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22.12.09

Informationen, Wissen und Lernen: Tools für das persönliche Wissensmanagement

Was muss ich wissen und wie eigne ich mir neues Wissen an: Das war der Fokus des ersten Teils dieses Artikels zum persönlichen Wissensmanagement. Teil zwei widmet sich dem Geek-Aspekt: Welche Tools eignen sich dazu?

Im ersten Teil habe ich fünf Schritte zum persönlichen Wissensmanagement vorgeschlagen. Ich setze verschiedene Tools dazu ein. Wir lieben unsere Tools und Gadgets – meine Auswahl ist eine persönliche und subjektive, im besten Fall mag sie als Beispiel und Anregung dienen. Für jedes vorgeschlagene Instrument gibt es Alternativen, die sich hier und dort unterscheiden oder vielleicht sogar besser sind. Aber wie gesagt: Ich habe meine lieb gewonnen.

1. Schritt: FINDEN

Das Eingangstor: Der Google Reader

Die ganze Welt in einer Applikation. So kommt mir mein Google Reader manchmal vor. Ich lese damit Blogs, Zeitungen, Zeitschriften und lasse mich via Google Alerts über bestimmte Suchwörter im Web informieren. Wie konnte ich ohne leben? Mehr und mehr finden sich Spuren von Crowd Intelligence im Reader: Ich nutze Aggregatoren wie Rivva und verfolge, was andere Nutzer lesen (via die «People you follow»-Funktion). Anfangs eher skeptisch eingestellt stoße ich inzwischen immer wieder auf interessante Artikel aus bisher unbekannten Quellen. Die Information findet inzwischen mich. Zur Zeit lese ich rund 200 verschiedene Publikationen – vermutlich ist das nicht besonders viel. Nach dem Urlaub stehen schon ein paar Hundert neue Artikel zum Lesen an. Hier hilft ein unbekümmerter Knopfdruck: Mark all as read.

2. Schritt: UNVERHOFFTES FINDEN

Old School: Zeitungen und Zeitschriften

Ich gestehe: Ich lese Printpublikationen, darunter sogar eine Tageszeitung. Auf Papier. Die altmodische lineare Leseweise lässt mich Dinge finden, die ich nicht gesucht habe. Oft sind es fachfremde Themen, die an der Grenze zu meinen Interessen liegen oder mich zu etwas Eigenem inspirieren. Unverhofftes Finden nenne ich das. Häufig ist es «nur» interessant; ich lese Dinge aus Neugier, ohne gleich was damit anzufangen. Und außerdem: Ich lese nun mal gerne Zeitung zum Kaffeetrinken. Das entsprechende Gefühl stellt sich vor dem Computer einfach nicht ein (und nein, auch am iPhone nicht).

Hören und staunen: Videos und Podcasts

Mehr und mehr finde ich Interessantes in Videos sowie Screen- und Podcasts. Wahre Schätze finden sich in den Podcast-Archiven der öffentlich-rechtlichen Radioanstalten. Podcasts abonniere ich ganz profan mit iTunes. Auch 2009 mag ich E-Mail-Newsletter. Leider redet heute niemand mehr davon; ich habe immer noch etwa zwei Dutzend abonniert. Gut gemacht bietet mir dieses Format einen Überblick in kurzer Zeit.

3. Schritt: SAMMELN

Alles rein: Evernote

Beim Lesen entscheide ich, was ich aufbewahren will. Das geschieht in Sekunden und hat wenig Wissenschaftliches. Im Zweifelsfalle wird gespeichert. Schließlich bin ich auch ein Jäger und Sammler. Als digitalen Archivkasten setze ich Evernote ein (hier die imgriff.com-Review zu Evernote). Die systemweite Integration ist für mich der große Vorteil. Das Skript in der Browserleiste, das Mac OS X-Pendant in der Menubar, die E-Mail-Funktion für Newsletter oder die Send to-Funktion im Google Reader: Egal wo ich gerade bin, mit zwei Klicks ist der Artikel, die Website oder E-Mail in Evernote. Kurz getaggt und das Wiederauffinden ist kein Problem. Evernote ist die einzige Applikation, die ich für das Sammeln nutze. Also keine E-Mail-Newsletter im Mailprogramm aufbewahren, keine Blogeinträge im Google Reader für später vormerken und keine Websites in Read it later-Applikationen markieren. Das entschlackt die Suche: Wenn ich es nicht in Evernote habe, habe ich es nicht.

Für Eigenes: Der Zettelkasten

Irgendwie kommt es meiner Hirnstruktur entgegen, wenn ich Material von Dritten und selbst Gedachtes getrennt aufbewahre. Für meine Notizen, Textfragmente, Gedanken und Ideen nutze ich den Zettelkasten in der Version 3. Florian hat vor einiger Zeit eine kurze Einführung zum Zettelkastensystem nach Luhmann geschrieben. Die Freeware bietet Notizfunktionen mit ausgeklügelter Verschlagwortung. Dazu kommt die Möglichkeit, Quellen und Anhänge zu notieren. Ein Vorteil gegenüber Evernote: Mit der Schreibtischfunktion breite ich einzelne Notizen zu einem Thema vor mir aus. Verschiedene Fragmente lassen sich so übersichtlich zu einem gesamten zusammenfügen.

