28.07.14

WowWee MiP: Der lustige Spielzeugroboter im Praxistest

Süßer Kerl. Und kann er auch was? (Foto: Sven Wernicke)

MiP möchte mein neuer Roboterfreund sein. Für rund 130 Euro tanzt er für mich. Und er lässt sich mittels Smartphone steuern. Auch kann er selbständig auf seinen zwei Rädern balancieren, Dinge tragen und mich unterhalten. Aber ist MiP von Hersteller WowWee wirklich eine Bereicherung für das eigene Leben? Wir haben es ausprobiert.

 

Schon vor dem Auspacken ist das Interesse geweckt: Ein knuffiger Kerl schaut aus der Hülle heraus und wartet auf seinen ersten Einsatz. Die Überraschung zu Beginn: Im ausgeschalteten Zustand kann MiP nur mithilfe einer Plastikhalterung gerade stehen. Ansonsten kippt er schlicht und ergreifend um. Doch alles relativiert sich, betätigt man den Schalter auf der Rückseite und stellt den Roboter auf eine möglichst große, freie Fläche oder den Erdboden. Dann versucht er, selbständig die Balance zu halten. Und es gibt in der Tat sehr viel mehr zu entdecken...

 

Ohne Smartphone

Vier AAA-Batterien sind schnell im stabilen und wertig wirkenden Plastikkörper von MiP verschwunden. Dann kann’s losgehen. Von Haus verlangt die Maschine kein Smartphone oder Tablet - dies ist optional. Das ist gut, kann so das Spielen ohne Installieren von Apps beginnen. Ausgestattet ist MiP mit einem Mikrofon, Infrarot-Sensoren, LED-Augen und IR-Sender auf bzw. im Kopf. Zusätzlich sind die Arme beweglich, ein Lautsprecher befindet sich auf der Rückseite  und eine LED in der „Brust“ gibt Auskunft über den aktiven Modus. Unten befinden sich die Räder, die zugleich der Modusauswahl dienen.

Ist MiP eingeschaltet, dreht man an den Rädern, um zwischen den Spielarten zu wechseln. Standardmäßig (Blaue LED) wartet er auf Gesten-Eingaben, also Handbewegungen des Nutzers. Im Stapelmodus (Rosa) befestigt man ein kleines Plastiktablett an MiP, auf dem Gegenstände transportiert werden. Zusätzlich stehen ein Käfigmodus (Weiß; Katz-und-Maus-Spiel zwischen Roboter und Mensch), ein Trickmodus (Rot; bis zu 50 Bewegungen kann man dem Roboter manuell beibringen), ein Umherfahrmodus (Gelb; autonomes Fahren), ein recht wilder Tanzmodus (zufällige Melodien werden abgespielt) und der Verfolgermodus (Orange; folgt selbständig den Gesten des Nutzers). Das alles bietet genügend Spielraum für Experimente und das Finden des optimalen Einsatzes.

Mit Smartphone

MiP besitzt ein integriertes Bluetooth-Modul, wodurch der Roboter neue Fähigkeiten erhält, wird er mit einem Smartphone oder Tablet (Android oder iOS) verbunden. Hier ist dann eine direkte Kontrolle möglich, das heißt das Telefon wird zur Fernsteuerung. Zusätzlich kann MiP mit virtuellen Dosen, fast wie ein Tamagotchi, gefüttert werden. Dadurch verändert er dezent sein Verhalten. Er tanzt auch zur auf dem Smartphone gespeicherten Musik, kämpft oder boxt gegen andere MiPs (sofern vorhanden), fährt zuvor auf den Touchscreen gezeichnete Routen oder stapelt im Wettbewerb Dinge.

 

Ganz klar: Die App-Elemente sind zusätzlich für Mehrspieler-Freuden ausgelegt, aber vor allem das Zeichnen der Routen sowie das freie Fahren sind schon eine echte Bereicherung und funktionieren sehr gut.

Die Grenzen

Es ist schon ein wenig kurios, dass MiP im ausgeschalteten Zustand nicht gerade und selbständig stehen kann, er seinen Körper eingeschaltet aber sehr präzise balanciert. Manchmal allerdings scheint er etwas sein Gleichgewicht zu verlieren, vor allem wenn man ihn einige Zeit ignoriert. Nicht hundertprozentig glücklich bin ich mit der Gestensteuerung. Die verbauten Sensoren nehmen Handbewegungen nach links, rechts, vorne und hinten wahr, was allerdings nicht immer klappen mag. Viel zu häufig werden Eingaben ignoriert oder falsch wahrgenommen. Kurioserweise funktioniert die Kontrolle im Verfolgen-Modus besser als im Standard-MiP-Modus, der zugleich als Voreinstellung gewählt ist.

