Die Digitalisierung des Automobils: Das bringt die Zukunft

Smart Car (Bild: Fotolia)
Smart Car (Bild: Fotolia)

„Jedes Auto könnte über ein Bett verfügen. Heizung, Licht, Radio, Fernsehen und Kaffeemaschine sind schon da. Eine kleine Wohnung.“ Das sagt der Autoexperte Paolo Tumminelli über die Automobile der Zukunft. Klingt zu fantastisch? Vielleicht. Sollte sich die Vorhersage von Herrn Tumminelli bewahrheiten, dann könnte auch dieses Zitat von Angela Merkel wahr werden: „Wir werden in 20 Jahren nur noch mit Erlaubnis selbstständig fahren dürfen.“

Bordcomputer statt Fahrer? Betten statt Sitze? Wird man in wenigen Jahren oder Jahrzehnten überhaupt noch Automobile besitzen oder gehören sie zum Allgemeingut, das in der Sharing Economy gerne geteilt wird?

Was die Zukunft wirklich bringen wird, weiß keiner. Aber es gibt einige Annahmen, wie sich die Mobilität aufgrund der Digitalisierung und anderen technischen Errungenschaften verändern könnte. Wir zeigen Ihnen auf, was geplant ist.

Automobil 4.0: Ein neues, voll digitales Zeitalter beginnt

Die Automobilindustrie ist unter Druck. Nur selten in der über 100-jährigen Geschichte der deutschen Schlüsselindustrie gab es so viele Skandale und Umbrüche wie jetzt. Der Diesel-Skandal sorgte dafür, dass der Verbrennungsmotor zunehmend in der Kritik steht, dank Tesla gelten Elektroautos als „sexy“.

Neue Start-ups und altbekannte Marktteilnehmer setzen Daimler, Volkswagen, BMW & Co. ebenfalls zu. Tech-Firmen wie Google bzw. Alphabet, Nvidia, Apple oder Baidu arbeiten an autonom fahrenden Autos, in Südkorea und in den USA fahren schon kleine Flotten durch die Straßen. Aktuell beschäftigen sich weltweit Hunderte Unternehmen mit dem autonomen Fahren, in vielen Bereichen gibt es enge Kooperationen und Vernetzungen. 


Future of Transportation: Diese und viele weitere Unternehmen arbeiten an Technologien für das Auto 4.0 (Bild: Comet Labs)

Vor ein paar Jahren waren viele Deutschen skeptisch, sie konnten sich nicht vorstellen, dass eine KI (Künstliche Intelligenz) ihr „Heiligsblechle“ lenkt. Mittlerweile hat sich das Stimmungsbild gewandelt: Anfang 2017 waren rund 50% der Bundesbürger der neuen Technologie aufgeschlossen – das ergab eine Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom. Die Autofahrer haben in diesem Zusammenhang erkannt, dass eigenständig fahrende Autos den Verkehrsfluss verbessern, den Energieverbrauch verringern und die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen könnten. Zudem freuen sich die Deutschen darauf, dass sie in den autonomen Fahrzeugen ihre Zeit zum Fernsehschauen oder für (virtuelle) Meetings nutzen können.

Bis wir alle wie in Science-Fiction-Filmen von intelligenten Autos abgeholt und von A nach B chauffiert werden, vergehen wahrscheinlich noch zehn Jahre und mehr. Die Technik ist zwar schon ziemlich fortgeschritten, doch ein komplett eigenständig fahrendes Vehikel, das ohne das Zutun eines Fahrers auskommt, wird es in den kommenden Jahren wohl nicht geben. Das liegt unter anderem an den passenden Gesetzen und an den zahlreichen ungeklärten Fragen.

Ein paar Beispiele: Wer zahlt bei einem Unfall mit einem autonomen Auto? Der Fahrzeugbesitzer, die Insassen, der Automobilhersteller oder der Entwickler der KI? Oder wie soll sich der Algorithmus in brenzligen Situationen entscheiden? Ist das Leben der Insassen mehr wert als das der Passanten, die in einem Unfall zu Schaden kommen könnten?

Und: Welche Art von (Computer-)Ethik benötigen wir? Andreas Herrmann des Instituts für Customer Insight hat darauf eine einfache Antwort: „Da die Fahrzeuge nach den modernsten Sicherheitsstandards gebaut werden, meine ich, sollte folgende Logik gelten: Vollbremsung, Suche nach freiem Raum. Worst Case: Kollision.“ Ob Herr Herrmann Vorschlags oder eine andere Lösung umgesetzt wird, ist aktuell noch nicht klar. 

Connected Car: Das digitale Auto braucht keine Schalter mehr


Reduce to the max: Schlicht, aufgeräumt und fast keine Schalter - so sieht der Innenraum des Tesla Model 3 aus (Bild: Tesla)

Die Autos von morgen werden sich deutlich von den Fahrzeugen von heute unterscheiden. Damit ist weniger das äußere Design, sondern mehr die Technik unter der Haube gemeint. Abseits der Elektrifizierung und der Entwicklung von KI-Steuerung arbeitet die Automobilindustrie zusammen mit ihren Zulieferern an zahlreichen Konzepten, was bei den Autos von morgen alles digitalisiert werden könnte. Zusätzlich mischen bislang unbekannte Start-ups und IT-Größen wie Google, Apple und Microsoft mit.