4. Schritt: STRUKTURIEREN

Ordnung ins Chaos: Mind Maps

Ich finde Informationen, sammle sie und finde sie wieder. Bloß: Bis jetzt habe ich vieles erfahren, aber noch wenig gelernt. Ich eigne mir Wissen am besten an, wenn ich es neu strukturiere. Mein Instrument dafür sind Mind Maps. Ich verwende den MindManager, andere Tools bieten einen ähnlichen Funktionsumfang. Ich gehe die gesammelten Informationsnuggets durch und was wichtig scheint, wird in das Mind Map reingehackt – in Stichworten und in kürzester Zeit. Am Ende lege ich die Quellenmaterialien weg und beginne mit dem Umbau. Was gehört zusammen, in welcher Reihenfolge und in welcher Hierarchie, was ist wichtiger, was weniger, was fehlt? Ich spüre fast körperlich, wie die Neuronen zwischen meinen Synapsen hin- und herschießen. Danach habe ich Informationen gewichtet, bewertet, strukturiert und in Zusammenhang gebracht. Ich habe das Thema für mich neu aufgebaut. Oder: Ich habe gelernt.

5. Schritt: PUBLIZIEREN

Blogs: Arbeit an der Sprache ist Arbeit am Gedanken

Jochen Robes, weiterbildungsblog.deDiese Lernerfolge lassen sich durch Schreiben verstärken. Einen Sachverhalt für andere aufzubereiten setzt eine nochmalige, vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema voraus (Camilla hat in einem Beitrag beschrieben, wie sie Texte aus Mind Maps erstellt). Zu diesem Zweck haben wir vor einigen Jahren ein neues Instrument erhalten: Blogs. Ein Blog ist ein erstklassiges Lernarrangement – Interaktion und Feedback-Schleifen inklusive. Für den E-Learning-Spezialisten und Blogautoren Jochen Robes ist das eigene Lernen ein Hauptnutzen seines Schreibens. In einem Vortrag über seine Bloggertätigkeit zitiert er Seth Godin: „Wenn niemand deinen Blog liest: Es spielt keine Rolle! Viel wichtiger ist darüber nachzudenken, was man tut und zu sagen, wie man sich darstellt – ganz egal, ob es für einen Kollegen oder Deine Katze ist.“

E-Books und Amazon Reviews

Mit Schreiben strukturiere ich neu Gelerntes. Publizieren ist mir auch aus motivationalen Gründen wichtig: Es dient als Ansporn, weil ich mich verpflichte. Im günstigen Fall ensteht eine Diskussion und ich erweitere mein Netzwerk. Und es ist auf jeden Fall Arbeit an meinem digitalen Reputationsmanagement. Kompetenzen werden sichtbar. Zwei weitere Instrumente, die sich gut eignen: Amazon Reviews und E-Books. Amazon Reviews werden 2010 regelmäßig auf meiner To-Do-Liste stehen. Ich werde ein Buch pro Monat lesen und auf Amazon eine Rezension dazu veröffentlichen. So vertiefe ich neu Gelerntes und gleichzeitig profitieren andere davon. Ganz ehrlich: Es befriedigt auch meine Eitelkeit, wenn 38 von 39 Leuten meine Rezension hilfreich fanden. Auch E-Books haben einen doppelten Nutzen: Sie unterstützen das eigene Lernen und belegen die neu erworbenen Kompetenzen. Ich gehe mit Seth einig: Es spielt keine Rolle, ob es tausend Leute downloaden. Aber bei der nächsten Stellenbewerbung oder im Verkaufsgespräch in vier Monaten kann es Gold wert sein.

BASISKOMPETENZEN DES WISSENSARBEITERS

Lernen und Schminken

Meine Auswahl an Tools und Methoden für das persönliche Wissensmanagement ist subjektiv und die meinige. Jede Software führt nämlich nach Rom. Solange man weiss, dass man nach Rom will. Sich eigene Wissensziele zu setzen ist der Schlüssel, um den gefühlten Information Overload zu verhindern. Durch das Internet hat sich die Menge an Informationen vervielfacht. Das Internet bietet aber auch die Werkzeuge, um damit umzugehen, etwa Ausdrucks- und Lernmöglichkeiten wie Blogs, Twitter, Diskussionsforen oder Videos. Ein Beispiel: Viele Leute vermuten in juicystar07 und ihren youtube-Videos über Make-up und Haare nur einen unbändigen Drang zur Selbstdarstellung, Banalitäten und Kommerz. Vielleicht. Vor allem aber eignet sie sich die Basiskompetenzen der Wissensarbeiterin an. Sie lernt Wissen zu sammeln, aufzubereiten und zu präsentieren. Sie lernt mit neuen Technologien umzugehen und eigene Inhalte zu erstellen. Sie lernt, andere Leute zu motivieren und anzuregen. Sie lernt sich zu präsentieren und zu verkaufen. Wie war das doch gleich, kürzlich im Bewerbungskurs für Arbeitssuchende?

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