Warum Familienstiftungen den Unternehmensverkauf neu definieren

Familienstiftungen sind seit Jahrzehnten ein bewährtes Mittel zur Vermögenssicherung und Nachfolgeplanung. In einer Welt, die zunehmend von wirtschaftlicher Unsicherheit und sich schnell wandelnden Rahmenbedingungen geprägt ist, haben sie jedoch an neuer Bedeutung gewonnen. Auch beim Verkauf von Unternehmen spielen sie eine transformative Rolle. Sie ermöglichen es Unternehmern, sowohl den langfristigen Erhalt von Werten als auch die wirtschaftliche Nachhaltigkeit zu gewährleisten. In diesem Gastartikel erklärt Sascha Drache, Experte für Stiftungsrecht, warum Familienstiftungen zunehmend die Art und Weise verändern, wie Unternehmensverkäufe umgesetzt werden.

Viele Familienunternehmen stehen irgendwann vor der Frage, wie sie ihre Nachfolge regeln oder ob ein Verkauf notwendig wird. Diese Entscheidung ist selten einfach, da sie nicht nur finanzielle, sondern auch emotionale und ideologische Dimensionen umfasst. Familienstiftungen bieten in diesem Kontext eine Plattform, um komplexe Interessen auszugleichen und sowohl familiäre als auch wirtschaftliche Ziele zu erfüllen.

Eine Familienstiftung konstituiert sich als rechtlich selbstständige Organisation, die das Vermögen einer Unternehmerfamilie dauerhaft bindet und verwaltet. Anders als bei Kapitalgesellschaften existieren keine Gesellschafter oder Aktionäre – die Stiftung wird durch den in der Satzung manifestierten Stifterwillen determiniert. Diese Konstruktion gewährleistet die Unabhängigkeit von einzelnen Familienmitgliedern bei gleichzeitiger Wahrung der Familien- und Unternehmensinteressen. Zentral ist dabei der langfristige Vermögenserhalt, der durch ein nachhaltiges Management und den Schutz vor Zersplitterung sichergestellt wird.

Im Kontext des Unternehmensverkaufs erweist sich die Familienstiftung als strategisches Instrument von besonderer Relevanz. Sie verbindet die Vorteile einer professionellen Vermögensverwaltung mit steuerlicher Optimierung und ermöglicht flexible Transaktionsstrukturen bei gleichzeitiger Wahrung der Familieninteressen. Damit schafft sie einen belastbaren Rahmen für komplexe Entscheidungsprozesse und strategische Unternehmenstransaktionen.

Herausforderungen beim Unternehmensverkauf

Der Verkauf eines Familienunternehmens stellt die Beteiligten vor komplexe Herausforderungen, die weit über rein wirtschaftliche Aspekte hinausgehen. Die Entscheidungsfindung wird durch die sich stetig ändernden familiären, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zusätzlich erschwert. Eine besondere Problematik ergibt sich aus der Tatsache, dass die meisten Unternehmer davon ausgehen, dass sie diese weitreichende Entscheidung nicht sinnvoll einmalig und endgültig treffen können.

Die steuerliche Dimension erweist sich als besonders gravierend. Bei einem Verkauf durch eine Privatperson fällt eine Abgeltungssteuer von 25% zuzüglich Solidaritätszuschlag von 1,25% an. Diese Belastung wird bei größeren Transaktionen besonders deutlich: Bei einem Verkaufserlös von einer Million Euro entstehen Steuerzahlungen von 262.500 Euro. Selbst im Vergleich zu einer GmbH-Struktur, die eine Besteuerung von etwa 1,5% vorsieht, zeigt sich die erhebliche steuerliche Belastung von Privatpersonen.

Neben den steuerlichen Aspekten existieren weitere zentrale Herausforderungen:

  • Die emotionale Dimension manifestiert sich in der oft jahrzehntelangen Verbundenheit der Familie mit dem Unternehmen. Der Verkauf bedeutet nicht nur die Aufgabe eines Vermögenswertes, sondern auch den Abschied von einer Familientradition, die möglicherweise über Generationen aufgebaut wurde. Die Verantwortung gegenüber langjährigen Mitarbeitern und die Sorge um den Erhalt von Arbeitsplätzen verstärken die emotionale Komponente zusätzlich.
  • Die Interessenkonflikte innerhalb der Familie stellen eine weitere signifikante Herausforderung dar. Unterschiedliche Generationen und Familienzweige verfolgen häufig divergierende Ziele. Während einige Familienmitglieder den Verkauf aus wirtschaftlichen Gründen befürworten, sehen andere darin einen Verrat an der Familientradition. Diese Konflikte können die Entscheidungsfindung erheblich erschweren und im schlimmsten Fall zu dauerhaften familiären Zerwürfnissen führen.
  • Die Nachhaltigkeit der Unternehmensentwicklung muss ebenfalls berücksichtigt werden. Ein Verkauf kann die langfristige Strategie des Unternehmens fundamental verändern. Die Sorge um den Erhalt der Unternehmenskultur, die Fortführung bewährter Geschäftsbeziehungen und die Sicherung des Unternehmensstandorts beeinflussen die Verkaufsentscheidung maßgeblich.
  • Die zeitliche Dimension stellt eine zusätzliche Herausforderung dar. Die Entscheidung über einen Verkauf muss einerseits wohlüberlegt sein, andererseits können sich Marktbedingungen und Opportunitäten schnell ändern. Diese Balance zwischen gründlicher Analyse und zeitnaher Entscheidungsfindung erfordert ein professionelles Management des Verkaufsprozesses.

