Recruitainment: Arbeitgeber überzeugen Bewerber mit kreativen Ideen

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Noch ist Recruitainment eher die Ausnahme

Bei dem neuartigen Konzept "Recruitainment" handelt es sich um eine Wortkombination aus Recruiting und Entertainment: Traditionelle Formen, um Bewerber anzusprechen und als Unternehmen für sich zu gewinnen, werden immer öfter durch spielerisch-simulative Komponenten im Prozess der Personalgewinnung ersetzt. Natürlich verfolgen unterhaltsame Momente ein Ziel: Angesichts des Fachkräftemangels sind viele Unternehmen darauf angewiesen, mit kreativen Mitteln den Kampf um die besten Köpfe aufzunehmen. Es besteht die Chance, sich deutlich von der Konkurrenz abzuheben bzw. sich als attraktiver Arbeitgeber in Szene zu setzen (Stichwort Employer Branding). In dieser Hinsicht kann Recruitainment schon in der Phase der beruflichen Orientierung zum Einsatz kommen.

Warum setzen Arbeitgeber auf Recruitainment?

Auch wenn Recruitainment noch nicht flächendeckend von allen Unternehmen eingesetzt wird, so nutzen immer mehr Personalabteilungen spielerische Mittel bei der Suche neuer Mitarbeiter. Bewerber werden also in Zukunft öfter mit unterhaltsamen Bewerbungsprozessen in Berührung kommen.

Unternehmen wollen Bewerber mit solchen kreativen Ansätzen unterhalten, um auf sich aufmerksam zu machen und idealerweise direkt auf einer emotionalen Ebene für eine Verbindung zu sorgen. Recruitainment Instrumente können bereits im Rahmen der Berufs- oder Studienorientierung mit Tests eingebunden werden. Noch lange vor einer Bewerbung können infrage kommende Kandidaten in die richtige Ausbildungsrichtung 'gelenkt' werden. Langfristig betrachtet können Unternehmen mit Recruitainment die Qualität der Bewerbungen verbessern.

Positionierung als attraktiver Arbeitgeber

Wer als Arbeitgeber mit kreativen Ansätzen aus der grauen Masse hervorsticht und mit Inhalten sowie beruflichen Perspektiven überzeugen kann, wird sich als attraktive Marke positionieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich sehr gut ausgebildete Kandidaten tatsächlich bewerben, steigt deutlich. In psychologischer Hinsicht haben unterhaltsame Momente im Bewerbungsprozess den Vorteil, dass sie für emotionale Nähe und einen hohen Wiedererkennungswert sorgen.

Wenn Sie z. B. eine sehr kreative Stellenanzeige lesen, wird diese aus vielen Optionen hervorstechen. Oft wird beim Recruitainment mit spielerischen Simulationen gearbeitet, sodass Kandidaten einen lebendigen Einblick in das Unternehmen sowie typische Abläufe gewinnen können. Auf diese Weise wird ein größeres Identifikationspotenzial geschaffen. Kandidaten erhalten auf spielerische Weise sehr viele Informationen über ein Unternehmen, die die Entscheidung beeinflussen können. Beim weit verbreiteten Online Assessment-Center kann Recruitainment die Aufmerksamkeit wesentlich erhöhen, indem z. B. Botschaften aus der Firmenphilosophie oder Karrieremöglichkeiten immer wieder eingeblendet werden.

Was erwartet Bewerber bei spielerischen Recruiting-Prozessen?

Der Kreativität sind je nach Branche und Art der Tätigkeit kaum Grenzen gesetzt. Immer mehr Firmen nutzen Events, um mit Bewerbern in Kontakt zu treten. Recruitainment hat zur Folge, dass schnöde und austauschbare Stellenbeschreibungen deutlich kreativer sowie individueller werden. Zwei Beispiele: Eine Ikea-Filiale hat eine Stellenausschreibung in Form einer Montageanleitung verfasst, wobei Möbelstücke und deren Bezeichnungen in den Text integriert wurden. Eine Metzgerei, die besonders hart vom Fachkräftemangel getroffen ist, fragt in einer sichtbar andersartigen Stellenanzeige Bewerber, ob sie nicht auch mit anderen coolen Säuen abhängen wollen? Sehr weit verbreitet sind Apps und Simulationen, in denen potenzielle Bewerber in bestimmte Rollen schlüpfen. Solche Berufsorientierungsspiele vermitteln einen konkreten Eindruck vom Unternehmen und sie können Kandidaten im besten Fall mitreißen. Das ist der Vorteil, den der unterhaltsame Part solcher kreativen Mittel mit sich bringt. Auch die Bezeichnung solcher Simulationen ist für die Wirkung entscheidend: Wer kann auf der Jobsuche schon zu einem 'virtuellen 10-Minuten-Praktikum' nein sagen?

Eine gute Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch ist nach wie vor alles

Bewerber sollten nicht den Fehler begehen und die gebotene Ernsthaftigkeit vermissen lassen. Eine gewissenhafte Vorbereitung bzw. Beschäftigung mit dem Unternehmen und der Stelle sind weiterhin nötig, so unterhaltsam eine kreative Stellenausschreibung auch gewesen sein mag. Das Motto darf im Bewerbungsgespräch durchaus 'ein bisschen Spaß muss sein' lauten, aber Ernsthaftigkeit und Zielorientierung wollen Personaler auf jeden Fall sehen. Der zulässige Spaßfaktor hängt natürlich auch von der Branche ab. In einer Bank wird es tendenziell immer konservativer zugehen als in der sogenannten Kreativwirtschaft. Bei Bewerbungsgesprächen gibt es einiges zu beachten, wenn Sie sich gut verkaufen wollen. Weitere Ratschläge zu Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen, die gerade für Studenten und Berufsanfänger geeignet sind, finden sich auf Karriereportalen wie bigKARRIERE.

Fazit: Alles bloß Spielerei oder ein nachhaltiger Recruiting-Trend?

Noch ist Recruitainment eher die Ausnahme, aber das wird sich in den nächsten Jahren ändern. Unternehmen sind rein strukturell aufgrund des Fachkräftemangels gezwungen, neue und spielerische Wege bei der Personalgewinnung zu gehen. Bewerber werden eher als Kunden gesehen, die überzeugt werden müssen. In vielen Branchen können sich Unternehmen nicht mehr einfach die für sie besten Kandidaten heraussuchen. Natürlich sorgt auch die rasant voranschreitende Digitalisierung dafür, dass sich das Recruiting mit den Möglichkeiten weiterentwickelt. Und die große Zielgruppe der Digital Natives zeigt sich sehr offen für solche neuen Formen im Bewerbungsprozess, sodass Unternehmen nichts zu verlieren haben. Trotz Unterhaltungsfaktor darf natürlich das Seriöse nicht zu kurz kommen. Bewerber wollen nach wie vor wissen, was sie langfristig in einem Unternehmen erreichen können.

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