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20.09.15

Zeiss Gleitsichtgläser im Test: Pfeffer für die Augen

"Dank" Smartphones & Co. werden Gleitsichtbrillen inzwischen schon ab 30 relevant. Doch es gibt gewaltige Qualitätsunterschiede. Was spielt da eine Rolle?

 

Warum streuen die Ostfriesen Pfeffer auf den Fernseher?

Na klar: Damit das Bild schärfer wird!

Tja, so einfach ist die Sache leider nicht, auch Pfefferspray hilft da nicht, und es bringt auch nichts, wenn der Fernseher 4k-UHD hat und das Smartphone Retina-Display - aber der Benutzer trotzdem alles nur verschwommen sieht.

Das Problem ist die wechselnde Entfernung: Für ein Buch oder gar Smartphone muss die Linse im Auge auf kurze Entfernungen eingestellt werden, für Landschaften, Verkehrsschilder und Fernseher auf weite. Bei jungen Menschen funktioniert das gut, aber ab 40 gibt es üblicherweise die ersten Probleme, weil die Linse verhärtet.

Noch vor einigen Jahren schrieb ich Übersetzungen mit einer Spracherkennung, der englische Text vor mir auf dem Laptop, die deutsch gesprochene Übersetzung auf dem Fernseher. Doch das ging irgendwann nicht mehr und die erste Gleitsichtbrille von Rodenstock musste her.

Diese funktionierte gut, doch als die Differenz von einer Dioptrie nicht mehr ausreichte, probierte ich die Konkurrenz von Essilor aus, um darüber für neuerdings.com zu schreiben. Doch das Ergebnis war nicht nur teuer, sondern auch so desaströs, dass ich dies dann lieber blieben ließ.

Zeiss umwirbt nun die Generation PC und Smartphone mit speziellen Gleitsichtbrillen und schrieb in diesem Zusammenhang auch Blogger an. Allerdings sind diese Gleitsichtbrillen eingeschränkt: Die "Digital-Brillengläser" für Smartphone-Nutzer wollen jene Altersgruppe ab 30 ansprechen, die eigentlich noch keine Gleitsicht-Brille brauchen, und die Office-Gläser wiederum bieten nur sicht auf kurze und mittlere Entfernungen, aber nicht in die Ferne. Sie sind für das Büro bestimmt - wenn man sich ins Auto setzt, ist dann die Brille abzusetzen. Benötigt man auch eine Fernbrille, ist diese Lösung unkomfortabel, zumal das Bild bei starken Fernbrillen mit dem Brillenwechsel sich deutlich verschiebt und das Treppensteigen zum Glücksspiel werden lässt.

Eine Gleitsichtbrille für alles ist wesentlich schwieriger, weil man entweder mit eingeschränktem Sichtfeld, Verzerrungen oder beidem rechnen muss. Es gibt viele Menschen, die mit derartigen Gleitsichtbrillen nicht zurechtkommen.

Zeiss wagte es trotz meiner Essilor-Erfahrungen, mir eine Gleitsichtbrille anfertigen zu lassen bei einem Optiker, den die Pressestelle als besonders kompetent kannte. Ein etwas weiterer Weg, doch das Ergebnis war tatsächlich ein Fortschritt: Jetzt ist wieder alles scharf.

Was bleibt und unvermeidlich ist: Mit Gleitsichtbrille ist das Blickfeld in Zonen eingeteilt. Das Smartphone muss also im unteren Gesichtsfeld sein und der Fernseher im oberen. Wer eins jener aktuell modischen Lowboards verwendet, mit dem der teure Flachbildschirm fast auf dem Boden steht, braucht sich also nicht zu wundern, wenn sein UHD-Bild nun unschärfer ist als das des alten Flimmerkastens, der noch auf der Kommode stand.

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