Lean Startup

Mit wenig Kapital schnell vorankommen

Ihren Ursprung hat die Idee des Lean Startups im gleichnamigen Bestseller von Eric Ries aus  dem Jahr 2011. Darin schildert er seine Erfahrungen damit, die Prinzipien des Lean Management auf Startups anzupassen.

Ein Beitrag von Carolin Metz - Lesedauer ca. 6 Minuten

Thinkstock: Oliver Le Moal
Agile Methoden wie Lean Startup liegen im Trend

Ries arbeitete in mehreren Startups und beschreibt im Buch die Fehler, die dort gemacht wurden: Einerseits habe man zu wenig auf die Wünsche der User geachtet, anderseits zu viel Zeit und Energie in komplexe, umfangreiche Produktentwicklungen gesteckt, ohne flexibel für Anpassungen an Kundeninteressen zu sein. Mit den Prinzipien des Lean Management, so meinte Ries, müsste man diese Probleme beheben können.

Im ursprünglichen Lean-Management-Konzept soll alles Überflüssige, was nicht zur Wertschöpfungskette beiträgt, vermieden werden. Im Mittelpunkt stehen der Kunde und seine Wünsche. Fehler werden schnell gemeldet und analysiert, um keine Zeit mit der Entwicklung von defekten Produkten zu verschwenden. Das Framework des Lean Management kommt aus der Automobilproduktion, wird inzwischen allerdings in fast allen Industrien eingesetzt. Lean Startup überträgt die Methoden von Lean Management auf die Unternehmensgründung.

So funktioniert ein Lean Startup

Analog dazu eliminiert auch die Lean-Startup-Methode überflüssige Praktiken und Prozesse und konzentriert sich auf die Schöpfung von Werten. Vertreter dieses Ansatzes erarbeiten daher für ihr Startup meist keinen ausführlichen Business Plan und entwickeln keine Features, die zwar die Entwickler gut finden, nicht aber die Kunden.

Stattdessen ist das Ziel, zunächst ein "Minimum Viable Product" (MVP) hervorzubringen, also  ein Produkt, das ein Minimum an nötigen Eigenschaften hat, um potenziell am Markt erfolgreich zu sein. Es gibt keine Extras, keine Sonderausstattung, kein "dieses Feature wäre doch auch noch schön". Die Gründer konzentrieren sich auf ihre Kernkompetenz und testen mit dem MVP die Reaktionen der Kunden.

Nicht lange konzipieren, sondern machen

Die Konzeptionsphase bleibt möglichst kurz, das Startup bringt so schnell wie möglich eine Beta-Version oder einen Prototypen hervor. So erfährt man sehr schnell, wie gut das Produkt am Markt ankommt und kann frühzeitig Anpassungen vornehmen – ohne schon zu viel Kapital investiert zu haben. Geschwindigkeit wird als entscheidender Faktor bei der Produktentwicklung angesehen, so dass man auch in Zeiten von knappem Venture Capital mit seinem Startup erfolgreich sein kann. Man kommt mit wenig Kapital schnell voran.

Um die Wünsche der Kunden zu kennen, ist das Feedback der User essenziell. Ein Mittel dafür ist A-/B-Testing – man bietet zum Beispiel zwei verschiedene Versionen einer Webseite an und überprüft anhand der Aufrufzahlen, welche besser angenommen wird. Darüber hinaus legt man Kennzahlen fest, sogenannte Key Performance Indicators, anhand derer man den Erfolg des Produkts messen kann. Das können Verkaufszahlen, Page Impressions, Click-Through-Raten, Unique Visits, Download-Zahlen oder Ähnliches sein.

Wenn nötig: radikal umschwenken!

Die Prozesse im Unternehmen hält man so schlank wie möglich – so kann man schnell auf Kundenwünsche reagieren. Es gilt, komplizierte Herstellungsprozesse, lange Release-Zyklen und umständliche Zulieferer-Schleifen zu vermeiden. Schließlich heißt es "learning by doing": Man orientiert sich am User-Feedback und verbessert das Produkt fortlaufendend, in kurzen Feedbackschleifen und iterativen Releases. Dieses Konzept ist auch unter den Schlagworten "Build – Measure – Learn" bekannt. In kurzen Abständen bringt man immer neue Versionen seines Produkts heraus und kann stets mittels KPIs und direktem Kunden-Feedback überprüfen, wie sie ankommen. An diesem Punkt darf man nicht davor zurückschrecken, einmal getroffene Entscheidungen über Bord zu werfen und im Zweifelsfall auch radikal umzuschwenken – im Fachjargon wird der komplette Kurswechsel  als "Pivot" bezeichnet.

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So wenden Sie Lean Startup an

Passend zu diesem Ansatz bietet sich Business Model Canvas als ein gutes Tool an, um sein Geschäftsmodell zu visualisieren. Entwickelt wurde das Analyse-Werkzeug vom Schweizer Entrepreneur Alexander Osterwalder. Im Gegensatz zu einem ausführlichen Businessplan sieht man hier auf den ersten Blick, wie die Firma strukturiert ist, woher der Ertrag kommt, und welche die Schlüsselaktivitäten sind. Man bringt damit alle wesentlichen Elemente eines erfolgreichen Geschäftsmodells in ein skalierbares System und kann schnell verschiedene Varianten miteinander vergleichen. Einige Experten sind sogar der Meinung, dass das Business Model Canvas den Business Plan vollständig ersetzen kann.

Um Lean Startup erfolgreich anzuwenden, sollte man auch die technischen Möglichkeiten haben, um Split-Tests umzusetzen und weiteres User-Feedback einzuholen. Hierzu stehen im Online- und Mobile-Bereich zahllose, auch kostenfreie Tools zur Verfügung (zum Beispiel Google, Optimizely).

Mögliche Nachteile von Lean Startup

Kritiker von Lean Startup merken an, dass es schwierig sei, Kunden zu finden, die die jungen, möglicherweise noch unfertigen Prototypen nutzen und dazu ausführlich Feedback geben möchten. Sie argumentieren, dass der Kunde gar nicht so intensiv in den Entstehungsprozess mit einbezogen werden möchte. Außerdem lenkten die Prinzipien des Lean Management zu sehr von klassischen Management-Tugenden wie Budget-Planung und Disziplin bei der Produktentwicklung ab.

Darauf ging Ries allerdings schon 2011 in seinem Buch ein und meinte, Lean Startup sei ein Prinzip, das die Methode des validierten Lernens auch auf sich selbst anwende. Anstatt also Ideen wie Business Model Canvas und Pivot zu einer Pseudo-Wissenschaft zu machen, solle man die Lean-Startup-Methoden lieber ständig hinterfragen und weiterentwickeln. Selbst einige große Unternehmen sind mittlerweile dabei, Lean-Startup-Ansätze einzuführen. Denn die Vergangenheit hat gezeigt, dass auf diesem Weg wirkliche Innovationen umgesetzt werden können, ohne den Aspekt eines tragfähigen Businessmodels zu vernachlässigen. Zudem gibt es regelmäßige Veranstaltungen wie die Lean Startup Week, welche die Ideen und Methoden im Gespräch halten und weiterentwickeln. Die Anhänger dieses Prinzips sind jedenfalls überzeugt: "Lean Startup ist dabei, Mainstream zu werden."

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