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20.01.12

Arbeitsplatzgestaltung: Was ist der Sinn eines Büros?

Wo erledige ich meine Arbeit? Meistens stellen wir uns die Frage nicht; «im Büro» ist aber selten die beste Antwort. Wie es anders geht, versucht Microsoft mit einem neuen Gebäude zu zeigen.

The CubicleKonzepte schreiben, Spesenabrechnung erledigen, das Teammeeting leiten, den Projektpartner in Mexiko anrufen, die Branchennews im Web durchscannen, mit Tischnachbarn die neue Produktidee diskutieren, das Fachbuch gründlich anschauen und beim Kaffee den neuesten Klatsch erfahren.

Der Arbeitstag eines Wissensarbeiters ist geprägt von ganz unterschiedlichen Aufgaben. Erstaunlich ist der Ort, an dem diese Aufgaben erledigt werden: im Büro. Unterschiedliche Aufgaben, unterschiedliche Anforderungen, aber wir haben bloss eine «Raum-Antwort» dafür. Seltsam.

Das Büro ist kein Ort zum Arbeiten

Seltsam, weil es nicht sein kann, dass unser Büro für alle diese Tätigkeiten gleich gut geeignet ist. Es ist schwierig, sich auf das Fachbuch zu konzentrieren, wenn der Kollege nebenan den Projektpartner in Mexiko anruft. Was ist also der Sinn des Büros? Und wo erledige ich am besten welche Arbeit? Mögliche Antworten zu diesen Fragen zeigt Microsoft mit einem neu umgebauten Bürogebäude in der Schweiz. Der Softwarekonzern hat sich für den Umbau zwei Grundsätze zu eigen gemacht: Erstens ist das Büro ein Ort, an dem Menschen zusammen arbeiten. Zweitens: Wenn sie dort arbeiten, sollen sie möglichst viele Raumtypen zur Auswahl haben - passend zum gerade anstehenden Vorhaben.

Kaffeebar, Xbox-Raum und Focus Rooms

Ziemlich grün

Die 400 Mitarbeitenden in Wallisellen bei Zürich haben jetzt 18 Raumtypen zur Auswahl. Sitzungsräume, Projekträume, Kabinen zum Telefonieren, eine Bibliothek, «Focus Rooms» und viele Gelegenheiten, andere Menschen zu treffen: Kaffeebars, Open Work Spaces und einen Xbox-Raum. Bloss Einzelbüros gibt es nicht mehr, auch nicht für Führungskräfte. Zusammenarbeit steht also im Vordergrund - über Team- und Abteilungsgrenzen hinweg. 90% der 400 Mitarbeitenden haben unter anderem deshalb keinen fixen Arbeitsplatz mehr.

Bis zu zwei Tagen Home Office

Einer der wichtigsten Arbeitsplätze befindet sich aber gar nicht im Microsoft-Gebäude: Die Mitarbeitenden arbeiten inzwischen ein bis zwei Tage pro Woche im Home Office. Das, so Microsoft, komme den Bedürfnissen der Mitarbeitern entgegen und habe auch sonst Vorteile. Ruhe, Konzentration oder selbstbestimmte Tagesplanung nennen die Mitarbeitende als Hauptgewinne - erhöhte Produktivität also. Das Konzept rechnet sich auch: Den 400 Mitarbeitenden stehen 220 Schreibtisch-Arbeitsplätze zur Verfügung (dafür wurden die Plätze aus dem Bereich «Social Seating» fast verdreifacht, die Zahl der Plätze in Meeting Rooms verdoppelt) und lässt noch Platz für bis zu 200 zusätzliche Mitarbeitende.

Was tun, wenn man kein Software-Konzern ist

Microsofts Ideen sind interessant und es wird spannend sein zu sehen, ob die erhofften Vorteile auch tatsächlich eintreten - der Konzern lässt das Projekt von einer Schweizer Hochschule wissenschaftlich auswerten. Was aber tut man, wenn das eigene Unternehmen nicht Microsoft oder Google heisst? Ganz einfach: Man macht es genau gleich, bloss ohne das ganze Geld auszugeben. Den eigenen Mitarbeitern die Arbeit im Home Office zu ermöglichen ist zu allererst eine Frage der Unterenehmenskultur und der Führung. Und hier musste auch Microsoft nach eigenen Angaben drei Jahre lang dran arbeiten: Was tut ein Vorgesetzter, wenn er seine Schäfchen nicht mehr im Blickfeld hat? Vertrauen aufzubauen ist der Schlüssel - das kostet vor allem Zeit.

Die Cloud und Third Places

Egal ob Startup oder ein globaler Konzern: Heute kann es sich jeder leisten, die Tools zu nutzen, die es für verteiltes Arbeiten braucht. Die «Cloud», ob von Microsoft, Google oder Dropbox, bietet zahlbare Möglichkeiten für jeden. Auch andere Raumtypen lassen sich realisieren: Unser Verlag beispielsweise, die Blogwerk AG mit 15 Mitarbeitenden, hat etwa 200 «Social Seatings» zur Verfügung (etwas weniger als Microsoft, aber immerhin), für Sitzungen, kreative Hangouts und Zweiergespräche. Die Starbucks-Filiale liegt gleich nebenan, verfügt über WiFi und im Sommer auch über eine von uns sehr geschätzte Klimaanlage.

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