Wie Familienstiftungen den Verkaufsprozess verändern

Familienstiftungen revolutionieren den klassischen Unternehmensverkaufsprozess durch innovative Ansätze und weitreichende Gestaltungsmöglichkeiten. Sie etablieren sich zunehmend als effizientes Instrument zum strategischen Beteiligungsmanagement und bieten signifikante Vorteile gegenüber traditionellen Rechtsformen. Eine zentrale Rolle bei der Steuerung von Unternehmensverkäufen spielt die Satzung der Familienstiftung. Der in der Satzung dokumentierte Stifterwille definiert die Grenzen und Möglichkeiten für den Verkauf eines stiftungsverbundenen Unternehmens. Diese Vorgaben harmonieren mit den flexiblen Transaktionsstrukturen, die Familienstiftungen bieten, um sowohl strategische Ziele als auch Marktanforderungen zu berücksichtigen. Die wichtigsten Punkte:

a) Explizite Verankerung des Verkaufsverbots

Ein Verkaufsverbot kann in der Satzung festgeschrieben werden, um das Unternehmen langfristig in Familienhand zu halten. Diese Regelung schützt das Unternehmen vor kurzfristig motivierten Verkäufen und sichert dessen Bestand für kommende Generationen.

b) Unveränderliche Festschreibung

Der Stifter kann Regelungen, wie ein Verkaufsverbot, als unveränderlich deklarieren. Dadurch wird sichergestellt, dass selbst zukünftige Entscheidungsträger der Stiftung diese Vorgaben nicht außer Kraft setzen können.

c) Verkauf als "ultima ratio"

Stiftungen können Verkäufe nur als letztes Mittel zulassen. Diese Bedingung garantiert, dass ein Verkauf erst dann erfolgt, wenn alle anderen Alternativen ausgeschöpft wurden. Die genauen Umstände, unter denen ein Verkauf gestattet ist, können individuell definiert werden.

d) Beteiligung mehrerer Gremien

Durch die Einbindung mehrerer Organe wie eines Vostandes wird die Entscheidungsfindung demokratisiert und die Qualität der Beschlüsse erhöht. Diese Mechanismen verhindern, dass Einzelpersonen voreilige Entscheidungen treffen.

e) Teilverkäufe

Ein Teilverkauf erlaubt es, Kapital freizusetzen, ohne die Kontrolle über das Unternehmen zu verlieren. Die Familienstiftung bleibt Mehrheitsaktionärin und sichert so die strategische Ausrichtung.

f) Stufenweise Veräußerung

Diese Strategie ermöglicht es, Unternehmensanteile schrittweise zu veräußern. Jede Veräußerung kann an die Erreichung bestimmter Entwicklungsziele gekoppelt werden, um den Unternehmenswert zu steigern und gleichzeitig die Transaktion zu kontrollieren.

g) Flexible Exit-Strategien

Die Familienstiftung kann Verkaufsstrategien an sich ändernde Marktbedingungen anpassen. Diese Flexibilität stellt sicher, dass Transaktionen nicht übereilt, sondern im bestmöglichen Moment erfolgen.

Fazit

In einer Zeit, in der Stabilität und Flexibilität gleichermaßen gefragt sind, stellen Familienstiftungen eine der zukunftsfähigsten Lösungen dar. Sie ermöglichen es Unternehmern, nicht nur wirtschaftliche Ziele zu erreichen, sondern auch die Werte und Traditionen ihrer Familie zu bewahren. Die Möglichkeit, maßgeschneiderte Verkaufsstrategien umzusetzen, ohne die Kontrolle über das Unternehmen gänzlich aufzugeben, macht sie zu einem unverzichtbaren Werkzeug für eine generationenübergreifende Unternehmensführung.

Letztlich sind Familienstiftungen mehr als nur ein rechtliches Konstrukt – sie sind ein Ausdruck von Verantwortung und Weitsicht. Für Familienunternehmen, die auf der Suche nach einer Balance zwischen Tradition und Fortschritt sind, bieten sie die ideale Grundlage, um den Herausforderungen der Zukunft mit Zuversicht zu begegnen.

Wer ist Sascha Drache?

Sascha Drache ist einer der bekanntesten Experten im deutschsprachigen Raum für Stiftungslösungen und Vermögensschutz. Er hat bereits über 500 Stiftungen erfolgreich begleitet und unterstützt Unternehmer, Investoren und Selbstständige dabei, ihr Vermögen intelligent zu strukturieren und steuerlich zu optimieren. Mit seiner langjährigen Erfahrung, verständlichen Erklärungen und praxisnahen Seminaren gilt er als verlässlicher Ansprechpartner, wenn es um rechtssichere und nachhaltige Stiftungsmodelle geht.

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