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13.02.14

Erfahrungsbericht: Wie und warum ich 0,1 Bitcoin erwarb

Hat man sich nicht intensiv mit Bitcoin auseinandergesetzt, so erscheint der Prozess der Anschaffung kompliziert. Letztlich ist es aber doch recht simpel, Bitcoin zu kaufen, wie dieser Erfahrungsbericht erklärt.

BitcoinSeit vielen Monaten verfolge ich die Entwicklung um Bitcoin nun mit einigem Interesse. Ich habe sicherlich hunderte Artikel gelesen und auch hier bei uns einige Aspekte rund um die Kryptowährung beleuchtet. Doch bislang beschränkte sich meine Auseinandersetzung mit Bitcoin auf theoretische Aspekte. Das hatte unter anderem mit dem kompliziert erscheinenden Anschaffungsprozess zu tun, mit dem volatilen Kurs der virtuellen Währung sowie mit der Tatsache, dass ich meine eigene unabhängige Berichterstattung bedroht sähe, würde ich aktiv mit Bitcoin spekulieren.

Doch jetzt habe ich eine gute Lösung gefunden: Für 50 Euro habe ich mir rund einen Zehntel-Bitcoin zugelegt. Gering genug, um im Falle von dramatischen Kursstürzen oder bei einem eventuellen Diebstahl nicht in Existenznot zu geraten. Auch als Spekulationsobjekt eignet sich dieser Betrag nicht, es sei denn, der Wert von Bitcoins würde sich auf lange Sicht verhundertfachen, was sehr unwahrscheinlich ist. 50 Euro sind aber ausreichend, um sich mit dem Prozess der Anschaffung vertraut zu machen, und um zu einem späteren Zeitpunkt eventuell einmal eine Ware oder Dienstleistung mit Bitcoin zu bezahlen. Onlineshops, die Bitcoin akzeptieren, gibt es mittlerweile dank die Abwicklung für Händler übernehmenden Dienstleistern wie Coinbase und Bitpay einige, und persönlich sehe ich großen Bedarf an einem virtuellen Zahlungsmittel, das den E-Commerce um Milliarden Euro Kartengebühren entlastet. Rudimentäre Erfahrung in der praktischen Handhabung einer virtuellen Währung zu haben, kann da meines Erachtens nach nicht schaden. Im Folgenden möche ich kurz beschreiben, wie ich an Bitcoin gelangt bin. Es handelt sich hier nicht um ein ausführliches Tutorial - davon finden sich im Netz genug. Auch hat der niedrige von mir umgetauschte Betrag zur Folge, dass ich bei der Handhabung nicht maximale Sicherheitsvorkehrungen treffe - etwa auf die Aufbewahrung meiner 0,1 Bitcoins in einem "Paper Wallet" verzichte. Wer plant, signifikante Teile des Vermögens in Bitcoin anzulegen, sollte sich im Vorfeld unbedingt genauer einlesen. Inwieweit Bitcoin als Investitionsvehikel geeignet ist, sei an dieser Stelle einmal dahingestellt.

Hände weg von Mt.Gox

Im Prinzip ist der Kauf von Bitcoin doch weitaus einfacher, als es den Anschein macht. Letztlich handelt ein Großteil des Anfangsaufwands davon, sich ein Grundverständnis über die Funktionsweise und involvierten Prozesse zu verschaffen und eine vertrauenswürdige Plattform zu finden, auf der man Bitcoin erwerben kann. Zuerst hatte ich mich zu diesem Zweck bei Mt.Gox angemeldet, der einstmals führenden Plattform für den An- und Verkauf von Bitcoins, gemessen am Handelsvolumen.

Doch Mt.Gox hat sich einen Ruf erschaffen, für die Bearbeitung der von jeder seriösen Wechselbörse eingeforderten einmaligen Personenverifizierung unglaublich viel Zeit zu benötigen. Auch bei mir war dies der Fall, bis ich nach zwei Monaten eine E-Mail-Benachrichtigung bekam, dass meine eingesannten Pass- und Adressdokumente nicht akzeptiert wurden. Warum, war mir zu diesem Zeitpunkt bereits egal, denn ich hatte mittlerweile eine bessere Alternative gefunden. Zum Glück, denn Mt.Gox fällt ohnehin vermehrt durch Unregelmäßigkeiten auf.

Der Bitcoin-Kauf bei Bitstamp

Meine Wahl für den Ankauf von Bitcoin fiel letztlich auf Bitstamp. Der in Slowenien ansässige Service ist aufgrund der Möglichkeit zur kostenfreien SEPA-Überweisung ideal für Europäer und geniesst einen guten Ruf. Mittlerweile hat der von Nejc Kodric gegründete Dienst den ehemaligen Platzhirschen Mt.Gox in puncto Handelsvolumen sogar überflügelt. Bitstamp gilt außerdem als sehr schnell, was die Bearbeitung angeht, und das kann ich auf Basis meiner Erfahrungen bestätigen.

