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25.10.13

Wristify: Nie wieder frieren dank eines schlauen Armbands

Ein Armband gegen das Frieren: Wristify. Alle Bilder: MIT

Nie mehr zu kalt im Winter, nie mehr zu heiß im Sommer: Ein Armband namens Wristify will Träger davor schützen zu frieren. Durch kleine Impulse kann es die Körpertemperatur leicht verändern und damit unser Temperaturempfinden beeinflussen.

Ein Armband gegen das Frieren: Wristify. Alle Bilder: MIT

Ich brauche bei 24 Grad im Sommer nur einen halben Kilometer zu Fuß zu gehen, schon schwitze ich. In Bussen ohne funktionierende Klima-Anlage passiert das sowieso, selbst wenn es gar nicht so heiß ist. Viele Menschen frieren wiederum, auch wenn die Temperatur im Zimmer eigentlich ausreichend ist. Wäre es nicht schön, wenn wir uns das ersparen könnten?

Drei Forscher wollen uns mit einem Armband namens Wristify helfen. Durch elektrische Impulse am Handgelenk kann es die Köpertemperatur leicht um ein halbes Grad Celsius verändern. Dadurch wird das Temperaturempfinden am ganzen Körper beeinflusst.

Die Forscher haben dafür den ersten Preis und 10.000 US-Dollar Preisgeld bei MADMEC gewonnen, einem zweijährlichen Preis für Materialwissenschaften am MIT.

Kann geplagten Menschen durchaus helfen

Sinnvoll ist das in meinen Augen zumindest dann, wenn man grundlos friert oder schwitzt. Es gibt Menschen mit gestörtem Temperaturempfinden, die zum Beispiel frieren, wenn andere wegen zu großer Hitze im Raum das Fenster öffnen. Ist uns heiß, beeinflussen wir zum Beispiel unser Hitze-Empfinden manchmal selbst mit einem feuchten Tuch im Nacken oder auf der Stirn - was den Körper ein wenig kühlt, an den Umgebungstemperaturen aber natürlich nichts ändert. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert Wristify: punktuelle Kühlung oder Wärme, die dafür sorgt, dass der Körper sich auf die vermeintlich veränderte Außentemperatur einstellen kann.

 

Für leidende Menschen eine gute Sache. Allerdings gefällt mir nicht, mit welchen Argumenten die Wristify-Tüftler ihr Produkt anpreisen. Allein heute machten Heizkosten 16,5 Prozent des jährlichen Energieverbrauchs in den USA aus, sagt Mitgründer Sam Shames. Jeder Haushalt könne 100 Kilowattstunden pro Heizungsmonat einsparen, wenn die Temperatur zu Hause auch nur um 1 Grad abgesenkt würde.

Sparen am falschen Ende

Das ist sicher richtig und dürfte Investoren und Regierungen mit dem täglichen Dollar-Zeichen vor dem geistigen Auge überzeugen. Aber das ist Sparen am falschen Ende: Es kann nicht Sinn sein, am menschlichen Körper herumzupfuschen, damit der Jahreshaushalt wieder stimmt. Was Wristify hier vorhat, klingt nach der Produktion eines Massenprodukts: Jeder könnte mal eben seine Körpertemperatur verändern, statt die Heizung anzudrehen. Dabei ist das natürliche Temperaturempfinden (sofern nicht gestört) doch eine Sache, die durchaus ihren Sinn hat. Sie warnt ja im Prinzip nur davor, dass es wirklich zu kalt oder zu heiß werden könnte. In diesen Mechanismus bei gesunden Menschen dauerhaft einzugreifen, kann nicht der richtige Weg sein.

Thermostat Nest: Heizkosten sparen durch intelligente Haustechnik.

Dann lieber weiter isolieren und mit Smart Metering die Heiztechnik verbessern. Intelligente Thermostate wie Nest regeln die Heizung in einer Wohnung selbstständig und passen sich den Gewohnheiten der Nutzer an. Immerhin 20 Prozent der Heizkosten könnten sich laut Hersteller damit einsparen lassen.

Sehr wahrscheinlich, dass Wristify dennoch kommt. Derzeit ist das Armband auf dem Stand eines funktionierenden Prototypen. Schwer vorstellbar allerdings, dass die Macher das Gerät über alle Bedenken der Medizin und der Genehmigungsbehörden hinweg als Massenprodukt anbieten können. Außerdem klingt es für mich nach dieser Art Gadget, die man ein paar Mal ausprobiert und dann langfristig in der Kramschublade verschwinden lässt. In einer bestimmten Nische wird Wristify allerdings einigen besonders geplanten Menschen sicher helfen können.

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