23.03.07

Zu gross geratener Zwerg

Flipstart

Sub-sub-Notebook oder Klapp-UMPC: FlipStarts smarter Backstein

FlipstartAls HP in den frühen neunziger Jahren das erste Omnibook herausbrachte, musste ich eins haben: A5-Format, 30MB Flash-Speicher, 286er Prozessor, Graustufen-LCD und keine mechanischen Teile: Windows und Office wurden aus dem ROM geladen.

Das alles gab allerdings nicht den Ausschlag, die paar Tausender für das Gerät auf den Tisch zu legen, sondern die aus dem Gehäuse ausziehbare, an einem Kohlefaser-Streifen steif in der Luft hängende Mini-Klapp-Maus vermochte mich zu überzeugen: Das war das ultimative mobile Arbeitsgerät.

Als Sony vor drei Jahren die ultrakompakten Vaio-Subnotebooks mit integriertem DVD-Brenner, Wifi, Bluetooth, Kamera und hochaufgelöstem 16*9-Bildschirm herausbrachte, musste ich eins haben. Es war das endgültige mobile Arbeitsgerät.

Ende Monat bringt Microsoft-Mitgründer Paul Allens neue Firma ihren FlipStart auf den Markt: 1,1 GHz Prozessor, Windows Vista, Sidekick-Monitor, 30GB Harddrive und 512MB RAM. Und ich glaube, das muss ich nun wirklich nicht haben.

Mal abgesehen davon, dass das Gerät mit dem Standard - Akku ein Kilogramm schwer ist und vom Formfaktor her irgendwo zwischen einem fettleibigen Handy und einem "Ultramobil-PC" mit Minderwertigkeitskomplex anzusiedeln ist: Was soll ich mit der ganzen Rechenleistung, die mir erlaubt, meine Bildbearbeitung zu starten, auf einem 5-Zoll-Bildschirm mit einer Auflösung von 1000*600 (eine Lupe wird nicht mitgeliefert)? Oder mit einer Tastatur, die sich nicht zwischen Daumenklavier und Zehnfinger-Keyboard entscheiden kann? Einem Mauspad, das mit einem Zahnstocher bedient werden muss, damit der Cursor dorthin gelangt, wo er hin soll, und einem Bildschirm, auf dem das einzige Resultat von Berührungen fettige Fingerabdrücke sind?

Grundsätzlich bin ich ein Gegener vorzeitiger Verrisse, und ganz besonders gilt das für Geräte, die ich noch nicht in meinen Fingern gehabt habe. Aber in diesem Fall mache ich eine Ausnahme. Es ist schlicht nicht einzusehen, was das soll. Konnektivität auf Handy-Netze bringt der supersmarte Backstein nämlich keine mit, es sei denn, ich verstehe "Mobile braodband ready" falsch.

Wenn ich unterwegs arbeiten will, nehm ich mein Mini-Vaio mit. Und wenn ich unterwegs schnell etwas erledigen muss, dann bietet mir mein Palm Treo mehr als genug Optionen, Mails zu verschicken, schnell einen Word-Text aus einer Email zu überarbeiten oder per FTP eine Datei auf den Server zu legen. Darüber hinaus verbindet mich das Smartphone aber auch noch per SMS und Telefonie mit der Welt, und das aus dreihundert Gramm und mit einer Batterielaufzeit von einer Woche.

Der FlipStart kommt Ende Monat auf den Markt, dürfte kaum viel länger als 8 Stunden Akkulaufzeit aufweisen und wird heftige 1999 Dollar kosten.

Die Hoffnung, dass sich das hässliche Entlein in Testberichten doch noch als stolzer Schwan entpuppen könnte, habe ich nach der Kritik der AP auf Wired begraben.

Die positivste Bemerkung, die den Tech-Schreibern einfiel, war der Hinweis auf die eingebaute ALT-CTRL-DEL-Taste: Den Ingenieuren war aufgefallen, dass die Tastenkombination an dem Einhand-Gerät fast nicht zu drücken war.

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