So ging ich vor: Zuerst erstellte ich mir bei Bitstamp ein persönliches Konto. Anschließend lud ich einen Scan meines Reisepasses (Führerschein oder Personalausweis wird ebenfalls akzeptiert) sowie den Scan eines an meine Heimadresse gerichteten Dokuments (in meinem Fall war es eine Rechnung) hoch, um mein Konto zu verifizieren. Hierbei handelt es sich um eine von vielen Sicherheitsmaßnahmen im Bitcoin-Ökosystem, um Missbrauch vorzubeugen. Nach wenigen Tagen informierte mich eine E-Mail über die erfolgreiche Verifizierung meines Kontos. Ab diesem Zeitpunkt war ich zum Handel mit Bitcoin zugelassen.

Nun musste ich nur noch Guthaben in mein Bitstamp-Konto transferieren. Per SEPA-Überweisung schickte ich von meinem Bankkonto 50 Euro auf das slowenische Bitstamp-Konto. Gebühren fallen dafür keine an. Zwei Tage später befand sich das Guthaben, von Bitstamp automatisch (zu einem guten Kurs) in Dollar konvertiert, in meinem Account. Damit war ich für meinen ersten Bitcoin-Kauf bereit. Aufgrund meines Mini-Einsatzes standen mir meine zum aktuellen Kurs erworbenen Bitcoins sofort zur Verfügung: 0.10129617 BTC. Wer größere Summen umtauscht, muss eventuell warten, bis von Bitstamp ein passender Bitcoin-Verkäufer gefunden wird. Die Bearbeitungsgebühr für den Kauf liegt bei 0,5 Prozent. Bitstamp verdiente mit meiner Transaktion ergo 0,25 Euro.

Bitcoins im persönlichen Wallet ablegen

Was nun noch blieb, war der Umzug meiner Bitcoins zu einem Bitcoin Wallet, also einer Art virtuellen Brieftasche. Man könnte Bitcoins zwar auch im Bitstamp-Konto belassen. Allerdings befinden sie sich dort unter fremder Kontrolle und können nicht zum Einkauf genutzt werden. Zudem sind Exchanges permanent ausgiebigen Angriffen ausgesetzt, weshalb ein Wallet in jedem Fall zu empfehlen ist. Es existieren hunderte Lösungen. Ich entschloss mich für ein bequemes und renommiertes Onlinewallet, nämlich Blockchain.info. Nach der von allerlei Sicherheitsvorkehrungen flankierten Registrierung bei dem kostenlosen Dienst erhielt ich eine Wallet-Adresse, über die ich BTC in Empfang nehmen kann. Daraufhin initiierte ich bei Bitstamp eine kostenfreie "Abhebung" meiner BTC und gab als Empfänger die Adresse meines Blockchain.info-Wallets an. Aufgrund anhaltender DoS-Angrife hat Bistamp wie diverse andere Handelsplätze seit zwei Tagen Abhebungen in Bitcoin temporär deaktiviert. Das ist kein Drama, immerhin zeigt es, dass der Anbieter kein Risiko eingehen möchte. Sobald der Stop aufgehoben wird, was bald der Fall sein dürfte, werden meine BTC in meinem Wallet bei Blockchain.info landen.

Von dort aus kann ich dann mein Wallet mit samt der enthaltenen BTC lokal speichern oder anderweitig ein Backup anfertigen. Der Dienst betont, strikten Sicherheitsmaßnahmen und Verschüsselungsstandards zu folgen. Das eigene Passwort sollte man besser nicht vergessen, denn es wird nicht auf den Blockchain.info-Servern gespeichert und kann nicht nachträglich wiederhergestellt werden. Ohne Passwort sind alle im Wallet enthaltenen Bitcoins weg!

Vielleicht klingt der von mir beschriebene Prozess immer noch etwas umständlich. Und freilich ist das Verfahren nichts, mit dem man von heute auf morgen auf den Bitcoin-Zug aufspringen kann. Die einmalig erforderliche Verifizierung kann einige Tage dauern, gleiches gilt für die SEPA-Überweisung. Wer aber schon länger vor hat, sich für einen geringen Betrag BTC zuzulegen und damit ein wenig herumzuexperimentieren, der wird mit dem beschriebenen Prozess wenig Zeit verschwenden.

Natürlich weiß man bei Bitcoin nie, wie es weitergeht, welche Sicherheitslücken auftauchen und inwieweit man unerwartet auf Hindernisse stößt, die einem plötzlich den Zugriff auf die eigenen BTC verwehren. Deshalb nochmal der Ratschlag: Zumindest solange man sich nicht hundertprozentig sicher im Umgang mit Bitcoin fühlt, würde ich zum Ausprobieren nur einen "kleinen" Betrag empfehlen. /mw

(Grafik: bitcoins on white background, Shutterstock)

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