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16.10.12

Xeos 3D: Stylischer 3D-Drucker, entworfen von deutschem Studenten

Stefan Reichert bei der Präsentation seines Entwurfs. (Bild: privat)

Das Thema 3D-Drucker regt nicht nur die Phantasie von Gadgetfreunden und Science-Fiction-Fans an, sondern ganz offensichtlich auch die von Industriedesignern. Der deutsche Student Stefan Reichert zeigt mit seiner Bachelorarbeit "Xeos 3D", wie schick so ein Gerät aussehen könnte. Einige Hersteller haben sich den Entwurf schon interessiert angesehen.

Mit Blick auf das Design erinnern heutige 3D-Drucker meistens an die Rechner vom Ende der 70er Jahre, am Beginn der Microcomputer-Revolution: Für die Zielgruppe sind heute wie damals die Eckdaten des Geräts erst einmal wichtiger als ein schönes Äußeres oder gar eine leicht nachvollziehbare Nutzerführung. Der Industriedesign-Student Stefan Reichert von der Universität Wuppertal konnte das auf gewisse Weise nicht mehr mit ansehen und entwarf für seine Bachelorarbeit den "Xeos 3D". Er sollte sich harmonisch in Büros oder Privathaushalte integrieren und dabei zugleich leicht verständlich sein.

Wie Stefan Reichert im folgenden E-Mail-Interview mit neuerdings.com erklärt, wird der Xeos 3D zwar in dieser Form wohl nicht produziert. Aber Hersteller haben den Entwurf entdeckt und prüfen das Design. Insofern ist es gar nicht so unrealistisch, dass wir in künftigen Modellen einmal das eine oder andere Element wiederentdecken.

Stell dich doch bitte einmal kurz vor und verrate uns: Was reizt dich am Industriedesign? Wie kamst du dazu?

Ich bin mittlerweile schon 28 Jahre, da ich nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung als Mediengestalter in einer Werbeagentur in Dortmund gemacht und dort die Grundlagen der guten Gestaltung gelernt habe. Nach einem Jahr als Zivildienstleistender wollte ich Kommunikationsdesign studieren, hörte dann aber vom Studiengang Industriedesign, der ebenfalls an der Universität Wuppertal angeboten wurde. So kam ich durch Zufall zu meinem Studiengang, merkte aber schnell, dass es zu 100 Prozent das ist, was ich machen will.

Während des vierjährigen Studiums war ich das dritte Jahr in den USA. Davon erst drei Monate an der Partneruni in Cincinnati , die einen der besten Industriedesign-Studiengänge in den USA bietet und dank der Partnerschaft mit Wuppertal war das Ganze für mich zumindest von den Studiengebühren her umsonst. Danach absolvierte ich ein dreimonatiges Praktikum bei Whipsaw, einer sehr guten Industriedesign-Agentur in San Jose und darauf folgend wiederum ein sechsmonatiges Praktikum bei Huge Design in San Francisco, einer noch sehr jungen und kleinen Agentur, die aber dennoch zu den Top-Agenturen gehört. Hier habe ich Smartphones, Laptops und Elektronik für marktführende Unternehmen designt. Durch die Partnerschaft und Integration von Praktika in unseren Studienplan, konnte ich trotz des Jahres in den USA mit dem Xeos 3D-Drucker meinen Bachelor nach nur vier Jahren Regelstudienzeit abschließen.

Momentan warte ich nur noch auf mein nächstes Visum, um bei der Firma Sonos in Santa Barbara als festangestellter Produktdesigner anzufangen.

Was ist dir wichtig, wenn du etwas entwirfst?

Es muss realistisch produzierbar sein und sollte das Begehren erwecken, es kaufen zu wollen. Da haben mich schon seit meiner Ausbildung in der Werbeagentur Apple-Produkte geprägt, die mich durch ihre einfache Form faszinierten und den doch sehr hohen Aufwand, um diese Einfachheit zu erreichen. Natürlich sollte ein Produkt außerdem nie unnötig Ressourcen verbauchen und einen realen Nutzen bieten!

Und was hat dich dazu gebracht, einen 3D-Drucker zu entwerfen?

Durch die Faszination dieser Technologie und die Erfahrungen an unserer Uni (wir haben zwei 3D-Drucker in unserer Modellbauwerkstatt) und meine gelegentliche Aushilfsarbeit an den Druckern hatte ich aus dem Umgang mit den Geräten Wissen aus erster Hand, und meiner Meinung nach sind Größe der Geräte und Bedienung bei einem deratig hohen Preis von über 20.000 Euro absolut nicht akzeptabel. Nach kurzer Recherche erkannte ich, dass es einfach nichts gibt, was in kleinen Büros und Agenturen oder dem Heimoffice genutzt werden kann und sich auch vom Design dort integriert.

Was macht dein Entwurf vor allem aus? Was sind die Besonderheiten?

Mein Ziel war es, den Drucker Büro- und Schreibtisch-tauglich zu machen. Zudem störten mich offenliegende Technikgestänge und Kabel im Inneren, die man selbst bei teuren Druckern von HP oder Stratasys findet. Daher adaptierte ich den in Wafer-Robotern verwendeten Arm für diesen Drucker, der vieles von dem sonst nötigen Technikkram unnötig macht und ein geringes Volumen zulässt.

Zudem unterstützt der Xeos 3D Nutzer, die nicht so technikerfahren sind: Dazu gehört beispielsweise die einfache Software, die jemanden bei Bedarf Schritt für Schritt an die Hand nimmt. Ich denke, das Ziel ist es doch, sich auch im 3D-Druckermarkt an Papierdrucker anzunähern, die vergleichsweise einfach zu bedienen sind und auf jedem Schreibtisch Platz finden.

Wie realistisch ist es, dass man den Xeos 3D einmal kaufen kann?

Ich habe viele positive wie auch einige negative Kritik bekommen. Natürlich regt so eine komplett neue Technologie zur Diskussion an, und das war auch mein Primärziel! Wenn dies natürlich einige Hersteller motiviert, in neue Richtungen zu schauen und zu entwickeln, freut mich das. Ich habe auch von einigen Druckerherstellern Feedback bekommen, die das Design zur Zeit prüfen. Also ich denke: So wie er jetzt aussieht, wird es ihn nie zu kaufen geben, aber in einer etwas andern Form ist das durchaus möglich.

Mehr über den Xeos 3D erfahrt ihr hier auf der Website.

Stefan Reichert findet ihr u.a. auf Behance, Twitter und LinkedIn .

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