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13.06.16

Gründerstory

Barber Rasiermesser

Frank Müller

Ricky Toone, Gründer der Irving Barber Company, ist auf dem Weg vom Angestellten zum erfolgreichen Unternehmer schon sehr weit gekommen. Er hat ein innovatives Produkt für eine Branche entwickelt, in der er sich auskennt. Was können andere Gründer von der Geschichte der Irving Barbor Company lernen?


(Bild: Irving Barber Company)

Ganz wichtig: Tiefgehende Branchenkenntisse, Leidenschaft und Durchhaltevermögen

Die Wenigsten beginnen ihr Berufsleben damit, eine Firma zu gründen. Bevor Ricky Toone mit seinem Partner Chris die Irving Barber Company gründete, arbeiteten die beiden jahrelang bei einem großen Händler für Barber-, Friseur- und Schönheitsprodukte. Beide lernten im Laufe der Zeit eine Menge über die Branche und erweiterten ihren Kompetenzbereich innerhalb der Firma, bis sie irgendwann das Gefühl hatten, nicht weiter zu kommen.

Ricky Toone begann eine Barber-Ausbildung, um sich weiterzuentwickeln. Als Amateur hatte er seit seinem dreizehnten Lebensjahr Haare geschnitten, jetzt plante er, mit seiner Frau und den zwei kleinen Kindern für ein paar Jahre nach Peru zu gehen, um dort einen Barbershop zu eröffnen. Seine Frau stammt von dort, und sie hatten das Land bei einem Besuch kennen- und lieben gelernt.

Kurz nachdem er seine Lizenz als Barber erhalten hatte, wurde die Umsiedlung durch eine Krankheit seiner Frau jedoch auf unbestimmte Zeit verzögert. Ricky Toone gab seinen Plan der Selbständigkeit nicht auf. Er arbeitete vormittags als Angestellter bei seinem Arbeitgeber, nachmittags als selbständiger Barber.

Der richtige Zeitpunkt

Der Beruf des Barbers erfährt seit einigen Jahren extremen Auftrieb. Kunden fahren teilweise hunderte Kilometern, um Barber Shops wie Schorem in Rotterdam oder Torreto in Frankfurt zu besuchen, um sich einen Haarschnitt oder eine Rasur der alten Schule verpassen zu lassen.

Ricky Toone bemerkte durch seine Arbeit als Barber, dass es so gut wie keine Innovationen auf dem Gebiet gab. Rasiermesser mit fester Klinge dürfen nicht verwendet werden, Barber verwenden zum Haareschneiden oder Rasieren also Messer mit Wechselklingen, auch Shavette genannt. Im Großen und Ganzen gibt es drei verschiedene Arten. Je nach Aufgabe (Kontur bestimmen, Kopf- und/oder Bartrasur) und Haar- oder Bartstruktur verwendete Ricky Toone also drei verschiedene Rasierer mit Wechselklinge bei sich. Und bei jedem Wechsel braucht er rund 30 Sekunden, um sich an das unterschiedliche Gewicht und die Handhabung anzupassen.

Ein zuverlässiger Partner und ein fähiger Ingenieur

Warum gab es kein Rasiermesser mit Wechselklinge, das unterschiedliche Klingenformen aufnehmen konnte? Ricky Toone diskutierte mit seinem Partner Chris einige Wochen darüber, wie so ein Messer aussehen müsste. Schließlich beschlossen sie, Kontakt zu einem Ingenieur aufzunehmen, um solch ein Wechselklingen-Rasiermesser zu entwickeln.

Der Kontakt erwies sich in der folgenden Entwicklungszeit als extrem wertvoll. Die positiven und negativen Erfahrung des Ingenieurs bereiteten die beiden Neulinge auf viele Hindernisse vor, die sie sonst vielleicht aus der Bahn geworfen hätten. Sie vermieden eine Finanzierung über Kickstarter, die unnötigen Druck bei der Entwicklung erzeugt hätte. Stattdessen finanzierten sie die Entwicklung aus eigenen Ersparnissen.

Anderthalb Jahre dauerte es, bis der IBC Straight Razor so aussah wie heute, fünf Prototypen mit jeweils acht bis zwölf kleinen Veränderungen gab es auf dem Weg zum fertigen Produkt. Das kam rund zwei Jahre nach der ersten Idee auf den Markt und wurde sofort gut aufgenommen.

Aufbau eines leistungsfähigen Vertriebs

IBC Straight Razor sind vor allem für den professionellen Herrenfriseur oder Barber gedacht, aber die innovative Shavette zog schnell die Aufmerksamkeit der Freunde der traditionellen Nassrasur auf den Plan, die sich in Foren wie "Gut rasiert" oder "Nassrasur" und in der Facebook-Gruppe „Rasiermesser & Hobel Freunde der Nassrasur“ untereinander austauschen.

Die meisten Shavetten für halbe Rasierklingen sind ziemlich billig, und das merkt man ihnen auch an. Sie sind sehr leicht, und man muss höllisch aufpassen, dass man sich nicht schneidet, weil man zu stark aufdrückt.

Will man die sensationell scharfen Klingen von Feather oder Kasho Kai verwenden, braucht man auch eine Shavette dieser Hersteller, die hierzulande mindestens 120 Euro kosten, wenn man sie nicht direkt aus Japan importiert. Dafür sind diese Shavetten auch aus solidem Metall und bringen einiges an Gewicht mit, was bei der sicheren Führung hilft. Man kann aber nicht mal eben eine andere Klinge einlegen, sondern muss in jedem Fall die teuren Feather oder Kai verwenden.

Ein gelungenes Produkt, gute Aussichten für die Zukunft

Ich habe einen IBC Straight Razor zum Ausprobieren erhalten und muss sagen, dass dieses Wechselklingen-Rasiermesser das Beste beider Welten verbindet. Es besteht komplett aus Metall, liegt solide in der Hand und lässt sich sehr gut führen. Die Schraube ist so gut integriert, dass sie weder beim Rasieren mit der rechten noch der linken Hand stört.

Da der IBC Straight Razor verschiedene Klingen aufnimmt, kann er nicht mit Vorsprüngen arbeiten, die in die Aussparungen der Klingen greifen, um sie zu fixieren. Stattdessen werden die Klingen von Magneten an Ort und Stelle gehalten, bis man die Schraube wieder festgedreht hat. Und für durchgebrochene Rasierklingen sind extra kleine Mulden vorgesehen, die dafür sorgen, dass die halbe Klinge plan sitzt. Im folgenden Video führt Ricky Toone den IBC Straight Razor vor.

Fazit

Der IBC Straight Razor ist günstiger und vielseitiger als seine Konkurrenten von Feather oder Kasho Kai. Man kann verschiedene Klingen verwenden, und die Rasur steht der mit einem Kai Captain in nichts nach, ist eher noch sanfter und gründlicher. Was jetzt noch für den internationalen Durchbruch fehlt, ist ein ordentlicher Vertrieb für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Auf der Website von Irvin Barber Company gibt es weitere Infos, auch darüber, wo man die IBC Straight Razor außerhalb der USA ordern kann. Ein deutscher Vertriebspartner wird gerade noch gesucht.

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