem eine landestypische Top-Level-Domain verwendet werden.

Bevor ein Onlineshop ins Ausland expandiert, muss eine ausführliche Analyse des Marktes stattfinden. Wie funktionieren Online-Shops in anderen Ländern? Dazu gehört auch, sich das Produktsortiment anzusehen. Denn, auch dieses muss gegebenenfalls an die unterschiedlichen Länder angepasst werden.

Fazit

Wenn man mit seinem Online-Shop expandieren möchte, ist eine akribische Analyse des Zielmarktes Voraussetzung für den Geschäftserfolg. Wird man von den Suchmaschinen im Zielland nicht gefunden, spricht die falsche Sprache, trifft den falschen Ton, veröffentlicht unangemessene Bilder, oder vertreibt das „falsche“ Produkt (obwohl es sich im heimischen Markt bewährt hat), ist das Übersetzen des Online-Shops vergebene Liebesmüh und der Erflog bleibt aus.

Asiatische Märkte bieten ein großes Potential für Online-Shops, dass über die kommenden Jahre weiterwachsen wird. Es lohnt sich also, diese Entwicklung im Blick zu behalten. Wenn man in naher Zukunft nach Asien expandieren möchte, sollte man ausreichend Zeit und Ressourcen einplanen, um den Online-Shop fit für den neuen Markt zu machen. Es gilt kulturelle Unterschiede, Sprachbarrieren und unterschiedliche Design-Präferenzen zu berücksichtigen, damit das Geschäft auch im Ausland Erfolg hat.

Autor: Ljubica Negovec

Ljubica Negovec, Gründerin und Geschäftsführerin der Übersetzungsagentur AlleSprachen in Wien, blickt auf mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Übersetzungsbranche zurück. Neben der Akquise neuer Kunden ist sie außerdem für die Mitarbeiterführung und die technische sowie sprachliche Weiterentwicklung des Unternehmens zuständig.
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