Ebenfalls erkennt MiP nicht alle Hindernisse bzw. kleinere Objekte, die nicht in seinen „Sichtradius“ fallen. Und da der Bot hinten und an den Seiten keine „Augen“ besitzt bzw. seinen Kopf gar nicht bewegen kann, stößt man zwangsläufig an die Grenzen der Möglichkeiten. Das Stapeln von Gegenständen auf dem Tablett ist schon sehr witzig anzusehen und ein amüsanter Gag für die Party - da als Minispiel prima geeignet. Wer zu langsam ist, dem haut MiP die Gegenstände vom Tablett um die Ohren.

Womit ich zugegeben nicht so gut zurecht gekommen bin, das ist der Trickmodus. Hier bringt man dem Roboter Fähigkeiten bei, was doch recht kompliziert ist. Das Handbuch hilft weiter, mehr als ein paar simple Dinge wollte ich nicht probieren. Das bereitet zumindest mir keine wirkliche Freude, hier sind wohl Geduld und Übung gefragt. Wie bei einem Haustier, sozusagen. Anders sieht es bei den weiteren Spielarten aus - gerade das Verfolgen ist neben der regulären Fernsteuerung via App mein persönliches Highlight.

Fragt nicht nach dem Sinn!

Was soll der Quatsch? Diese Frage könnte man sich bei so vielen Spielzeugen der Gegenwart stellen. MiP hat darauf auch keine plausible Antwort, zumal er im Grunde keine richtige KI besitzt. Er lernt nicht ernsthaft dazu, besitzt keine komplexe Persönlichkeit und keine eigenständigen Verhaltensweisen. Alles, was er beherrscht, ist vorprogrammiert und kann mittels Software und Gestensteuerung beeinflusst werden. Das ist eine Zeitlang spaßig, launig und immer wieder ein amüsanter Scherz für Groß und Klein - zum Beispiel bei Familiengeburtstagen oder Kinderfesten.

 

Umso länger man sich mit MiP beschäftigt, umso mehr Wünsche offenbaren sich. Cool wäre eine integrierte Kamera gewesen. Oder wieso wird der integrierte Speaker nicht als Lautsprecher genutzt? Dann hätte MiP eine tanzende Boombox sein können - durchaus ein schrulliger Mehrwert irgendwie. Auch hätte eine dezent komplexere KI sicherlich nicht geschadet, um dem Roboter etwas mehr Profil zu verleihen. Eine präzisere Gesten- sowie Hindernis-Erkennung würde ich mir ferner wünschen. In der Form ist MiP also das, was er ist: Ein lustiger Geselle, der eigentlich nur Spaß bringen möchte.

Ach, irgendwie nett!

Die einen mögen sagen: Was für ein Unsinn - und dann noch so teuer. Sicherlich ist diese harsche Äußerung nicht unangebracht, reden wir hier doch über ein interaktives Spielzeug, das mit etwas Pech recht schnell im Schrank verschwindet. Aber vielleicht, um MiP bei der nächsten Gelegenheit wieder rauszuholen? Wer einen witzigen Roboter mit ein paar Spielen und einer ungewöhnlichen, aber auch schicken Konstruktionsform gerne durch die Wohnung fahren (lassen) möchte und zudem motiviert ist, sich mit den genannten Spielmodi zu beschäftigen, erhält ein vielfältiges Gadget für die ganze Familie. Im Zweifelsfall transportiert man halt Kleinigkeiten via Smartphone durch die Wohnung - dafür ist MiP jedenfalls wunderbar geeignet (sofern man ihn beherrscht).

Selbst hat mir MiP auf jeden Fall auf infantile Art und Weise Spaß bereitet. Löblich ist auch die gute Verarbeitung und der insgesamt überzeugende Gesamteindruck. Für einen Nachfolger gibt’s aber noch einiges an Potential, was man nutzen könnte.

Weitere Details gibt's auf der Webseite des Herstellers.

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