Ein Beispiel: Mit Android Auto erschuf Google eine abgespeckte Fassung seines erfolgreichen Betriebssystems, mit dem die Insassen eines Fahrzeugs die Entertainment-Angebote steuern können. Das war aber nur der erste Schritt in Richtung Connected Car. Die nächste Stufe von Android Auto, die unter anderem bei bestimmten Modellen von Audi und Volvo zum Einsatz kommt, greift auf viel mehr Schnittstellen und Daten zu. In Zukunft wird man über das angepasste Smartphone- und Tablet-OS beispielsweise die elektrischen Fenster, Sitze und die Klimaanlage steuern. 

Mit der zunehmenden Digitalisierung werden viele Knöpfe und Schalter aus den Innenräumen verschwinden. Tesla macht es mit seinen Autos – besonders mit dem Model 3 – vor, wie das geht. Über ein großes Display in der Mittelkonsole werden alle wichtigen Funktionen gesteuert. Zudem kriegen die Besitzer einen Zugriff über ihr Smartphone, zum Beispiel um die Autotüren zu öffnen oder das Fahrzeug zu starten.

Dass Autofahrer und Beifahrer während der Fahrt auf ein Display tippen müssen, ist technisch gesehen fast schon wieder veraltet: BMW, VW und andere Autobauer haben bereits Lösungen in petto, bei denen man mit Gesten interagiert. Und in China gab es ein Experiment, bei dem ein Fahrzeug per Gedankenkraft bedient wurde.

Die Vision: Autonom fahrende oder gar fliegende Autos in der Smart City


Werden so die BMW-Modelle der Zukunft aussehen? Vielleicht. Auf jeden Fall sollen die bayerischen Fahrzeuge deutlich intelligenter als heute sein. (Bild: BMW)

Wenn die Bevölkerungszahlen wie prognostiziert zunehmen, dann wird der Platz in unseren eh schon engen Städten richtig knapp. Mega-Staus könnten alles lahmlegen. Damit diese vermieden werden, bedarf es smarter Technologien: Die Verkehrsleitsysteme der Smart Cities tauschen zusammen mit den Autos ständig Daten aus, um den Verkehrsfluss zu optimieren und um Staus und Unfälle zu verringern.

Als Unterstützung könnten weitere Erfindungen helfen, beispielsweise fliegende Autos und überdimensionale Drohnen sowie neuartige Tunnelsysteme. Letztere möchte Elon Musk, der Gründer von PayPal, Tesla, SpaceX, Hyperloop und der Boring Company umsetzen. Wenn es nach ihm geht, könnten die Autos mit autonomen Shuttles unter der Erde transportiert werden, um den Verkehr über der Erde zu entlasten. So sieht das Konzept von Musk aus:

Airbus entwarf zusammen mit Italdesign ein Konzept, das noch vielseitiger als die Vision von Elon Musk ausfällt: Ihr Gefährt namens „Pop.Up“ könnte auf der Straße fahren, in der Luft fliegen und außerdem als Mini-Zug agieren – selbstverständlich komplett eigenständig.

Dein, mein, unser Auto 4.0: Das Statussymbol ist vielleicht ein Auslaufmodell

Was ist, wenn wirklich Autos selbstständig fahren können? Werden sie dann weiterhin in der ungenutzten Zeit auf Parkplätzen herumstehen und so wichtigen Lebensraum blockieren? Selbstverständlich nicht. Geht es nach den Autobauern und Visionären, sollen die Fahrzeuge von übermorgen als sogenannte Roboter-Taxis fungieren. Sie fahren eigenständig durch die Gegend und suchen sich "Aufträge": Kunden, die sie befördern können.

Die ständige Verfügbarkeit von Smart Cars hätte eventuell zur Folge, dass das bisherige Besitztum-Denken verschwindet: Der Mensch von morgen lebt in einer Shareconomy (Sharing Economy), in der er kein Auto mehr besitzen muss, sondern ganz flexibel auf KI-gesteuerte Poolfahrzeuge zugreift – quasi Carsharing 2.0. Das würde für mehr Effizienz bei den Automobilen sorgen, und durch den stetigen Verkehrsfluss werden viele Parkplätze obsolet.

Fazit

In der digitalisierten Autozukunft wird der Mensch als Akteur zunehmend unwichtiger. Er kann sich zurücklehnen und die Fahrtzeit genießen, so wie es heute schon bei einer Bahnfahrt möglich ist. Konzepte für eine bequemere und auch sichere automobile Zukunft gibt es zuhauf, die Technik macht rasante Fortschritte. In ein paar Jahren könnte das, was heute noch als Science-Fiction gilt, bereits Realität sein.

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